Leadership: Definition, Bedeutung und Herausforderungen

Goleman leadership styles

Anhand des Engagement Index untersucht das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup seit 2001 regelmäßig die emotionale Bindung und das Arbeitsengagement von Mitarbeitenden. Für das Jahr 2023 bescheinigt das Institut den deutschen Unternehmen keine positive Bilanz: Die emotionale Bindung zwischen Mitarbeiter:innen und ihrem Arbeitgeber ist so niedrig wie zuletzt im Jahr 2012 – was in erheblichem Maße mit der direkten Führungskraft zusammenhängt. Doch warum ist der Faktor Leadership für Unternehmen so entscheidend und mit welchen Stolpersteinen sehen sich heutige Führungskräfte konfrontiert? 

Key Facts

  • Leadership wird oft als Synonym für Führung angesehen, mitunter aber mit zusätzlichen Werten assoziiert.

  • Diverse Teams, Remote-Arbeit und die schnelllebige Arbeitswelt stellen Führungskräfte vor wachsende Herausforderungen.

  • Moderne Leadership-Ansätze setzen vermehrt auf Agilität, Förderung der Eigenverantwortung oder die intrinsische Motivation der Mitarbeitenden.

  • Online-Lernplattformen, Mentoring und 360-Grad-Feedback können bei der Führungskräfteentwicklung unterstützen.

Definition und Kernkonzepte von Leadership

Leadership – oft mit Führung gleichgesetzt – beinhaltet jene Management-Tätigkeiten, die mit Interaktion, Verhalten und Motivation einhergehen. Je nach Sichtweise und Definition können sich die damit verbundenen Aufgaben und Eigenschaften jedoch stark unterscheiden. Nach mancher Auffassung geht Leadership über die reine Führung hinaus und hebt sich durch Attribute wie visionäres Denken, Charisma und Empathie von dieser ab.

Vom Management unterscheiden sich Führung sowie Leadership dahingehend, dass Letztere auf den menschlichen bzw. Verhaltensfaktor abzielen – zumindest ist dies eine häufig anzutreffende Abgrenzung. Im Gegensatz dazu weist Management einen betriebswirtschaftlichen Charakter auf: Bezweckt wird die zielorientierte Steuerung, Organisation und Verwaltung von Ressourcen, Prozessen und Aufgaben. 

Anzumerken ist jedoch auch, dass Management und Führung bzw. Leadership mancherorts als Synonyme aufgefasst werden.

Die Relevanz von Leadership im Unternehmen

Leadership fungiert als ein zentrales Element beim Erreichen von Unternehmenszielen. Denn: Wie effizient Mitarbeiter:innen ihre Potenziale im Rahmen der Generierung von Produkten und Dienstleistungen kanalisieren, hängt zu einem großen Teil von deren Führung ab. 

Von einer effektiven Führung profitieren Unternehmen gleich mehrfach, und zwar im Sinne einer

  • positiven Arbeitskultur,

  • Verbesserung der Teamdynamik und

  • gesteigerten Motivation und Produktivität aller Mitarbeitenden.

Eine Führungskraft, die ihrer Verantwortung nicht gerecht wird, stellt hingegen einen neuralgischen Punkt im Unternehmen dar – mit negativen Auswirkungen auf die Zufriedenheit der ihr untergeordneten Mitarbeiter:innen sowie den Teamerfolg.

Herausforderungen für Führungskräfte im 21. Jahrhundert

Unternehmen mitsamt ihren Beschäftigten sehen sich heutzutage mit einer zunehmend kurzlebigen und komplexen Arbeitswelt konfrontiert. Oft ist auch vom sogenannten VUCA-Modell die Rede, das die aktuellen Herausforderungen auf die Aspekte Volatilität, Ungewissheit, Komplexität (complexity) und Ambiguität zurückführt. Auch im Hinblick auf Leadership hat dies spürbare Effekte. 

Digitalisierung und Remote-Arbeit

Die fortschreitende Digitalisierung und auch die Jahre der Pandemie haben dem mobilen Arbeiten einen Schub verliehen, der sich nahezu ungebremst fortzusetzen scheint. Die Kommunikation verläuft vermehrt asynchron, etwa durch flexiblere Arbeitszeiten oder auch die Möglichkeiten zur gemeinsamen, zeitversetzten Bearbeitung von Dokumenten. Der direkte Kontakt zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden nimmt ab und lockert das Hierarchiegefüge auf – was den Beschäftigten mehr Eigenverantwortung und Selbstständigkeit abverlangt. Für Vorgesetzte wird es schwieriger, das allgemeine Stimmungsbild im Team einzufangen und eine motivierende Arbeitseinstellung zu erzeugen.

