Liebe Personaler, entfesselt Eure Superkraft

Personalerin zeigt zwischenmenschliche Kompetenz

Die Mitarbeiter stehen reihenweise vor dem HR-Büro und fragen nach Home Office. Doch das wurde vom Management strikt abgelehnt. Wie auf diese Zwickmühle reagieren?

Solche Situationen gehören zum HR-Alltag, doch nicht jeder Personaler weiß mit ihnen umzugehen. Psychosoziale Basics können das ändern, wie Janosch Felde, Human Resource Consultant bei der Invers GmbH, in diesem Artikel erklärt. Denn sie sind Werkzeuge, um gelassener in belastende Situationen zu gehen.

Psychosoziale Basics und HR: ein unschlagbares Traumpaar

Der Kern der HR-Arbeit ist die Interaktion zwischen und der Kontakt zu Menschen. Das resultiert oft in emotional belastenden Situationen für Personaler. Viele haben dafür kein Werkzeug an die Hand bekommen. Denn wie sich selbst treu bleiben und gleichzeitig alle anderen Parteien zufriedenstellen?

Man steht allein da mit allen Belastungen, die die Interaktion mit sich bringt.

Die psychosozialen Basics lösen die Fußfesseln von HR und entfesseln ihre Superkraft: die zwischenmenschliche Kompetenz. Janosch Felde gibt im Video praxisnahe Tipps dafür.

Die Positivspirale in Gang setzen

Die Kernidee der psychosozialen Basics ist es, den Arbeitsalltag viel freier und unbelasteter zu erleben. Im HR schlummert ein ungemeines Potenzial, mit Menschen und schwierigen Situationen umzugehen. Dieses Potenzial setzen die psychosozialen Basics frei und treten damit eine Positivspirale los.

Denn: Durch psychosoziale Basics als Werkzeuge verbessert sich die Arbeitsqualität von Personalern. Diese wiederum hat einen positiven Einfluss auf die Arbeitsergebnisse. Mehr Erfolg und Zufriedenheit bei und mit der Arbeit führt letztendlich zu einer besseren Lebensqualität.

Die Endgegner: Herausforderungen für HR

Bei der Frage, was denn die größten Probleme für HR sind, kann Janosch auf Anhieb drei herausfordernde Situationen nennen:

Erstens: die Sandwich-Position

HR steht zwischen Mitarbeitern und Management. Das schafft sowohl Wert- als auch Loyalitätskonflikte. Warum? Weil HR den Mitarbeitern gerecht werden will, sie aber auch dem Unternehmen gegenüber ihren Auftrag haben.

Zweitens: Auftragsklärung

Sie finden Ihr Ergebnis super, aber die Geschäftsführung ist alles andere als begeistert. Was ist hier schief gelaufen? Meistens liegt es daran, dass Aufträge nicht klar genug formuliert werden – und dies setzt wiederum eine Negativspirale in Gang.

Die Folge: Personaler stecken ihre volle Energie in Aufgaben, weil sie gute Qualität abliefern wollen. Doch wenn Werte anfangs nicht eindeutig besprochen und definiert werden (was ist wichtig und was wird sekundär angegangen), ist die Enttäuschung auf beiden Seiten vorprogrammiert.

Drittens: Zeit

Klar, jeder hat irgendwie ein Zeitproblem auf der Arbeit. Aber bei HR sieht es Janosch Felde noch extremer. Personaler müssen oft in Randzeiten arbeiten, zum Beispiel während Pausen, abends und auch teils am Wochenende. Verständlich: Denn vor allem Recruiter müssen potenzielle Mitarbeiter dann erwischen, wenn die gerade nicht selbst auf der Arbeit sind.

Das Traurige: Geschäftsführung und Kollegen sehen selten, wie viel Investition das für HR bedeutet und mit wieviel Herzblut sie das machen. Sie bekommen keine Möglichkeiten, diese Zeiten wieder auszugleichen, indem sie beispielsweise einen Tag mehr frei bekommen.

3 Tipps: gelassener in schwierige Situationen gehen

Probleme sind da, um gelöst zu werden. So platt sich das anhört, so wahr ist es doch. Wir haben von Janosch die besten Tipps eingeholt, damit HR-ler ihre Superkraft entfalten können.

Tipp 1: Eigene Werte kennen und sortieren

Reflektieren Sie: Was ist Ihnen am wichtigsten und welche Aspekte hängen damit zusammen? Die Antworten werden Ihnen Stabilität geben und Sie werden besser für sich selbst beurteilen sowie einordnen können, was um Sie herum passiert.

Tipp 2: Frei mit Gefühlen und Emotionen umgehen

Heißt konkret: Machen Sie sich selbst Ihre Gefühle klar und kommunizieren Sie sich auch an andere – ganz nach dem Leitsatz:

Ich kann sagen, was mit mir los ist, und erzählen, wie es mir geht.

Bei diesem Punkt geht es um Vertrauen an sich selbst. Offen über Gefühle zu sprechen, heißt nicht, dass die eigene Professionalität in Frage gestellt wird, ganz im Gegenteil. Es ist ein Prädikat für Ihre Professionalität, weil Sie genau sagen können, was mit Ihnen los ist. Das hilft im Endeffekt, unbelasteter und entspannter zu sein.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sind Sie bei sich – immer, wenn Sie bei sich sind, sind Sie sich treu und fühlen sich gut. Zum anderen erhalten Außenstehende Informationen über Sie und können deuten, was mit Ihnen los ist. Denn sie ahnen vielleicht sowieso, dass etwas im Busch ist.

Tipp 3: mit einem Ohr nach außen und einem nach innen hören

Hören Sie genau auf das, was Ihr Gegenüber sagt, und schauen Sie, was das mit Ihnen macht. Es entsteht eine Aufmerksamkeit, die ganz klar trennt, was von außen auf Sie wirkt und was innen mit Ihnen passiert.

Wenn Sie wahrnehmen, was andere sagen, und auch Ihre eigenen Werte kennen, können Sie die Wertvorstellungen anderer Leute besser verstehen. Sie werden dadurch gelassener, weil Sie verstehen, was von außen und was von innen kommt.

Auf Gefühle hören und Emotionen ernst nehmen

Janosch Felde rät allen Personalern, Ballast nicht einfach wegzuwerfen.

Starke Emotionen spüren zu können, ist eine Superkraft.

Personaler sollten vielmehr ihre Emotionen als Informationsquelle in der Interaktion mit Menschen nutzen.

Marina Buller

Marina ist Content Marketing Manager bei Personio und hat sich ganz HR- und Recruiting-Themen verschrieben. Bereits nach ihrem Master-Studium im schwedischen Lund sammelte sie HR Insights während ihrer Arbeit bei XING. Diese Erfahrungen lässt sie nun in ihre Texte einfließen – immer nach Personios Devise “Personalarbeit vereinfachen”.