Gesundheit am Arbeitsplatz fördern: 7 Tipps

Gesundheit am Arbeitsplatz

Krummes Sitzen, schlechte Ernährung und dann noch dieser ganze Corona-Stress: Die körperliche und seelische Gesundheit von Ihren Arbeitnehmer*innen wird oft auf eine harte Probe gestellt. Doch Sie als Arbeitgeber können – und müssen – dem entgegenwirken. In diesem Artikel geben Ihnen deshalb Tipps, wie Sie die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz sicherstellen.

Regelmäßiges Feedback hilft, psychische Probleme Ihrer Mitarbeiter schneller zu erkennen. Erfahren Sie hier mehr.

Wie wichtig ist die Gesundheit am Arbeitsplatz?

Laut dem Portal für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz (psyGA) gehören psychische Erkrankungen zum zweithäufigsten Grund für Arbeitsunfähigkeit und Krankschreibungen. Auch die Dauer der Ausfälle ist beachtlich. “Die durchschnittliche Dauer psychisch bedingter Krankheitsfälle ist mit 38,9 Tagen mehr als dreimal so hoch wie bei anderen Erkrankungen mit 13,2 Tagen im Durchschnitt”, gibt psyGA an und beruft sich damit auf den BKK Gesundheitsreport 2018.

Verschärfung durch die Krise

David Mallon, Chef-Analyst bei Deloitte, sagt: „Das Wohlbefinden unserer Belegschaft ist von entscheidender Bedeutung. Dies galt schon vor der Pandemie. Die momentane Krisenzeit erhöht die Dringlichkeit nur noch.“

David nennt dazu einige Zahlen aus dem Deloitte-Bericht 2020 “Global Human Capital Trends”:

  • 80% sagen, dass das Wohlbefinden wichtig ist.
  • 94% sagen, dass es die Leistung antreibt.
  • 96% sagen, dass das Wohlbefinden in der Verantwortung von Unternehmen liegt.
  • Doch 2/3 messen ihre Auswirkungen überhaupt nicht.

Die Gesundheit am Arbeitsplatz ist momentan wichtiger denn je, denn seit Covid-19 ist Home Office für viele Arbeitnehmer zur Norm geworden. Nicht jeder fühlte sich mit dieser Veränderung wohl, und die Anpassung dürfte vielen Ihrer Arbeitnehmer in vielerlei Hinsicht Sorgen bereitet haben:

  • Keine idealen Arbeitsplätze
  • ständige Unterbrechungen durch Familienmitglieder oder Haustiere
  • die Notwendigkeit, Kinder zu Hause zu unterrichten
  • Gewichtszunahme durch Stress-Essen oder bequemes Naschen
  • Einsamkeit und sogar Depressionen aufgrund der Selbstisolation

Was sagt das Recht?

Kurzum: Es ist Gesetz, darauf zu achten, wie es den Mitarbeiter*innen geht. Laut § 618 BGB haben Arbeitgeber eine ‚Fürsorgepflicht‘ gegenüber dem Arbeitnehmer. Das bedeutet, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun müssen, um die Gesundheit, Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter zu unterstützen. Aber wie?

7 Tipps: Gesundheit am Arbeitsplatz fördern

Zu den größten Ursachen gehören ein zu hohes Arbeitspensum und ein hoher Leistungs- und Zeitdruck, sagt die IKK Südwest. Meistens ist es aber eine Kombination aus mehreren Problemen, die die Gesundheit von Mitarbeitern beeinflussen, weswegen sie das Thema ganzheitlich angehen sollten.

Kernstandards erfüllen:

  • Erstellen Sie einen Plan zur (psychischen) Gesundheit am Arbeitsplatz sowie einen Prozess zur Überwachung von Maßnahmen und Ergebnissen.
  • Fördern Sie eine offene Kommunikation über das Thema.
  • Schärfen Sie das Bewusstsein für psychische Probleme.

Wenn es darum geht, psychische Probleme bei Ihren Mitarbeiter*innen zu identifizieren, sollten Sie sich mit Ihren Führungskräften abstimmen, denn sie haben täglichen Kontakt zu den Mitarbeiter*innen. Klären Sie sie darüber auf, wie sie (erste) Anzeichen erkennen können und bieten Sie Ihnen eine Schulung zur psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz an. Setzen Sie zudem Dokumente auf, die sich mit Prävention, Intervention und Schutz befassen.

