Lohnsteuer und Sozialversicherung: Die wichtigsten Änderungen 2022

Bezugsgrößen, Sachbezugswerte und Jahresarbeitsentgeltgrenze: Auch in 2022 gibt es einige Änderungen für die Lohnabrechnung und Gehaltsabrechnung zu beachten. Damit Sie den Überblick bewahren, haben wir zusammen mit Tobias Engelhardt, Steuerberater und Manager im Bereich HR Services bei GKK PARTNERS in München, in diesem Artikel die wichtigsten Änderungen 2022 für Sie zusammengefasst.

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Änderung 1: Die Beitragsbemessungsgrenzen bleiben stabil

Mit der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) wird die Höhe des Arbeitsentgelts festgelegt, bis zu der Beiträge in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen sind. Für Arbeitsentgelt, dass über der BBG liegt, sind keine Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen.

Die Werte ab dem 01.01.2022 bleiben weitgehend stabil.

Kranken- und Pflegeversicherung

Für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Pflegeversicherung bleibt die Beitragsbemessungsgrenze von 4.837,50 Euro brutto monatlich (58.050 Euro brutto jährlich) unverändert bestehen.

Dieser Wert gilt einheitlich für die Rechtskreise West und Ost.

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung muss zwischen den Rechtskreisen West und Ost unterscheiden werden.

Für die BBG West gilt:
In der allgemeinen Rentenversicherung (RV) und in der Arbeitslosenversicherung (AV) verringert sich die Grenze 2022 von 7.100 Euro brutto monatlich (85.200 Euro brutto jährlich) auf 7.050 Euro brutto monatlich (84.600 Euro brutto jährlich).

Für die BBG Ost gilt:
Hier steigt die Beitragsbemessungsgrenze 2022 für die Renten- und Arbeitslosenversicherung von 6.700 Euro brutto monatlich (80.400 Euro brutto jährlich) auf 6.750 Euro brutto monatlich (81.000 Euro brutto jährlich).

Änderung 2: Die Jahresarbeitsentgeltgrenze bleibt stabil

Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) – auch Versicherungspflichtgrenze genannt – bestimmt, bis zu welcher Höhe des regelmäßigen Arbeitsentgelts ein Arbeitnehmer in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung versicherungspflichtig ist. Im Jahr 2022 bleibt diese unverändert bei 5.362,50 Euro brutto monatlich (64.350 Euro brutto jährlich); die besondere JAEG beträgt 4.837,50 brutto monatlich (58.050 Euro brutto jährlich).

Exkurs: Was ist die besondere JAEG?

Wenn ein Arbeitnehmer vor dem 31.12.2002 bereits privat in der Krankenversicherung war, weil sein regelmäßiges Jahreseinkommen die damalige JAEG überschritten hat, gilt für ihn eine niedrigere – eben die “besondere” – JAEG. Wird diese niedrigere Grenze erreicht, kann der betroffene Mitarbeiter in der privaten Versicherung verbleiben.

Änderung 3: Jahressteuergesetz

Im Jahr 2022 gibt es unter anderem folgende Änderungen bei der Lohn- und Einkommensteuer:

Corona-Sonderzahlungen

Arbeitgeber können ihren Beschäftigten Corona-Sonderzahlungen bis zu insgesamt 1.500 Euro steuerfrei auszahlen. Die Regelung war mit dem Jahressteuergesetz 2020 bis 30.06.2021 befristet worden und wurde nunmehr bis zum 31.03.2022 verlängert.

Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Zahlung im Zusammenhang mit der Corona-Krise geleistet wird. Unklar war oftmals, wie dieser Zusammenhang zu dokumentieren ist. Das Bundesfinanzministerium hat hierzu auf seiner Internetseite die „FAQ Corona (Steuern)“ veröffentlicht. Nach diesen ist es bereits ausreichend, wenn aus Erklärungen des Arbeitgebers ersichtlich ist, dass es sich um eine Corona-Sonderzahlung handelt. Eine solche Erklärung ist die Bezeichnung einer Corona-Sonderzahlung als solche in der Lohnabrechnung. Eine schriftliche Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer über die Zahlung ist damit nicht notwendig.Exkurs

Exkurs Impfprämie:

Vielen Arbeitgebern ist es wichtig, dass sich möglichst alle Beschäftigten impfen lassen. Einerseits werden hierdurch die Arbeitnehmer:innen selbst geschützt, andererseits lässt sich durch den erhöhten Impfschutz die Gefahr eines größeren Arbeitsausfalls im Unternehmen verringern. Erhalten Arbeitnehmende eine Impfprämie, kann diese als Corona-Sonderzahlung angesehen werden und ist damit steuerfrei.

