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Depression: Krankschreibung, Ursachen, Symptome

Burnout Prävention wird für Unternehmen wichtiger

Ist es nur der klassische Herbstblues mit ein paar Tagen matter Stimmung? Oder ist die Stimmung schon seit Wochen oder gar Monaten auf tiefer Tauchstation? Dann kann es sich um eine Depression handeln. Eine möglichst frühzeitige Krankschreibung bei Depression ist der erste Schritt zur Besserung – gefolgt von einer passenden Therapie. Dann können Betroffene in der Regel wieder gesund und leistungsstark an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. 

Was genau eine Depression ist, wie sie diagnostiziert wird und welche Kriterien für eine Krankschreibung gelten, erfahren Sie hier. Mit wichtigen Handlungstipps, wie HR und Unternehmen mit dem Thema Depression umgehen sollten. Und warum ein schlechtes Gewissen bei wegen Depression krankgeschriebener Mitarbeitender völlig fehl am Platz ist.

Warum die psychische Gefährdungsbeurteilung so wichtig ist.

Was ist eine Depression?

Eine Depression im medizinischen Sinn ist eine ernste und ernst zu nehmende psychische Erkrankung, die auf jeden Fall ärztlich behandelt werden muss. Bei einer Depression ist das Denken, Fühlen und Handeln der betroffenen Personen tiefgreifend beeinflusst. Oft zeigen depressive Menschen auch Störungen von Hirn- und anderen Körperfunktionen. Das Hauptproblem: Erkrankte können sich nur selten selbst aus einer Depression befreien, die sich normalerweise durch eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit und negative Gedanken auszeichnet.

Die gute Nachricht: Eine Depression kann ärztlich behandelt werden – medikamentös und psychotherapeutisch.

Wissenswertes zur Depression

Die Schwere einer Krankheit wie Depression wird auch heute noch unterschätzt. 5,3 Millionen Deutsche zwischen 18 und 79 Jahren litten laut einer Studie* aus dem Jahr 2016 unter einer unipolaren oder anhaltenden depressiven Störung – mehr als 8 Prozent. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Im Schnitt waren Betroffene 2021 während einer depressiven Episode für137 (Frauen) bzw. 83 (Männer) Arbeitstage nicht arbeitsfähig. Mit enormen Kosten für die Unternehmen und damit für die gesamte Wirtschaft. Welche Stellschrauben Unternehmen zur Prävention von Depressionen nutzen können, lesen Sie im Kapitel „Was Arbeitgeber tun können“.

Depression: Ursachen, Auslöser und Symptome

In den meisten Fällen entsteht eine Depression nicht durch einen einzigen Auslöser. In der Regel spielen mehrere Faktoren zusammen, damit eine Depression entstehen kann.

Laut Stiftung Deutsche Depressionshilfe spielen psychosoziale und neurobiologische Aspekte beim Entstehen einer Depression zusammen. Deshalb muss im Rahmen der Diagnose und der anschließenden Therapie stets sowohl auf der körperlichen (neurobiologischen) als auch auf der psychosozialen Seite nach möglichen Ursachen geforscht werden.

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Psychosoziale Auslösereiner Depression können traumatische Erlebnisse (wie z.B. erlebter Missbrauch) sein, die Menschen verletzlicher machen. Überlastungen am Arbeitsplatz, in der Familie oder der Verlust geliebter Menschen können eine Depression auslösen. In diesen Fällen kann eine Psychotherapie (z. B. eine kognitive Verhaltenstherapie) helfen.

Neurobiologische Ursachen einer Depression sind etwa körperliche Veränderungen oder Veränderungen des Gehirns. Hierbei spielen die Stresshormone und ein Ungleichgewicht anderer Botenstoffe im Gehirn eine wichtige Rolle. In diesen Fällen kann eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva helfen.

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Hauptsymptome und Zusatzsymptome einer Depression

Ein Arzt stellt die Diagnose Depression, wenn Menschen über einen Zeitraum von minimal zwei Wochen an mindestens fünf der zehn hier genannten Symptome leiden. Eines davon muss zwingend ein Hauptsymptom sein.

Hauptsymptome

  • Gedrückte, depressive Stimmung

  • Interessen- oder Freudlosigkeit

Zusatzsymptome

  • Antriebslosigkeit und Erschöpfung

  • Geringe Konzentrationsfähigkeit

  • Ausgeprägte Selbstzweifel

  • Ausweglosigkeit

  • Suizidgedanken

  • Schlafstörungen

  • Appetitlosigkeit

  • Innere Unruhe

Folgende weitere körperliche Symptome können bei einer Depression auftreten:

  • Müdigkeit

  • Gewichtsverlust oder -zunahme

  • Verlust der Libido

  • Erhöhte Empfindlichkeit für Schmerzen

Wann zum Arzt?

