Arbeitsproduktivität-Formel: So wird sie berechnet

4 Mitarbeiter schauen auf zwei Laptops

Jedes Unternehmen möchte möglichst produktiv arbeiten: seine verfügbaren Ressourcen optimal einsetzen, um Ergebnisse zu erreichen. Um die Produktivität Ihrer Mitarbeiter zu messen, können Sie deren Arbeitsproduktivität mit einer einfachen Formel errechnen.

Wie verwenden Sie die Arbeitsproduktivität-Formel? Welche Aussagekraft hat sie in der Praxis und wie gehen Sie mit den Ergebnissen um? In diesem Artikel lernen Sie alles Wichtige rund um die Kennzahl.

Was ist die Arbeitsproduktivität?

Die Arbeitsproduktivität ist eine Kennzahl, die die durchschnittliche Arbeitsleistung von Mitarbeitern in einem bestimmten Zeitraum ausdrückt.

 Die Arbeitsproduktivität ist ein Teilbereich der Gesamtproduktivität Ihres Unternehmens. Ein anderer Teilbereich ist zum Beispiel die Maschinenproduktivität.

 

Sie wird sowohl im Controlling als auch in der Personal- und Produktionsplanung verwendet. Abhängig vom Szenario, in dem Sie die Formel nutzen möchten, können Sie verschiedene Größen zur Berechnung heranziehen.

  • Als Arbeitsleistung können Sie zum Beispiel eine Produktionsmenge in Stück oder Gewicht verwenden, eine Anzahl abgeschlossener Aufträge oder Umsatzerlöse in Geldwert. Jede Art messbarer Arbeitsergebnisse (“Produkte”) eignet sich.
  • Den Zeitraum können Sie beliebig wählen, von Minuten über Tagen bis hin zu Jahren.
  • Sie können die Arbeitsproduktivität-Formel nutzen, um die Arbeitsleistung einzelner Mitarbeiter oder den Durchschnitt für eine Gruppe von Mitarbeitern zu berechnen. In letzterem Fall teilen Sie die Summe der Arbeitsleistung der betroffenen Mitarbeiter durch die Summe der eingesetzten Arbeitszeit.
  • Auf volkswirtschaftlicher Ebene kann die durchschnittliche Produktivität von Berufstätigen einer ganzen Branche, einer Region oder eines Landes mit Hilfe der Formel berechnet werden.

Arbeitsproduktivität Formel: So berechnen Sie die Arbeitsproduktivität

Die Formel zur Berechnung der Arbeitsproduktivität lautet:

Das Arbeitsergebnis, gemessen in Zahlen (Output),
geteilt durch
den Arbeitseinsatz von Mitarbeitern, gemessen in Zeit (Input).

Als mathematischer Bruch dargestellt:
Formel Arbeitsproduktivität: Ergebnis/Arbeitsaufwand

Praxis-Beispiele

Anhand von drei Beispielen für unterschiedliche Branchen und Tätigkeitsbereiche lässt sich einfach zeigen, wie die Formel in der Praxis angewandt werden kann.

Arbeitsproduktivität in der Fließbandproduktion
Ein Mitarbeiter produziert während eines 8-Stunden-Arbeitstages 5.000 Stück eines Produktes.

Arbeitsproduktivität = 5.000 Produkte geteilt durch 8 Stunden = 625 Stück pro Stunde

Berechnung Arbeitsproduktivität

Arbeitsproduktivität im Vertrieb

Vier Vertriebsmitarbeiter erwirtschaften innerhalb eines Monats (20 Arbeitstage) einen Umsatz von einer Million Euro.

Berechnung des Arbeitseinsatzes: 4 Mitarbeiter * 20 Arbeitstage = 80 Arbeitstage
Berechnung des Arbeitseinsatzes
Arbeitsproduktivität der Abteilung = 1.000.000 Euro geteilt durch 80 Arbeitstage = 12.500 Euro pro Tag

Arbeitsproduktivität der Abteilung

Arbeitsproduktivität pro Mitarbeiter = 12.500 Euro geteilt durch 4 Mitarbeiter = 3.125 Euro pro Tag pro Mitarbeiter

Arbeitsproduktivität pro Mitarbeiter

Arbeitsproduktivität in der Dienstleistung

15 Reinigungskräfte reinigen innerhalb einer Woche insgesamt 3.000 Hotelzimmer. Die Summe aller geleisteten Arbeitsstunden beträgt 4.000.

Durchschnittliche Arbeitsproduktivität = 3.000 Hotelzimmer geteilt durch 4.000 Stunden = 0,75 Zimmer pro Stunde

Arbeitsproduktivität in der Dienstleistung

Arbeitsproduktivität messen: Macht das Sinn?