Arbeitgeberzuschüsse zum Kurzarbeitergeld

Im Corona-Steuerhilfegesetz wurde im Juni 2020 beschlossen, dass Arbeitgeberzuschüsse zum Kurzarbeitergeld steuerfrei gestellt werden. Diese Regelung war zunächst bis 31.12.2020 befristet und wurde mit dem Jahressteuergesetz 2020 um ein weiteres Jahr bis zum 31.12.2021 verlängert.

Eine nochmalige Verlängerung erfolgte nicht, so dass Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld ab dem 01.01.2022 wieder steuerpflichtig sind.

Sachbezüge

Die Freigrenze für steuerfreie Sachbezüge wurde zum 01.01.2022 auf 50 Euro pro Monat angehoben (bisher 44 Euro).

Im Jahressteuergesetz 2019 wurde bereits geregelt, unter welchen Voraussetzungen Gutscheine und Geldkarten ab dem 01.01.2020 als Sachbezüge anzusehen sind. Nach einer langen Phase der Rechtsunsicherheit wurde am 13.04.2021 ein Anwendungsschreiben des Bundesfinanzministeriums veröffentlicht, in dem die Regelungen konkretisiert wurden. Auf Grund der großen Verzögerung bei der Veröffentlichung wurde im Anwendungsschreiben eine zeitlich befristete Übergangsregelung aufgenommen. Aufgrund dieser können die bis 2019 gültigen Regelungen zum Sachbezug teilweise bis zum 31.12.2021 angewendet werden. Ab dem 01.01.2022 sind die neuen Regelungen verpflichtend anzuwenden.

In dem Anwendungsschreiben werden für die Anerkennung von Gutscheinen und Geldkarten als Sachbezug drei Fallgruppen unterschieden:

  • Gutscheine, die zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen beim Aussteller des Gutscheins oder einem begrenzten Kreis von Akzeptanzstellen genutzt werden können
  • Gutscheine, die zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen aus einer begrenzten Waren- oder Dienstleistungspalette genutzt werden können
  • Gutscheine, die zum Bezug von Waren oder Dienstleistungen für bestimmte steuerliche oder soziale Zwecke genutzt werden können

Die Gutscheine und Geldkarten dürfen in allen drei Fallgruppen ausschließlich zum Bezug von Waren und Dienstleistungen genutzt werden. Dies ist zum Beispiel nicht der Fall, wenn der Arbeitnehmer den Gutschein selbst erwirbt und die Kosten vom Arbeitgeber im Nachhinein erstattet werden. In diesem Fall liegt voll steuerpflichtiger Barlohn vor.

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Hybridfahrzeuge

Extern aufladbare Hybridfahrzeuge (Plug-In-Hybride), die zwischen dem 01.01.2022 und 31.12.2024 erstmals an Arbeitnehmer:innen überlassen werden, können im Rahmen der Dienstwagenbesteuerung nur noch mit dem hälftigen Bruttolistenpreis angesetzt werden, wenn die die Kohlendioxidemission maximal 50 Gramm pro Kilometer oder die rein elektrische Reichweite mehr als 60 Kilometer beträgt.

Grundfreibetrag und Steuertarif

Der Grundfreibetrag in der Einkommensteuer steigt im Jahr 2022 auf 9.984 Euro (Ledige) bzw. 19.968 Euro (Verheiratete). Zur Abmilderung der kalten Progression wurden die übrigen Tarifeckwerte erhöht. Der Spitzensteuersatz von 42 % wird im Jahr 2022 damit ab einem zu versteuernden Einkommen von 58.597 Euro (Ledige) bzw. 117.194 Euro (Verheiratete) erhoben.

Entlastungsbetrag für Alleinerziehende

Mit dem Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz wurde der Entlastungsbetrag für Alleinerziehende um 2.100 Euro auf 4.008 Euro erhöht. Die Anhebung war zunächst auf die Jahre 2020 und 2021 befristet, wurde nun entfristet und ist damit auch im Jahr 2022 gültig.

Änderung 4: Der Mindestlohn steigt

Zum 01.01.2022 erhöht sich der gesetzliche Mindestlohn auf 9,82 Euro pro Stunde. Darüber hinaus erfolgt die nächste Steigerung des Mindestlohns zum 01.07.2022 auf 10,45 Euro pro Stunde.

Für geringfügig Beschäftigte, mit einem Arbeitsentgelt nahe an der Minjob-Grenze von 450,00 Euro, kann die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns bei gleichbleibender Stundenanzahl zur Versicherungspflicht führen. Prüfen Sie, ob durch die Erhöhung des Mindestlohnes im Zusammenhang mit der in den Arbeitsverträgen hinterlegten wöchentlichen Arbeitszeit die Grenze von 450,00 Euro überschritten wird. In diesen Fällen sollte eine tatsächliche und gelebte Reduzierung der Arbeitszeit stattfinden.

