Betriebliches Gesundheitsmanagement: Geheimwaffe für Ihre HR-Arbeit

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Sind Ihre Kollegen kerngesund und motiviert – oder geht es im Team erst dann heiß her, wenn diverse Zipperlein diskutiert werden? Ob Mitarbeiter leistungsbereit und -fähig sind, hängt mit ihrem körperlichen Wohlbefinden zusammen. Genau hier setzt das betriebliche Gesundheitsmanagement an. In diesem Artikel erfahren Sie, was Sie über Corporate Health wirklich wissen müssen.

Die Basis für motivierte und produktive Kollegen ist eine starke Unternehmenskultur: Wie Sie die erschaffen, lernen Sie in unserem Praxisleitfaden.

 

Die Gesundheit der Mitarbeiter ist für Unternehmen ein essentieller Wirtschaftsfaktor. Klar, denn krankheitsbedingte Ausfälle bremsen die Wertschöpfung und treiben gleichzeitig die Kosten in die Höhe. Allein für die Entgeltfortzahlung mussten Chefs in Deutschland 2017 rund 60 Milliarden Euro hinblättern. 

Was für sich allein schon als valider Grund für Gesundheitsförderung im Unternehmen stünde, wird im Zuge von New Work um weitere Argumente ergänzt. Denn die junge Generation von Arbeitnehmern hat ein neues Verständnis davon, wie sie leben und arbeiten will.

“Der Health Trend wird privat immer größer und viele Arbeitnehmer wollen diesen auch mit ihrem Beruf in Einklang bringen. Dementsprechend wächst der Druck auf Unternehmen”, weiß Jonas Höhn, Gesundheits-Enthusiast und Gründer des Health-Unternehmens detoxRebels. Denn um jetzt und in Zukunft bei klugen Köpfen zu punkten und sich von Wettbewerbern abzusetzen, müssen Unternehmen in das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter investieren. Eine Lösung dafür: betriebliches Gesundheitsmanagement.

Was ist betriebliches Gesundheitsmanagement?

Betriebliches Gesundheitsmanagement (kurz BGM) ist per Definition ein genau geplanter, strategischer Prozess, der sich aus Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung, zum Arbeitsschutz und zum Betrieblichen Eingliederungsmanagement zusammensetzt.

Als strategisches HR-Tool verfolgt es das Ziel, die Gesundheit und Motivation der Mitarbeiter langfristig zu stärken und zu erhalten – etwa durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen oder des Arbeitsumfeldes. Dabei schießt das betriebliche Gesundheitsmanagement mit seinen Maßnahmen natürlich nicht ins Blaue. Die durchgeführten Aktivitäten werden regelmäßig überprüft und angepasst. Dazu dienen Analyse-Instrumente wie Mitarbeiterbefragungen oder die psychische Gefährdungsbeurteilung.

Betriebliches Gesundheitsmanagement oder betriebliche Gesundheitsförderung?

In der Praxis werden die Begriffe oft synonym verwendet, doch betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist nur ein Teilbereich des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Während bei der BGF die aktive Unterstützung der Mitarbeitergesundheit im Fokus steht, ist die betriebliche Gesundheitsförderung als übergeordnete Disziplin im Personalmanagement und in der Organisationsentwicklung verwurzelt.

Welche Vorteile hat ein betriebliches Gesundheitsmanagement?

Betriebliches Gesundheitsmanagement – besonders die betriebliche Gesundheitsförderung – ist ein ideales HR-Werkzeug, denn es unterstützt bei wichtigen strategischen Initiativen: von der Mitarbeiterbindung bis zum Employer Branding.

1) Gestärkte Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung

Bei einer Umfrage unter 1.538 Arbeitnehmern sahen sich 85% der Befragten durch ein BGM-Angebot ihres Arbeitgebers wertgeschätzt, ein großer Teil bestätigte, sich stärker mit dem Unternehmen verbunden zu fühlen. Der Mechanismus dahinter ist einfach. “Mitarbeiter und Unternehmen führen eine Art Beziehung”, erklärt Jonas Höhn. “Wenn dein Partner dir jeden Tag zeigt, wie toll du bist, wirkt sich das auf die Qualität der Beziehung aus.”

2) Reduzierte Kosten

Kranke Arbeitnehmer kosten Unternehmen ein Vermögen: Allein die entstandenen Produktionsausfälle in den USA beliefen sich 2018 auf $530 Milliarden. Der Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) sollen Abhilfe schaffen: Ihr Zweck ist es, das Unfallrisiko im Büro auf ein Minimum zu reduzieren und länger ausgefallene Mitarbeiter wieder produktiv in den Betriebsalltag einzubinden.

