Stressbewältigung am Arbeitsplatz: So kann HR unterstützen

Stressbewältigung am Arbeitsplatz ist besonders in Zeiten von Corona wichtig.

Noch ein Projekt, noch eine Deadline – fertig ist ein gefährlicher Stress-Cocktail. Ihre Mitarbeiter:innen merken meist gar nicht, wie sie immer tiefer in dieses Cocktailglas schauen – besonders im Dauer-Home-Office, wo oft keine räumliche Trennung von Arbeit und Privatleben stattfindet. In diesem Artikel geben Ihnen die Experten von mynd:way Tipps, wie HR bei der Stressbewältigung am Arbeitsplatz unterstützen kann.

Download: Praxistipps für ein stressfreies Home-Office

Was sind die 4 typischen Warnsignale für Stress?

Zunächst ist wichtig: HR steht meist nicht in direktem Kontakt zu den Mitarbeiter:innen. Umso wichtiger ist es, sich regelmäßig mit Führungskräften auszutauschen. Denn die sind Ihr verlängerter Arm zu den Mitarbeiter:innen und erkennen schneller, wenn etwas nicht stimmt. Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass Team-Mitglieder gestresst sind:

1. Ihre Mitarbeiter:innen sind in Gesprächen oft abgelenkt

Wenn Ihre Mitarbeiter:innen eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben und in Gesprächen wiederholt aufs Smartphone schauen, fehlt ihnen der Fokus auf das Hier und Jetzt. Das kann dafür sprechen, dass sie viel zu viel auf dem Tisch liegen haben und sich nicht auf eine Sache konzentrieren können.

Auch wichtig: In Unterhaltungen ist auch die Atmung und Gesprächsführung ein guter Indikator für Stress. Werden Kolleg:innen hektisch, hibbelig oder können nicht still sitzen, kann das ein Warnsignal sein.

2. Die Überstunden häufen sich

Einmal wegen eines Projekts länger am Schreibtisch sitzen zu bleiben, ist okay. Aber jeden Tag einen 10-Stunden-Job zu erledigen, ist eine pure Stressfalle – und wird im schlimmsten Fall zur Normalität für den oder die Mitarbeiter:in.

Überstunden immer im Blick

Behalten Sie den Überblick über geleistete Überstunden und erkennen Sie so Warnsignale früher. Personio hat dafür die richtige Lösung für Sie.

 

3. Die Beziehung zu Kollegen ändert sich

Anfangs ein Sonnenschein, später ein Miesepeter – oder einfach nur in sich gekehrt. Wenn Sie oder Ihre Führungskräfte beobachten können, dass sich der Ton unter Kollegen oder Verhaltensweisen ändern, kann dies auf Stress hindeuten.

Auch Konflikte, unausgesprochene Missverständnisse etc. können Stress verursachen und langfristig zu schwierigen Beziehungen unter Kollegen führen. Und die führen wiederum zu einer geringeren Produktivität.

4. Das Team-Mitglied ist oft angespannt

Explodiert Ihr Team-Mitglied bei der kleinsten Frage oder wirkt er oft gereizt? Dann ist es auch hier höchste Zeit, etwas zu unternehmen!

Unser Tipp: Vorbeugen statt Feuerlöschen! Und wie immer hilft hier Reden. Führen Sie gezielte Gespräche mit Mitarbeiter:innen sowie Führungskräften und adressieren Sie Themen wie Wohlbefinden und Schlaf, Fokus und Workload. Führen Sie zudem regelmäßige Umfragen auf Organisationsebene durch, damit Sie sich ein Gesamtbild über den Status quo in Ihrem Unternehmen machen können.

So steht es um den Stresspegel in Unternehmen

Laut Studie würden sich durchschnittlich mehr als 50 % der Mitarbeiter:innen und Führungskräfte in Unternehmen als gestresst bezeichnen. Tendenz steigend.