Beispiel: Frau Mustermann hat eine geringfügige Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 10 Stunden und einem Stundenlohn von 9,82 Euro. Daraus ergibt sich eine Vergütung von derzeit 425,53 Euro im Monat (10 Stunden x 9,82 Euro x 13/3 = 425,53 Euro.)
Die Erhöhung des Mindestlohnes zum 01.07.2022 wirkt sich wie folgt aus: 10 Stunden x 10,45 Euro x 13/3= 452,83 Euro. Fazit: Ab 01.07.2022 würde Frau Mustermann in allen Zweigen der Sozialversicherung versicherungspflichtig, da die Entgeltgrenze von 450,00 Euro für den Minijob überschritten wird.

Unsere Empfehlung: Die Arbeitszeit von Frau Mustermann sollte aufgrund der Erhöhung des Mindestlohnes ab 01.07.2022 um 15 Minuten auf 9 Stunden und 45 Minuten reduziert werden (Berechnung 9,75 x 10,45 Euro x 13/3 = 441,51 Euro).

Im Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP wurde die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns auf 12,00 Euro pro Stunde vereinbart. Der Bundesminister für Arbeit und Soziales Hubertus Heil hat bereits einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt. Nach diesem soll der Mindestlohn von 12,00 Euro voraussichtlich zum 01.10.2022 umgesetzt werden.

Exkurs: Tarifvertragliche Mindestlöhne

Neben dem gesetzlichen Mindestlohn, der für alle Branchen gilt, gibt es auch branchenspezifische Mindestlöhne. Diese werden in Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeber ausgehandelt und anschließend gegebenenfalls für allgemeinverbindlich erklärt. Allgemein verbindliche Mindestlöhne gelten für alle Beschäftigten in der jeweiligen Branche, unabhängig davon, ob ihr Arbeitgeber tarifgebunden ist. Eine Übersicht der allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträge kann auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales abgerufen werden.

Änderung 5: Pflichtzuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge

Arbeitgeber sind bei Altersvorsorgeverträgen, die seit 01.01.2019 abgeschlossen wurden, verpflichtet, den vom ihm ersparten Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen in pauschalierter Form als Arbeitgeberzuschuss zugunsten der Beschäftigten zu zahlen. Ab dem 01.01.2022 ist dieser Arbeitgeberzuschuss für alle Verträge mit Entgeltumwandlungsvereinbarungen verpflichtend, somit auch für Verträge, die vor dem 01.01.2019 abgeschlossen wurden.

Der verpflichtende Arbeitgeberzuschuss beträgt pauschal 15 % des umgewandelten Entgelts. Unterschreiten die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge 15 % des umgewandelten Entgelts (z.B. bei Arbeitsentgelten oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze), ist die Pflicht zur Zahlung des Arbeitgeberzuschusses auf den Betrag der tatsächlich eingesparten Sozialversicherungsbeiträge begrenzt. Hat der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge eingespart, muss demnach auch kein Zuschuss gezahlt werden. In diesen Fällen besteht für den Arbeitgeber das Wahlrecht ob nur der tatsächlich eingesparte Betrag in Form des Zuschusses weitergegeben wird oder der pauschale Arbeitgeberzuschuss von 15% gewährt wird.

Änderung 6: Verlängerung der Sonderreglungen beim Kurzarbeitergeld

Im Dezember 2021 wurde die Sonderregelungen zum Kurzarbeitergeld bis 31.03.2022 verlängert.

Unternehmen haben Anspruch auf Kurzarbeitergeld, wenn mindestens 10 % der Arbeitnehmer einen Arbeitsausfall von mehr als 10 % haben. Auch für Leiharbeitnehmer kann weiterhin Kurzarbeitergeld beantragt werden. Die Sozialversicherungsbeiträge werden im Rahmen des Kurzarbeitergeldes grundsätzlich zu 50 % erstattet. Wenn die Arbeitnehmenden während der Kurzarbeit an bestimmten geförderten Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen, werden die Sozialversicherungsbeiträge vollständig erstattet. Die erhöhten Leistungssätze ab vierten bzw. siebten Monat der Kurzarbeit gelten ebenfalls bis zum 31.03.2022.

Über den Experten:

Tobias Engelhardt ist Steuerberater und Manager mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung im Bereich Lohnsteuer und Sozialversicherung. Seit 2020 verstärkt er das HR Services-Team bei GKK PARTNERS in München. Er berät Mandanten bei allen Fragen rund um die Lohnsteuer und Sozialversicherung und unterstützt mit seinem Team und seiner ausgesprochenen Expertise die digitale Prozessoptimierung und Weiterentwicklung von Systemschnittstellen.

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