Mitarbeiterzufriedenheit – so kann HR sie messen und steigern

Mitarbeiterzufriedenheit

Ein rundum glückliches Team – das ist für Unternehmen der Idealfall. Doch was, wenn es mal nicht so rund läuft? Hier erfahren Sie, welche Faktoren die Mitarbeiterzufriedenheit beeinflussen und wie man sie messen und steigern kann.

Was beschreibt die Mitarbeiterzufriedenheit?

Unter Mitarbeiterzufriedenheit versteht man die Einstellung von Angestellten zu ihrem Arbeitsumfeld. Sie ergibt sich aus einem Soll-Ist-Vergleich: Was erwarten Arbeitnehmende von ihrem Job und wie sieht die Realität aus? Je besser sich diese Felder decken, desto höher die Mitarbeiterzufriedenheit. Dabei spielen das Unternehmen, Kultur, Aufgabenfeld, Führungskräfte und Kolleg:innen eine Rolle.

Warum ist Mitarbeiterzufriedenheit wichtig?

Mitarbeiterzufriedenheit ist aus verschiedenen Gründen wichtig für Unternehmen und hat einen entscheidenden Einfluss auf ihren Erfolg:

1. Attain – Mitarbeitende gewinnen:

  • Der War for Talent ist in aller Munde – Unternehmen, die in Zeiten des Fachkräftemangels Top-Mitarbeitende gewinnen wollen, müssen attraktive Arbeitgeber sein.
  • In vielen Berufsfeldern bewerben sich mittlerweile eher Firmen bei Kandidat:innen und nicht andersherum. Talente recherchieren heutzutage außerdem ganz genau – der erste Klick führt oft auf Arbeitgeberbewertungsportale wie kununu. Schreiben dort aktuelle oder ehemalige Angestellte, dass sie unzufrieden mit ihrem Job sind oder waren, schreckt das viele Kandidat:innen ab.
  • Besteht in einem Unternehmen wiederum eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit, zahlt das auf das Employer Branding ein. Zufriedene Mitarbeiter empfehlen ihren Arbeitgeber eher weiter: Sie berichten zum Beispiel auf ihren Social-Media-Kanälen von spannenden Erlebnissen in ihrem Job und vermitteln so ein positives Unternehmensimage nach außen. Das ist authentischer als eine vom Unternehmen initiierte Employer-Branding-Kampagne.

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2. Retain – Mitarbeitende halten:

  • Eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit wirkt sich positiv auf die Mitarbeiterbindung aus. Sind Mitarbeiter unzufrieden, ist es wahrscheinlicher, dass sie das Unternehmen verlassen – das belegen Studienergebnisse.
  • Unternehmen profitieren davon, wenn ihre Angestellten länger im Betrieb bleiben und die Fluktuation niedrig ist: Zum einen, minimiert sich so das Risiko, dass wichtiges Know-how mit wechselndem Personal verloren geht. Zum anderen kostet es Ressourcen und Geld neue Mitarbeitende zu suchen und einzuarbeiten. Bei einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit müssen Unternehmen diesen Prozess seltener durchlaufen.
  • Studien zeigen, dass zufriedene Arbeitnehmende seltener krank werden.
  • Wer zufrieden mit seinem Job ist und sich wertgeschätzt fühlt, hat mehr Spaß an der Arbeit. Das hat positive Auswirkung auf die Mitarbeitermotivation und Leistung – und damit auf den Unternehmenserfolg.

3. Service – Kunden zufriedenstellen:

  • Ob Angestellte zufrieden sind oder nicht, hat auch einen Einfluss darauf, wie zufrieden die Kunden eines Unternehmens sind. Wenn man an eigene Erlebnisse als Kund:in denkt, wird oft schon in den ersten Sekunden einer Interaktion deutlich, ob das Gegenüber zufrieden und motiviert oder eher unzufrieden ist. Unternehmen, die die Kundenzufriedenheit steigern möchten, sollten sich im ersten Schritt also die Mitarbeiterzufriedenheit ansehen.
„Nicht der Kunde kommt zuerst, sondern der Mitarbeiter. Kümmern Sie sich um Ihre Mitarbeiter, diese kümmern sich um Ihre Kunden.“
 — Richard Branson

Welche Faktoren beeinflussen die Mitarbeiterzufriedenheit?