So unterstützen Sie bei der Stressbewältigung

HR kann Mitarbeiter:innen aktiv dabei helfen, im wahrsten Sinne des Wortes durchzuatmen. In den meisten Fällen ist ihnen nämlich gar nicht bewusst, dass sie gestresst sind.

Das How Are You-Dashboard by myndway

Regen Sie Mitarbeiter:innen also im ersten Schritt zur Selbstreflexion an. Die Experten von mynd:way empfehlen das “How are you”-Dashboard. Dieses Dashboard füllen Mitarbeiter:innen jeden Tag für sich aus und machen sich so Stresssituationen bewusst: Wie geht es mir gerade? Wie ist meine Atmung? Mein Puls?

Laden Sie sich hier das “How Are You”-Dashboard als PDF herunter.

Darüber hinaus können Sie aktiv Pausen für alle Mitarbeiter:innen gestalten. Blocken Sie zum Beispiel jeden Mittwoch 15 Uhr bis 15:05 Uhr für eine achtsame Pause, in der alle bewusst zehnmal tief ein- und ausatmen.

Übrigens: Auch Meetings können Sie achtsam gestalten. Gönnen Sie sich dafür einfach im Kollektiv eine Minute der Stille, bevor Sie mit der geplanten Agenda starten. Mehr Tipps hierzu erfahren Sie in diesem Artikel.

Fördern Sie außerdem eine bewusste Kommunikation in Ihrem Unternehmen. Hier geht es um das aktive Zuhören und Wiedergeben des Gesagten. Dabei helfen Sätze wie: “Ich habe das, was du gesagt hast, wie folgt verstanden: …” Das hilft zum einen, Missverständnisse und einen Informationsüberfluss zu vermeiden, und zum anderen, auf einen gemeinsamen Nenner über das zu kommen, was gerade besprochen wurde.

Tipp: Probieren Sie auch sogenannte FuckUp-Meetings aus. In diesem Termin besprechen alle Anwesenden eigene Fehler und können aktiv um Hilfe bitten.

Was sind 7 Übungen zur Stressbewältigung am Arbeitsplatz?

Das Team von mynd:way empfiehlt sieben Übungen zur Stressbewältigung, die Sie an Ihre Mitarbeiter:innen und Führungskräfte weitergeben und/oder für sich selbst nutzen können. Die Übungen beziehen sich auf die individuelle Ebene sowie die Team- und Organisationsebene.

Individuelle Ebene

Den Alltag achtsam gestalten: Ihre Mitarbeiter:innen sollten Ablenkungen erkennen, vermeiden und sich nicht stören lassen, wenn sie gerade konzentriert an einem Projekt arbeiten. Sie können beispielsweise Push-Nachrichten abstellen, E-Mails bewusst für mehrere Stunden ungeöffnet lassen und feste Bearbeitungsblöcke definieren.

Pausen einplanen und nutzen: Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter:innen, öfter Pausen zu machen. Es reicht meist, kurz raus an die frische Luft zu gehen, beide Füße auf den Boden zu stellen (und das bewusst wahrzunehmen) oder 3-5 Minuten zu meditieren.

Die mynd:way Schatzkarte ist eine super Basis zur achtsamen Selbstreflexion. Hier können Sie sie frei als PDF herunterladen.

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Dem Meeting-Marathon begegnen: Oft lässt sich an der Häufigkeit der Termine nichts ändern. Man kann aber lernen, besser mit ihnen umzugehen. Zum Beispiel kann die Zeit zwischen den Meetings dafür genutzt werden, für eine Minute die Augen zu schließen und dreimal durchzuatmen. Wenn man den (virtuellen) Meeting-Raum betritt, kann man kurz innehalten, präsent werden und den vorangegangenen Termin hinter sich lassen.