Die Kennzahl der Arbeitsproduktivität ist sehr einfach zu verstehen und zu berechnen, jedoch ist ihre Aussagekraft für sich allein begrenzt.

Die Formel für die Arbeitsproduktivität berücksichtigt weder die Kosten für die Mitarbeiter, noch die ihnen zur Verfügung stehenden Maschinen, Arbeitsmittel und Materialien. Dadurch lassen sich keine Rückschlüsse auf die Ursachen für eine hohe oder niedrige Produktivität der Mitarbeiter ziehen.

Genauso wird die Qualität der Arbeitsleistung nicht erfasst, die oftmals nicht in Stückzahlen oder anderen Maßeinheiten gemessen werden kann. Produziert ein Mitarbeiter große Mengen an Produkten, von denen viele Fehler aufweisen, bringt eine rechnerisch hohe Produktivität dem Unternehmen nichts. Die Auslastung der Mitarbeiter bleibt ebenso unberücksichtigt. Steht die Produktion mangels Aufträgen immer wieder still, lässt sich auch mit “auf dem Papier” produktiven Mitarbeitern kein Gewinn erwirtschaften.

Sie sollten die Arbeitsproduktivität daher immer im Kontext und in Kombination mit anderen Kennzahlen betrachten, um ein aussagekräftiges Gesamtbild der Produktivität Ihrer Mitarbeiter zu erhalten.

Für wen sich die Formel eignet …

Die Formel für die Arbeitsproduktivität eignet sich für Unternehmen, in denen die Arbeitsergebnisse leicht in Stückzahlen oder Geldeinheiten gemessen werden können und die Arbeitsergebnisse hauptsächlich von der eingesetzten Arbeitszeit der Mitarbeiter abhängen.

Insbesondere in Bereichen mit niedrig qualifizierten Tätigkeiten oder Akkord-Arbeit wird die Kennzahl verwendet, zum Beispiel in der Logistik, der Landwirtschaft oder der Massenproduktion. Dort lassen sich relativ einfach Ziele für die minimale Arbeitsproduktivität eines Mitarbeiters festlegen und Mitarbeiter untereinander vergleichen.

Leider nutzen einige Arbeitgeber die Messung der Produktivität aus, um Mitarbeiter unter Druck zu setzen und in ihren Augen unproduktive Mitarbeiter loszuwerden.

… und für wen nicht

In Bereichen, die denen Mitarbeiter vor allem “Denkarbeit” leisten und kreativ tätig sind – also das Arbeitsergebnis nur schwer in Zahlen gemessen werden kann–, hat die Formel für die Arbeitsproduktivität fast keine Aussagekraft. Dasselbe gilt für hochautomatisierte Produktionen, wo Maschinen und Computer den größten Teil der Arbeit erledigen und die geleistete Arbeitszeit der Mitarbeiter kaum Einfluss auf die Arbeitsergebnisse hat.

Dies lässt sich deutlich an der Tatsache ablesen, dass die durchschnittliche Arbeitsproduktivität in den letzten Jahrzehnten in Deutschland langsam aber stetig gestiegen ist.

Wir Deutschen arbeiten nicht jedes Jahr schneller als im vorigen, sondern die Technologie hat sich rasant weiterentwickelt und Prozesse werden laufend optimiert. Die Arbeitsproduktivität ist weniger ein Gradmesser für die Leistung der Mitarbeiter als für den Entwicklungsstand eines Unternehmens oder einer Volkswirtschaft.

Infografik: Arbeitsproduktivität in der EU

Quelle: statista

Warum Sie die Arbeitsproduktivität messen sollten

Wie fast jede Kennzahl spielt die der Arbeitsproduktivität ihre wahre Stärke im Vergleich aus: entweder im zeitlichen Vergleich oder im Vergleich mit anderen Unternehmen (“Benchmarking”).

Messen Sie die Arbeitsproduktivität in Ihrem Unternehmen regelmäßig über einen längeren Zeitraum hinweg, zum Beispiel jeden Monat oder jedes Quartal. Die absolute Zahl ist dabei weniger wichtig. Es geht vielmehr darum, festzustellen, ob sich die Arbeitsproduktivität positiv oder negativ entwickelt oder stagniert. Genauso können Sie feststellen, wie sich bestimmte Maßnahmen auf die Arbeitsproduktivität auswirken, etwa ob Investitionen in neue Maschinen oder flexiblere Arbeitszeitmodelle die Produktivität Ihrer Mitarbeiter erhöhen.