Nach den Soziologen Timothy Butler und James Waldrop entscheiden drei generelle Faktoren über die Mitarbeiterzufriedenheit:

  1. Fähigkeiten: Personen fühlen sich kompetent und sind damit zufriedener, wenn sie die passenden Skills für ihre Aufgabe mitbringen.
  2. Wertvorstellungen: Stimmen die Unternehmenswerte mit den persönlichen Werten der Arbeitnehmenden überein, steigt deren Zufriedenheit.
  3. Interessen: Wenn sich die persönlichen Interessen im Job widerspiegeln, hat es einen positiven Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit.

Das zeigt: Persönliche und berufliche Faktoren sollten idealerweise im Einklang miteinander sein.

Folgende Themen können außerdem einen Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit haben:

  •   Respektvolles Führungsverhalten
  •   Freundlicher Umgang zwischen Kolleg:innen
  •   Gegenseitige Unterstützung im Team
  •   Offene und gelebte Feedbackkultur
  •   Regelmäßiges Lob
  •   Flache Hierarchien
  •   Gestaltungsfreiraum
  •   Ansprechend gestalteter Arbeitsplatz
  •   Faire Gehälter und attraktive Benefits
  •   Work-Life-Balance: Flexible Arbeitszeiten und Remote Working
  •   Weiterentwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten
  •   Aufgaben „mit Sinn“

Was konkret zu einer hohen Zufriedenheit führt, kann sich je nach Mitarbeiter:in unterscheiden. Für eine Kollegin ist Gehalt ein wichtiges Thema, für einen anderen Kollegen wiederum Entwicklungsmöglichkeiten. Deswegen gehen moderne Unternehmen auf die individuellen Wünsche und Bedürfnisse ihrer Teammitglieder ein.

Was motiviert Ihre Mitarbeitenden?

Checkliste Mitarbeitermotivation
In dieser Checkliste haben wir Tipps für unterschiedliche Persönlichkeitstypen zusammengestellt.

Mitarbeiterzufriedenheit messen

Mit Mitarbeiterbefragungen können Sie feststellen, welche Faktoren für die Beschäftigten in Ihrem Unternehmen eine Rolle spielen, und die Zufriedenheit in der Belegschaft messen. Durch Befragungen können Sie außerdem Missstände aufdecken und Optimierungsfelder identifizieren. Für die Mitarbeitenden sind sie außerdem eine wichtige Chance, ehrlich Feedback zu geben und sagen zu können, wie es ihnen geht – ohne Angst vor Sanktionen haben zu müssen. Die meisten Unternehmen setzen Befragungen über Fragebögen in einem digitalen Tool um.

Gute Mitarbeiterbefragungen sind:

  • freiwillig → Sie sollten Ihre Mitarbeitenden nicht zwingen, ihre Meinung zu äußern.
  • anonym → Nur wenn die Aussagen nicht zu einzelnen Angestellten zurückverfolgt werden können, können Sie mit ehrlichem Feedback rechnen.
  • regelmäßig → Durch regelmäßige Umfragen können Sie Entwicklungen in der Mitarbeiterzufriedenheit erkennen, auf bestimmte Ereignisse oder Entscheidungen im Unternehmen zurückführen und ggf. rechtzeitig gegensteuern. Vermeiden Sie, die Befragung in kritischen Zeiten auszusetzen, um negative Ergebnisse zu vermeiden – denn nehmen Sie den Mitarbeitenden ihre Feedbackmöglichkeit, kann das die Zufriedenheit nur weiter verschlechtern.
  • nachhaltig → Aus den Ergebnissen sollten Sie konkrete Maßnahmen ableiten und den Mitarbeitenden damit zeigen, dass ihr Feedback ernst genommen wird und nachhaltige Effekte hat.

Themen in der Mitarbeiterbefragung

Mögliche Themen für Ihre Befragung könnten die Themen Weiterempfehlung, Mitarbeiterbindung und Führung sein:

  • Würden die Mitarbeitenden das Unternehmen und ihr Team anderen weiterempfehlen?
  • Beachsichtigen sie, im Unternehmen zu bleiben?
  • Wie zufrieden sind sie mit ihrer Führungskraft?

Sie können in der Befragung auch auf individuelle Aspekte für Ihr Unternehmen wie zum Beispiel aktuelle Veränderungen eingehen.

Bieten Sie im Fragebogen unbedingt mit Freitextfeldern die Möglichkeit, Feedback zu geben oder Wünsche und Verbesserungsmöglichkeiten zu äußern.

Zeigt her die Ergebnisse!