Wenn die o.g. Symptome anhalten und die Betroffenen sich nicht wohlfühlen, sollten sie sofort einen Arzt aufsuchen. Depressionen entwickeln sich in der Regel schleichend und treten nicht schlagartig auf. Wichtig ist es, auf die eigene Stimme und das eigene Gefühl zu vertrauen.

Wird man bei einer Depression krankgeschrieben?

Die Zahlen zum Krankheitsbild Depression und Arbeitsmarkt sind beunruhigend. Laut TK Gesundheitsreport 2022 hat sich der Anteil psychisch bedingter Fehlzeiten in deutschen Unternehmen seit 2000 mehr als verdoppelt.

Depressionen können Betroffene an ihrem Arbeitsplatz entweder sehr stark belasten – oder aber (zumindest vorübergehend) überhaupt nicht. Abhängig ist dies von den Symptomen und der Schwere der depressiven Episode.

Wichtig zu wissen: Nicht jede depressive Erkrankung macht eine Krankschreibung erforderlich. Es gibt Fälle, in denen die Arbeit durch ihren Beitrag zur Tagesstrukturierung zur Gesundung beiträgt.

Sollten allerdings die am Arbeitsplatz herrschenden Bedingungen zu einer Depression führen, müssen dringend Lösungen auch mit Hilfe von HR gefunden werden. Typische Beispiele sind eine permanente Überarbeitung genauso wie eine dauerhafte Unterforderung im Job aber auch das Thema Mobbing am Arbeitsplatz. Lösungswege können eine Reduktion der Arbeitsstunden, ein interner Wechsel im Unternehmen oder im Extremfall auch der Wechsel des Arbeitgebers sein. Hierbei sollten Betroffene auch den Betriebsarzt aufsuchen. Er unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht.

Die Dauer einer Krankschreibung bei Depression ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Bei leichteren Erkrankungen steigen Betroffene teils bereits während einer laufenden Therapie wieder ins Berufsleben ein. Im schlimmsten Fall allerdings kann eine Depression sogar zur Arbeitsunfähigkeit führen. Dann ist eine Frühverrentung denkbar. Mehr als 40 Prozent der gesundheitsbedingten Frühverrentungen 2021 waren psychisch bedingt.

Welcher Arzt stellt die Krankschreibung aus?

Normalerweise ist der Hausarzt der primäre Ansprechpartner für eine erste Einschätzung der Situation. Auch weil hier in der Regel ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Patient:in und Arzt besteht. Der Hausarzt wird dann – falls nötig - eine Überweisung zu einem Facharzt ausstellen. Eine Krankschreibung bei diagnostizierter Depression stellt der Hausarzt aus.

Auch Fachärzt:innen für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzt:innen für Psychiatrie und Neurologie und Fachärzt:innen für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie stellen Krankschreibungen bei Depression aus. Alle genannten Arztgruppen behandeln auch an Depression erkrankte Menschen.

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Welche Kriterien für die Krankschreibung bei Depression gelten

Vor einer Krankschreibung steht die Diagnose. Dabei führt der Arzt mit dem Betroffenen ein diagnostisches Gespräch. Weiterhin führt er eine körperliche Untersuchung durch, um organische Ursachen bestimmter depressiver Symptome auszuschließen. Damit der Arzt eine Krankschreibung bei Depression ausstellen kann, müssen bestimmte Kriterien erfüllt sein.

Der sogenannte Zwei-Fragen-Test kann erste Hinweise auf eine Depression geben:

  1. Haben Sie sich im letzten Monat häufig niedergeschlagen, traurig, bedrückt oder hoffnungslos gefühlt?

  2. Hatten Sie im letzten Monat deutlich weniger Lust und Freude an Dingen, die Sie sonst gerne tun?

Beantwortet der Patient beide Fragen mit „Ja“, wird der Arzt weitere Fragen zu einzelnen Beschwerden stellen. Dafür gilt es Gesprächsleitfaden und Fragebögen, in denen die o.g. Haupt- und Zusatzsymptome genau beleuchtet werden.

Eine Depression wird ärztlich diagnostiziert, wenn fünf Symptome (davon eines der Hauptsymptome) vorliegen und die Beschwerden mindestens für zwei Wochen anhalten.