3) Positivere Unternehmenskultur, besseres Arbeitsklima

Gerade in agilen Unternehmen ist ein flexibles und kollegiales Miteinander wichtig. “Gesunde Mitarbeiter gehen nicht nur besser mit Veränderungen um, sie achten ganz anders auf sich und ihre Kollegen.” Das weiß Jonas Höhn aus eigener Erfahrung. Auch das Arbeitsklima übt Einfluss auf die Art und Weise aus, wie im Unternehmen (zusammen-) gearbeitet wird – und das lässt sich durch Corporate-Health-Aktivitäten im Schnitt um 32% verbessern.

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4) Gesteigerte Leistungsfähigkeit 

Gesunde Mitarbeiter sind produktiver und kreativer. Für eine Studie der University of Bristol nahmen 201 Arbeitnehmer im täglichen Wechsel an einem Sportprogramm teil. An den aktiven Tagen konnten sich 21% bzw. 25% der Probanden besser und länger auf ihre Aufgaben konzentrieren, 41% fühlten sich motivierter. Wissenschaftler der Stanford University fanden zudem heraus, dass schon moderate Bewegung reicht, um die Kreativität anzukurbeln. 

5) Verbesserte Wettbewerbsfähigkeit

Yoga-Sessions, gesunde Kochabende, eine flexible Home Office Policy: Richtig nach außen getragen sind die Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements ideales Futter für Employer-Branding-Aktivitäten. Sie stärken die Attraktivität des Arbeitgebers und punkten in der Generation der Millennials. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, passende Kandidaten zu finden – gerade deshalb eignet sich betriebliches Gesundheitsmanagement, um sich von Wettbewerbern abzugrenzen.

Maßnahmen und Umsetzung von BGM

Wer betriebliches Gesundheitsmanagement im Unternehmen anbieten will, sollte für sich zunächst einige Fragen klären: 

  • Wo stehen wir aktuell in puncto betrieblicher Gesundheit? (Status quo)
  • Was wollen wir mit BGM erreichen? (Ziele)
  • Welche Maßnahmen sind die richtigen für uns? (Auswahl)
  • Was brauchen wir, um diese Maßnahmen einzuführen? (Ressourcen)
  • Helfen diese Maßnahmen uns wirklich bei der Zielerreichung? (Evaluation)

Sehen Sie sich an, wo Ihre derzeitigen Probleme liegen. Sind die Krankenstände im Unternehmen zum Beispiel überproportional hoch? Sind Mitarbeiter gestresst und unmotiviert? Gibt es vielleicht schon gesundheitsfördernde Aktivitäten, die Sie einsetzen – und wie gut werden sie angenommen? Legen Sie daraufhin konkrete Ziele fest, etwa die Zahl der Krankheitstage zu senken oder Ihr Employer Branding zu verbessern. Ganz wichtig: Setzen Sie BGM nicht einfach ein, weil alle es tun. Machen Sie sich bewusst, wie BGM Ihr Unternehmen sinnvoll unterstützen kann.

“Um passende Maßnahmen für Corporate Health auszuwählen, muss man sich die Grundsätze und Werte im Unternehmen bewusst machen”, erklärt Jonas Höhn. “Erhalten nur die Mitarbeiter Anerkennung, die ohne Pausen durcharbeiten und Abends um 23 Uhr noch Mails schreiben? Fakt ist: BGM ist auch Kultur- und Mindset-Sache.”

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Betriebliches Gesundheitsmanagement

Gesundes Frühstück oder Laufgruppen: Viele BGM-Maßnahmen lassen sich einfach umsetzen.

Finden Sie heraus, welche Aktivitäten zu Ihrem Unternehmen passen. Würden Sie Ihren rückenschmerzgeplagten Mitarbeitern mit Stehschreibtischen den größten Gefallen tun? Oder indem Sie den Süßigkeitenautomaten verbannen und stattdessen gesunde und leckere Snacks anbieten? Überlegen Sie anschließend, welche Ressourcen und Strukturen Sie für die erfolgreiche Einführung von Corporate Health in Ihrem Unternehmen brauchen und legen Sie los. 