Über einen Vergleich Ihrer Arbeitsproduktivität mit Wettbewerbern oder dem Branchendurchschnitt können Sie feststellen, ob sie als Unternehmen wettbewerbsfähig sind. Liegt Ihre Produktivität deutlich unter der Ihrer Wettbewerber, könnte das ein Zeichen dafür sein, dass Sie Aufholbedarf haben. Vergleichen Sie sich jedoch nur mit Unternehmen, die ähnlich dem Ihrem aufgebaut oder strukturiert sind, damit der Vergleich Aussagekraft besitzt.

Zwischenfazit

Die rechnerische Arbeitsproduktivität sagt oft nichts über die reale Leistung der Mitarbeiter selbst aus. Eine niedrige Arbeitsproduktivität kann durch vielfältige Faktoren verursacht werden: unzuverlässige Maschinen, schlechte Prozesse, gesundheitliche Belastungen der Mitarbeiter und so weiter. Meist ist es eine Mischung aus vielen Faktoren. Stellen Sie eine schlechte oder sinkende Arbeitsproduktivität fest, sollten sie deshalb sorgfältig nach den Ursachen suchen und keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Arbeitsproduktivität steigern: 11 Tipps

Die Erkenntnis, dass Ihre Produktivität zu wünschen übrig lässt, ist nur der erste Schritt. Entwickeln Sie geeignete Maßnahmen, um die Produktivität Ihrer Mitarbeiter zu steigern. Denken Sie daran: Es geht nicht nur um Zahlen. Natürlich sind Umsätze oder Stückzahlen wichtig. Vor allem wollen Sie jedoch Mitarbeiter, die dauerhaft motiviert sind und qualitativ hochwertige Arbeit leisten.

Mit den folgenden Maßnahmen können Sie die Produktivität Ihrer Mitarbeiter steigern:

✓ Bilden Sie Ihre Mitarbeiter weiter

Gut ausgebildete Mitarbeiter erbringen bessere Leistung und machen weniger Fehler. Sie entwickeln eigene Ideen und können selbständig Ihre Produkte und Prozesse optimieren.

✓ Schaffen Sie Anreizsysteme

In bestimmten Bereichen (aber nicht in allen) können finanzielle Prämien oder Boni motivierend wirken, da sich die höhere Leistung des Mitarbeiters direkt auf seinen Geldbeutel auswirkt. Klassisches Beispiel hierfür ist der Vertrieb.

✓ Führen Sie Standardprozesse ein

Definieren Sie effiziente und aufeinander abgestimmte Prozesse, an die sich alle halten. Überprüfen Sie Ihre Prozesse regelmäßig und optimieren Sie sie immer weiter.

✓ Fördern Sie gutes Zeitmanagement

Helfen Sie Ihren Mitarbeitern dabei, sich ihre Zeit nach Prioritäten einzuteilen und Ablenkungen zu vermeiden.

✓ Stellen Sie ergonomische Arbeitsplätze bereit

Gesunde Mitarbeiter, die sich am Arbeitsplatz wohlfühlen, erbringen dauerhaft bessere Leistungen.

✓ Halten Sie Pausen- und Arbeitszeiten ein

Gewähren Sie Ihren Mitarbeitern ausreichende Pausen, respektieren Sie deren Feierabend und Wochenende. Dadurch erhalten Sie deren Produktivität langfristig.

✓ Bieten Sie flexible Arbeitszeitmodelle an

Können Mitarbeiter ihre Arbeitszeiten an ihre eigenen Bedürfnisse und ihren Biorhythmus anpassen, werden sie während ihrer Arbeitszeit motivierter und leistungsfähiger sein.

✓ Zeigen Sie Wertschätzung

Mitarbeiter, die sich wertgeschätzt fühlen, sind motivierter und zufriedener und erbringen bessere Leistung.

✓ Planen Sie Personaleinsatz und Produktion

Sorgen Sie für eine gleichmäßige Auslastung, vermeiden Sie sowohl Leerlaufzeiten als auch eine Überlastung ihrer Mitarbeiter.

✓ Automatisieren Sie Prozesse

Durch den Einsatz guter Software oder der kompletten Automatisierung von Prozessen entlasten Sie Ihre Mitarbeiter, die sich so auf wichtige Aufgaben konzentrieren können.

✓ Messen Sie Mitarbeiterdaten anonym

Behalten Sie die Produktivität Ihrer Mitarbeiter laufend immer im Auge. So können Sie Veränderungen feststellen und frühzeitig Maßnahmen ergreifen, um “Produktivitätskiller” zu beseitigen.

Saubere HR-Prozesse fördern Produktivität

Was Sie wollen: effiziente Mitarbeiter, die das Unternehmen weiterbringen. Was Sie nicht wollen: Mitarbeiter, die wegen komplexen HR-Prozessen von ihrer Arbeit abgehalten werden. Räumen Sie zusammen mit Personio Ihre HR-Prozesse auf!