Steigender Bedarf an Agilität und Anpassungsfähigkeit

Beständig ist nur der Wandel: Die regulatorischen, technologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen im Unternehmensumfeld des 21. Jahrhunderts verändern sich in immer kürzer werdenden Zeitabschnitten. Insbesondere für das Leadership bedeutet dies, Situationen ständig neu zu bewerten und Strategien anzupassen: So erfordert es beispielsweise eine strengere Gesetzgebung, bestimmte Spezialist:innen für die jeweilige Materie einzustellen; der Mangel an selbigen macht es jedoch mitunter nötig, ein bestehendes Teammitglied mit den nötigen Fachkenntnissen auszustatten.

Diversität und Inklusion im Team

Den Wert einer heterogenen Belegschaft haben die meisten Unternehmen längst erkannt. Zusätzlich sorgt der Gesetzgeber dafür, dass Gleichberechtigung gefördert und Diskriminierung unterbunden wird. Eine Vielzahl von Menschen unterschiedlicher Kulturen, Sprachen und Bedürfnisse anzuleiten, verlangt von Führungskräften, sich mit jeder und jedem einzelnen Mitarbeitenden individuell auseinanderzusetzen.

Strategien für die Bewältigung aktueller Herausforderungen

So unvermeidbar wie die herausfordernden Entwicklungen in der Arbeitswelt entpuppt sich auch die Notwendigkeit, Leadership-Stile und Vorgehensweisen unentwegt neu zu erfinden. Lebenslange Lernbereitschaft und Flexibilität sind die Grundzutaten, um Mitarbeiterführung auf herausfordernde Umstände und geänderte Bedingungen abzustimmen. Einige moderne Arten des Leaderships warten mit Werten und Methoden auf, um des stetigen Wandels Herr zu werden.

Verschiedene Leadership-Stile im Überblick

Im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte haben sich diverse Führungsstile entwickelt, die sich besonders im digitalen und schnelllebigen Zeitalter als vielversprechend erweisen können:

  • Transformationale Führung: Im Mittelpunkt steht die Vorbildfunktion der Führungskraft, auf deren Grundlage sie die intrinsische Motivation und das Verhalten der Mitarbeitenden positiv beeinflusst.

  • Agile Leadership: Agile Führungskräfte denken lösungsorientiert und bleiben stets anpassungsfähig, um auf veränderte Bedingungen reagieren zu können. Der agile Leadership-Stil basiert auf flachen Hierarchien und unterstützt das selbstorganisierte Handeln von Mitarbeitenden.

  • Servant Leadership: Servant Leaders stellen ihre Mitarbeitenden in den Mittelpunkt, indem sie Informationen aktiv mit ihnen teilen, deren Meinungen wertschätzen und Entscheidungen im Team treffen.

Richtig umgesetzt, verhelfen die meisten im Unternehmen angewendeten Führungsstile zu mehr Zufriedenheit, Mitarbeiterbindung und Produktivität. Die folgende Tabelle zeigt, mit welchen weiteren herausstechenden Merkmalen verschiedene Führungsstile aufwarten:

Stil

Vorteile

Nachteile

Transformationale Führung

intrinsisch motivierte Leistung der Mitarbeitenden

stimuliert Eigeninitiative und Innovation

teils zu viel Spielraum durch zu wenige Vorgaben

Agile Leadership

hohe Anpassungsfähigkeit im unbeständigen Arbeitsumfeld

kurze Entscheidungswege durch flache Hierarchien

hohe Anforderungen an Führungskräfte im Hinblick auf visionäre Denkweisen, Selbstreflexion, Kommunikation etc.

Servant Leadership

loyalere Mitarbeitende

effektiv im agilen Arbeitsumfeld

Gefahr des Kontrollverlusts

Positive Leadership

gesteigertes Wohlbefinden durch Förderung positiver Emotionen

unklare Zuständigkeiten und geringere Eigeninitiative

Mindful Leadership

verbesserte Stressbewältigung

geringere Fluktuation, niedrigerer Kranken- und Abwesenheitsstand

Tendenz zur Konfliktvermeidung

Shared Leadership

effiziente Arbeitsteilung komplexer Projekte

flexiblere Arbeitszeitmodelle für Führungskräfte

erschwerte Kommunikation und komplexere Entscheidungswege

Entwicklung von Leadership-Kompetenzen

Zahlreichen Expert:innen zufolge wird in der Regel niemand als Führungskraft geboren. Freilich sollte man gewisse Persönlichkeitsmerkmale – wie etwa emotionale Intelligenz, Extraversion und Gewissenhaftigkeit – aufweisen, um für eine Leadership-Karriere infrage zu kommen. 

Die meisten Führungsinstrumente und -kompetenzen sind allerdings erlernbar beziehungsweise lassen sich gezielt optimieren. Für ein Unternehmen beginnt der Weg zunächst damit, Kandidat:innen mit Führungspotenzial zu identifizieren und beispielsweise einen Talentpool mit Nachwuchsführungskräften zu etablieren. In der darauffolgenden Führungskräfteentwicklung geht es anschließend darum, die Führungskräfte in spe mit den für ihre Rolle benötigten Kompetenzen auszustatten, darunter:

  • Konflikt- und Problemlösekompetenz

  • Zeitmanagement und Prioritätensetzung

  • Kommunikationsfähigkeiten

  • Entscheidungs- und Delegationskompetenz

  • Motivations- und Überzeugungsvermögen

  • unternehmerisches Denken

  • Führungstechniken und -stile

Neben der Kompetenzvermittlung durch Schulungen und Workshops kann man Junior-Führungskräften zusätzlich erfahrene Mentor:innen zur Seite stellen, die ihre Leadership-Erfahrungen unternehmensintern weitergeben.