Auch wenn die Resultate der Mitarbeiterbefragung nicht so positiv ausfallen, wie Sie es sich gewünscht hätten: Kommunizieren Sie die Ergebnisse transparent an die Belegschaft und geben Sie idealerweise direkt einen Ausblick, welche Maßnahmen Sie ergreifen wollen. Andernfalls können Spekulationen und Frustration entstehen, worunter Engagement und Zufriedenheit leiden.

So steigern Sie die Mitarbeiterzufriedenheit

Sie haben eine Mitarbeiterumfrage durchgeführt und festgestellt: Bei der Mitarbeiterzufriedenheit ist noch Luft nach oben. Wie können Sie die Mitarbeiterzufriedenheit nun steigern?

Zunächst einmal: Nehmen Sie die Ergebnisse ernst, gehen Sie auf die Bedürfnisse der Angestellten ein und leiten Sie konkrete Maßnahmen ab. Laut einer Studie ist es doppelt so wahrscheinlich, dass Mitarbeitende ihr Unternehmen innerhalb von zwei Jahren verlassen, wenn es zwar Feedback einholt, aber danach nichts passiert.

Also, nutzen Sie das neue Wissen! Erste Schritte, die Mankos beseitigen, sollten Sie idealerweise zeitnah umsetzen, um den Beschäftigten schnell Ergebnisse zu zeigen. Wie eingangs beschrieben, hat das nicht nur positive Effekte für die Belegschaft, sondern auch für das Unternehmen.

Für mögliche Maßnahmen, die einen positiven Einfluss auf die Mitarbeiterzufriedenheit haben, können Sie sich zum Beispiel an den oben genannten Einflussfaktoren orientieren – natürlich unter Berücksichtigung der jeweiligen Problemstellungen in Ihrem Unternehmen. Dann sind Sie bereits auf einem guten Weg, um das Zufriedenheitsniveau anzuheben. Hier gibt es aber kein „one size fits all“: Jedes Unternehmen und auch unterschiedliche Mitarbeitende haben verschiedene Bedürfnisse. Schauen Sie also genau in das Feedback aus Ihrer Umfrage, um darauf einzugehen, was die Belegschaft in Ihrem Unternehmen braucht und wünscht.

Punkten Sie mit einem transparenten Feedback-Prozess

Regelmäßiges, konstruktives Feedback steigert die Zufriedenheit Ihrer Mitarbeiter:innen. Und weil alles zentral dokumentiert ist, sind alle voll im Bild.

4 Tipps für eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit

Binden Sie Führungskräfte ein: Es ist wichtig, dass HR die Ergebnisse zur Mitarbeiterzufriedenheit zentral ernst nimmt und bearbeitet. Daneben ist es auch entscheidend, dass die Führungskräfte auf ihre Teammitglieder eingehen und zuhören, wo der Schuh drückt. Diese Offenheit stärkt das gegenseitige Vertrauen und kann sich auch positiv auf die Zufriedenheit auswirken. HR kann Führungskräfte bei konkreten Themen mit Talking Points für Gespräche oder generell durch Trainings in Mitarbeiterführung oder konstruktivem Feedback unterstützen.

Schaffen Sie regelmäßige Feedbackrunden: Lob und Anerkennung motivieren und auch konstruktives Feedback, das Mitarbeitenden dabei hilft, sich weiterzuentwickeln, kann zu mehr Zufriedenheit führen. Immer mehr Unternehmen setzen deswegen statt des jährlichen Mitarbeitergesprächs auf kürzere Feedbackzeiträume und fördern so den kontinuierlichen Austausch. Entstehende Unzufriedenheiten bei Teammitgliedern können Führungskräfte durch diese regelmäßigen Gesprächsanlässe direkt identifizieren – anstatt dass sie sich innerhalb eines Jahres zwischen zwei Personalgesprächen anstauen.

Geben Sie einen Purpose: Viele Unternehmen haben sich in den letzten Jahren einen sogenannten Purpose gegeben. Ein Purpose beschreibt den Zweck des Unternehmens, der über die wirtschaftliche Gewinnorientierung hinausgeht. Laut einer Studie gaben drei Viertel der befragten Führungskräfte eine gesteigerte Mitarbeiterzufriedenheit seit der Einführung eines Purpose an.

Setzen Sie auf Diversity: Eine weitere Studie zeigt, dass vielfältige Teams zufriedener sind als heterogene Abteilungen. Gerade als HR-Abteilung haben Sie verschiedene Möglichkeiten Diversity Management erfolgreich umzusetzen.

Checkliste zur Mitarbeitermotivation

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