10 Corporate-Health-Maßnahmen für KMUs

  • Flexible Arbeitszeiten (z.B. Home Office, Gleitzeit)
  • Kooperation mit Fitnessstudios und Wellness-Dienstleistern
  • Arbeitsumfeld mit Tageslicht, Pflanzen, Rückzugsräumen
  • Schulungen für Führungskräfte zum Thema “Gesund führen”
  • Stehschreibtische, ergonomische Sitzbälle etc.
  • Inhouse Yoga- und Laufgruppen
  • Ermutigung zu aktiven Pausen
  • Frisches Obst und gesunde Snacks
  • Angebote für Stressbewältigung, Entspannung, Konfliktlösung
  • Regelmäßige Umfragen zum Thema Gesundheit

“Viele Maßnahmen für betriebliches Gesundheitsmanagement lassen sich mit wenig Aufwand umsetzen”, weiß Jonas Höhn von detoxRebels. “Dann kommt in der Kantine zum Beispiel 70% Bio-Essen auf den Tisch. Andere Unternehmen ermuntern Mitarbeiter, die Treppe statt den Aufzug zu nehmen, indem sie das Treppenhaus mit motivierenden Sprüchen versehen.” 

Jonas’ BGM-Erfolgstipps

Jonas Höhn von detoxRebels

Mit detoxRebels entwickelt Jonas Höhn innovative, ganzheitliche, gesundheitsfördernde Konzepte für Unternehmen.

  1. Werden Sie kreativ! Sie müssen Ihr Angebot nicht ständig erweitern – machen Sie stattdessen einfach mal was anders. Bringen Sie immer wieder neue Impulse, um Mitarbeiter aus ihrem Trott zu reißen. Überraschen Sie Ihr Team, sonst verlieren die Maßnahmen langfristig an Erfolg. 
  2. Kommunizieren Sie BGM-Angebote attraktiv und modern! Viele Mitarbeiter wissen vielleicht gar nicht, von welchen Aktivitäten und Angeboten sie profitieren könnten. Lassen Sie sich auch hier etwas einfallen und versuchen Sie, Begeisterung für die gesundheitsfördernden Maßnahmen zu wecken.

Es muss nicht immer mehr sein, sondern einfach mal anders! 

Im letzten Schritt sehen Sie sich an, ob Ihre Aktivitäten Früchte tragen. Ziehen Sie dafür Ihre zuvor definierten Kennzahlen zu Rate, etwa

  • Fehlzeiten durch Krankheit
  • Arbeitsunfälle
  • Mitarbeiterfluktuation
  • Produktivität 
  • Mitarbeiterzufriedenheit
  • Teilnahme an gesundheitsfördernden Maßnahmen
  • usw.

Wie haben sich die Zahlen verändert? Sind positive Tendenzen erkennbar? Auch die regelmäßige Durchführung von Befragungen hilft Ihnen dabei, die Erfolge Ihrer Maßnahmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement zu messen.

Betriebliches Gesundheitsmanagement in der Rechtssprechung

Über die rechtlichen Rahmenbedingungen des betrieblichen Gesundheitsmanagements herrscht oft Unklarheit. Zwei Antworten, die Sie kennen sollten.

Sind BGM-Maßnahmen Pflicht für Arbeitgeber? 

Maßnahmen für betriebliches Gesundheitsmanagement sind zwar sinnvoll, doch generell nicht verpflichtend. Eine Ausnahme bilden Grundpflichten aus dem Arbeitsschutzgesetz. Anhand der Gefährdungsbeurteilung müssen Arbeitgeber reale Gefahren ebenso wie die Ursachen psychischer Belastungen am Arbeitsplatz prüfen und im Zweifel aus der Welt räumen (§ 3 Abs. 1 ArbSchG). Auch die Arbeitsstättenverordnung oder die Gefahrstoffverordnung bilden einen rechtlich verpflichtenden Rahmen für Ihr betriebliches Gesundheitsmanagement.

Fallen für BGM-Maßnahmen Steuern an?

Der Staat unterstützt gesundheitsförderliches Verhalten seitens des Arbeitgebers. Deshalb sind Aktivitäten im Rahmen des BGM, die darauf abzielen, die Gesundheit von Mitarbeitern zu fördern, steuerlich befreit – pro Mitarbeiter bis zu einer Höhe von 500 Euro jährlich (§ 3 EStG). Dafür müssen die Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements allerdings gemäß der Anforderungen der §§ 20 und 20b SGB V zertifiziert sein.

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Susanne Schloßbauer

Susanne ist Geschichtenerzählerin aus Leidenschaft und weiß, dass guten Texten eine ausgeklügelte Mischung aus Strategie, Humor und einem Sinn für das, was Leser bewegt, zugrunde liegt. In ihre Texte bringt sie ihre Content-Expertise aus dem Headhunting-Bereich sowie ihre Erfahrungen aus der Selbstständigkeit ein. Zuletzt lebte sie in Südafrika.