Tools und Ressourcen für effektives Leadership

Neben klassischen Lernarten kann man sich für den Ausbau von Leadership-Kompetenzen an einem umfassenden Werkzeugkasten weiterer Maßnahmen bedienen:

  • 360-Grad-Feedback: Durch eine Vielzahl unterschiedlicher Perspektiven von unterstellten Mitarbeiter:innen, direkten Vorgesetzten und externen Personen ergibt sich eine umfassende Beurteilung.

  • Leadership-Coaching: Die individuelle Begleitung eröffnet Führungskräften Perspektiven sowie Lösungswege und verhilft zur Entwicklung spezifischer Kompetenzen.

  • Online-Lernplattformen: Digitale Plattformen wie Coursera, LinkedIn Learning und Co flexibilisieren die Möglichkeiten zur Weiterbildung.

  • Führungskräfte-Netzwerke: Leadership-Networking verhilft Führungskräften dazu, über den Tellerrand hinauszublicken und durch den Austausch mit der Community wertvolle Inputs zu erhalten.

  • Simulationen und Rollenspiele: Beim Durchspielen von typischen bzw. kniffligen Führungssituationen wappnen sich die Teilnehmenden für die „reale“ Leadership-Praxis.

Konzepte einer erfolgreichen Führung

Leadership-Kompetenzen sind in besonderem Maße ausschlaggebend für den Unternehmenserfolg – schließlich wirken sich die Entscheidungen und Handlungen von Führungskräften mitunter auf eine Vielzahl von Beschäftigten aus. Im positiven Sinn kann Leadership als Katalysator für die Motivation und Leistung sowie die Bindung der Mitarbeitenden an das Unternehmen wirken. Unterdurchschnittliche Führungsleistungen hingegen können Entscheidungsprozesse verlangsamen, die Produktivität schmälern und zu mehr Kündigungen führen.

Um neuartige Leadership-Stile wie die agile, transformationale oder digitale Führung zu implementieren, sollten Unternehmen aktiv in die Weiterentwicklung von Führungskräften investieren. Effektives Schulungsmanagement ist eine von vielen Stärken der Personio-Personalsoftware: Zielgerichtete Maßnahmen und eine zentrale Verwaltung erleichtern HR, die optimalen Entwicklungspfade für alle Mitarbeitenden zu verfolgen.

FAQ

Was versteht man unter Leadership?

Je nach Definition wird Leadership entweder mit Führung gleichgesetzt oder aber als besonders visionäre und charismatische Art des Führens verstanden.

Was ist der Unterschied zwischen Führung und Leadership?

Grundsätzlich kann man Führung als Übersetzung des englischen Begriffs Leadership verstehen. Oft wird die englische Bezeichnung jedoch auch im Deutschen verwendet. Dabei wird teilweise eine Abgrenzung zur „herkömmlichen“ Führung vorgenommen – beispielsweise um eine besonders moderne oder durch begeisternde Visionen und Motivation geprägte Art der Führung zu beschreiben.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften einer effektiven Führungskraft?

Einige der wichtigsten Charakteristika guter Führungskräfte sind Lösungsorientierung, die Fähigkeit zum Delegieren sowie Entscheidungsfähigkeit bzw. Entschiedenheit. Je nach Tätigkeitsbereich kann auch eine gesunde Risikobereitschaft förderlich sein, um erfolgversprechende Chancen zu nutzen. Teilweise können Führungskräfte diese Kompetenzen erlernen oder durch Trainings weiterentwickeln. Im direkten Umgang mit den Mitarbeitenden ist auch Empathie eine wertvolle Eigenschaft.

Was sind Leadership-Prinzipien?

Leadership-Grundsätze bzw. -Prinzipien sind Leitbilder für die Führung, die eine grobe Orientierung und Richtung bieten. Sie sollten zu den Unternehmenszielen passen und dafür sorgen, dass der Führungsstil aller Vorgesetzten der Organisation eine gewisse Einheitlichkeit aufweist. 

Welche Arten von Leadership gibt es?

Führungsstile kann man auf verschiedene Arten differenzieren. Eine klassische Einteilung nach Kurt Lewin kennt etwa den autoritären, den kooperativen und den Laissez-faire-Führungsstil. Ein weiteres bekanntes Schema von Max Weber unterscheidet zwischen patriarchalischer, autokratischer, bürokratischer und charismatischer Führung. Darüber hinaus existieren zahlreiche moderne Führungsstile wie zum Beispiel Digital Leadership, Remote Leadership und Thought Leadership.

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