Team-Ebene

Achtsame Termine gestalten: Führen Sie achtsame Check-Ins zu Beginn von Terminen ein, um allen die Chance zu geben, ganz im Treffen anzukommen und um den Fokus zu erhöhen. Sie können die Meetings zum Beispiel mit einer Minute der Stille beginnen oder alle Teilnehmer bitten, je drei Impressionen des heutigen Tages teilen.

Menschlichkeit in den Fokus rücken: Schaffen Sie Raum für den ganzen Menschen. Bedeutet: Lassen Sie Emotionen in Gesprächen zu, erlauben Sie Fehler und sprechen Sie darüber. Gemeinsames Lachen hilft übrigens besonders gut gegen Stress. Warum also nicht regelmäßig zusammenkommen und Highlights teilen – und einfach gemeinsam Spaß haben.

Organisationsebene

Führungskräfte sollten Vorbilder sein: Das bedeutet, sie sollten vorleben, was sie Mitarbeiter:innen mitteilen, z. B. hinsichtlich Themen wie Fehler zulassen, kalkuliertes Risiko eingehen oder Emotionen zeigen. Meistens ist Führungskräften gar nicht bewusst, wie viel Freude eine selbst geschriebene Geburtstagskarte auslöst, in der man einfach mal Danke sagt.

Transparente Kommunikation vorleben: Welche Projekte stehen an? Bei welchen Projekten machen wir welchen Fortschritt? Und was haben wir aus den Erfahrungen gelernt? Projekte zu visualisieren und zu besprechen, fördert den Informationsfluss und dadurch die Agilität im Team.

Checkliste: Stressfreies Home-Office

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Hier finden Sie die besten Tipps und Praxisbeispiele für ein achtsames Home-Office.

 

Stressbewältigung durch HR: Muss das sein?

Kurzum: Ja. Das belegen diese vier Gründe:

Stress und krankheitsbedingte Fehltage hängen unmittelbar zusammen: Stress wirkt sich auf das Immunsystem aus und kann langfristig das Burn-Out-Risiko erhöhen. Bei hohem Stresslevel erhöht sich das Cortisol-Level im Körper, was wiederum das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht.

Ohne Förderung ist das Risiko höher, ein angeschlagenes Team um sich zu haben. Und das hat wiederum Effekte auf das generelle Energielevel, die Stimmung und die Beziehungen im Team.

Je mehr Stress, desto weniger neue Gedanken denkt der Mensch. Der Fokus wird zunehmend enger und das Gehirn ist damit beschäftigt, sich auf die direkten Aufgaben zu konzentrieren. Lernfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit nehmen ab. Die Folge: Die Innovation leidet.

Je mehr Stress, desto anfälliger ist die Beziehung zwischen Arbeitskollegen. Bei hohem Stress konzentriert sich das Individuum zunehmend auf sich selbst. Der Raum für Empathiefähigkeit wird kleiner, was zu Produktivitätseinbußen im Team führt.

Fazit

Stressgeplagte Mitarbeiter:innen bedeuten zusätzliche Kosten für Unternehmen. Die Produktivität, Effizienz und Innovationskraft leidet. HR kann hier eingreifen und Mitarbeiter:innen peu a peu bei der Stressbewältigung unterstützen. Dabei gilt: Versuchen Sie nicht alles auf einmal zu ändern, sondern probieren Sie unterschiedliche Maßnahmen Schritt für Schritt aus.

Also: Gießen Sie den Stress-Cocktail den Abfluss hinunter und stoßen Sie lieber mit Schampus auf Erfolge an.

Über mynd:way

In ihrem blended Learning-Ansatz bringt mynd:way Neurowissenschaft, Achtsamkeit und Agilität zusammen mit dem Ziel, die Menschen im Unternehmen mit digitalen Skillsets auszustatten. In 8-wöchigen Lernreisen erarbeiten Mitarbeiter:innen, Führungskräfte und Teams in Workshops und über digitale Inhalte, welche Rolle sie im Unternehmen einnehmen, wie sie Sinn und Werte leben und wie sie bewusste Kommunikation gestalten möchten.