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Schlechtes Gewissen wegen Krankschreibung bei Depression?

Wenn sich Beschäftigte nach der Diagnose Depression krankschreiben lassen, ist das völlig legitim – es handelt sich dann nicht um alltägliche Schwankungen des Befindens, die Menschen immer wieder erleben, sondern um eine Krankheit. Trotz der in den letzten Jahren verstärkten Aufklärungsarbeit rund um das Thema Depressionen sprechen viele betroffene Beschäftigte nach wie vor nur ungern über ihre Erkrankung. Wichtigster Grund dafür ist die Furcht vor einer Stigmatisierung am Arbeitsplatz durch Kolleg:innen und Vorgesetzte. Deshalb scheuen viele Erkrankte die Krankschreibung, weil sie Angst haben, ihren Job zu gefährden.

Um es deutlich zu sagen: Die Ursache einer Krankschreibung geht den Arbeitgeber nichts an. Egal, ob es sich um eine Covid-19-Infektion, einen grippalen Infekt oder eine Depression handelt. Wenn an einer Depression leidende Beschäftigte ihren Arbeitgeber lieber im Unklaren über die Diagnose lassen möchten, werden sie die Krankschreibung vom Hausarzt vornehmen lassen und lieber auf den Praxisstempel eines Facharztes für Psychotherapie verzichten. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für den stationären Aufenthalt in einer Klinik kann grundsätzlich neutral sein.

In den Urlaub fahren - trotz Krankschreibung wegen Depression?

Menschen, die an einer Depression leiden, dürfen während ihrer Erkrankung und während der Therapie all das tun, was zu ihrer Genesung beiträgt. Dazu zählen auch körperliche Aktivitäten wie Sport, Konzert- oder Kinobesuche. Auch Urlaub während einer Krankschreibung ist in der Regel erlaubt, wenn dadurch die Genesung nicht behindert wird. Während einer Depression kann der Urlaub durchaus der Gesundheit dienen und eine „Luftveränderung“ in der schwierigen persönlichen Lage helfen.

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Was Arbeitgeber tun können

Unternehmen, die Wert auf die langfristige Gesundheit ihrer Mitarbeitenden legen, nehmen das Thema Prävention ernst. Hierbei muss unterschieden werden zwischen „Wellbeing“-Maßnahmen, Maßnahmen gegen Burnout oder Stress und Maßnahmen zum Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Fachleute gehen davon aus, dass all diese Programme zwar gut gemeint sind, im Alltag aber nur einen geringen Schutzeffekt haben. Dennoch kann

  • eine offene und transparente Atmosphäre

  • eine sachliche Information der Belegschaft und vor allem

  • kompetente Personalverantwortliche

den betroffenen Mitarbeitenden der Weg zu einer effektiven Behandlung erleichtert werden.

Mit kluger Führung das Risiko für Depressionen am Arbeitsplatz senken

Die Krankheit Depression sollte im Unternehmen kein Tabu-Thema sein. Je schneller eine Depression erkannt und behandelt werden kann, desto besser für beide Seiten. Der Mitarbeitende erscheint nicht krank am Arbeitsplatz und quält sich nicht unnötig durch den Arbeitstag. Unternehmen vermeiden hohe Folgekosten durch Präsentismus und Absentismus.

Jedes Unternehmen kann durch eine nicht-stigmatisierende und offene Unternehmenskultur dazu beitragen, dass Rückfallrisiko zu minimieren.

Konkrete Tipps

  • HR muss grundsätzlich fachlich über das Thema Depression informiert sein

  • HR sollte kompetente und verantwortliche Ansprechpartner:innen innerhalb der Personalabteilung benennen

  • HR kann einen Handlungsleitfaden zum Umgang mit Depression am Arbeitsplatz entwickeln

  • HR kann Schulungen ins Leben rufen

  • HR kann initiativ werden und Mitarbeitende aktiv ansprechen, wenn Veränderungen bemerkt werden

  • HR kann Betroffene motivieren und unterstützen, sich professionelle Hilfe zu holen

Lesetipp für HR: Themenheft „Depressive Erkrankungen“ des Robert-Koch-Instituts (2010)

Hinweis: Die Informationen dieses Artikels können und sollen einen Arztbesuch nicht ersetzen und dürfen nicht zur Selbstdiagnostik oder -behandlung verwendet werden.

* Jacobi et al. (2016). Erratum zu: Psychische Störungen in der Allgemeinbevölkerung. Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland und ihr Zusatzmodul „Psychische Gesundheit“ (DEGS1-MH). Nervenarzt, 87,88–90

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