Alle wichtigen Informationen zum betrieblichen Gesundheitsmanagement finden Sie in diesem Artikel.

Konkrete Maßnahmen:

  • Arbeitsbedingungen: Hierzu gehören z. B. ein gesundes Angebot an Getränken und Snacks, ein vielfältiges Kantinenangebot, klimatisierte Räume sowie ergonomische Stühle und Tische.
  • Arbeitsorganisation: Mit flexiblen Arbeitszeiten zahlen Sie auf eine gute Work Life Balance ein und geben Mitarbeiter*innen Freiraum, ihr Arbeitspensum je nach Konzentrations-Hochphasen einzuteilen.
  • Wohlbefinden: Das können Sie mit Sportangeboten wie Yoga oder Fitnessstudio-Zuschlägen steigern, aber auch durch Laptop-Programme wie f.lux, um die müden Augen der Mitarbeiter*innen zu entlasten. Zudem helfen regelmäßige Pausen (15 Min. alle 90 Min), um die Produktivität zu steigern.
  • Motivation: Hierzu gehören Aspekte wie stete Weiterbildungen, viel Wertschätzung und eine gesunde Feedback-Kultur.

In dieser Checkliste finden Sie 31 weitere Tipps, um Ihre Mitarbeiter zu motivieren.

Dokumente sollten leicht auffindbar sein

Digitale Personakte

Speichern Sie Dokumente wie formale Richtlinien oder Beurteilungen der psychischen Gesundheit in einer digitalen Mitarbeiterakte und stellen Sie sicher, dass alle Daten bei Bedarf zur Hand sind.

Wie Sie die Gesundheit am Arbeitsplatz zum Unternehmensthema machen

Heutzutage ist es wichtiger denn je, die psychische Gesundheit auf die Unternehmensagenda zu setzen. Die Mental Health Foundation sagt dazu: „Es ist überaus wichtig, die Zustimmung der Führungsspitze zu erhalten und sicherzustellen, dass Gespräche über psychische Gesundheit und Wohlbefinden auf Vorstandsebene stattfinden.” Wie erhalten Sie diese Unterstützung?

Legen Sie Zahlen vor

Wenn man sich gut um die psychische Gesundheit der Mitarbeiter kümmert, kann das tatsächlich dazu beitragen, die Moral zu verbessern und die Fluktuation zu verringern – und das sollten Sie dem Management in einem Business Case zeigen.

Weitere Vorteile für Unternehmen:

  • Die Zufriedenheit, Produktivität und Motivation der Mitarbeiter steigt.
  • Die Mitarbeiterbindung wird gestärkt.
  • Ein verbessertes Betriebsklima.
  • Reduzierte Krankheitskosten und Fehlzeiten.
  • Ein starkes Employer Branding.

Beispielsweise sagt psyGA, dass allein die Krankheitskosten für psychische Erkrankungen 44,4 Mrd. Euro betragen. Wenn auch nur ein Bruchteil dieser Kosten durch die Reduzierung von Fehlzeiten, Anwesenheit (Anwesenheit bei der Arbeit während der Krankheit) und Mitarbeiterfluktuation gesenkt werden kann, lohnt sich die Investition.

Setzen Sie Ziele fest

Mit konkreten Zielen schaffen Sie ein besseres Bewusstsein für die Gesundheit am Arbeitsplatz und zeigen, dass die Auswirkungen durch psychische Probleme gemessen und verringert werden können.

Wählen Sie den richtigen Zeitpunkt für die Einführung von Initiativen zur psychischen Gesundheit. Angesichts des Stresses, unter dem Arbeitnehmer*innen momentan leiden, gab es noch nie einen besseren Zeitpunkt, um die psychische Gesundheit auf die Tagesordnung des Unternehmens zu setzen.

Fazit

Früher war es ein „Nice-to-have“, klare Richtlinien für die psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu haben. In unserer gegenwärtigen Situation ist dies unerlässlich. Zwar ist es noch ein weiter Weg, bis die Diskussion über psychische Gesundheit offen akzeptiert wird, aber HR kann einiges tun, um das Bewusstsein für das Thema zu fördern und die Mitarbeiter*innen wissen zu lassen, dass es in Ordnung ist, auch einmal traurig, frustriert und/oder überfordert zu sein – und es ist vor allem okay, jemandem davon zu erzählen und Hilfe zu bekommen.

Checkliste: Mitarbeiter in der Krisenzeit motivieren

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