Lohnsteuer und Sozialversicherung: Die wichtigsten Änderungen 2021

Lohnabrechnung_Frau am PC

Bezugsgrößen, Sachbezugswerte und Jahresarbeitsentgeltgrenze: Auch in 2021 gibt es einige Änderungen für die Lohnabrechnung und Gehaltsabrechnung zu beachten. Damit Sie den Überblick bewahren, haben wir zusammen mit Birgit Ennemoser, Unternehmerin und Beraterin u.a. für die Entgeltabrechnung, in diesem Artikel die wichtigsten Änderungen 2021 für Sie zusammengefasst.

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Änderung 1: Anstieg Beitragsbemessungsgrenzen

Mit der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) wird die Höhe des Einkommens festgelegt, bis zu der man Beiträge in die Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen muss. Für Einkommen, die über der BBG liegen, sind keine Sozialversicherungsbeiträge fällig.

Wie immer ändern sich die Werte ab dem 01.01.2021.

Kranken- und Pflegeversicherung

Für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und die Pflegeversicherung wird die Beitragsbemessungsgrenze von 4.687,50 Euro brutto monatlich (56.250 Euro brutto jährlich) auf 4.837,50 Euro brutto monatlich (58.050 Euro brutto jährlich) erhöht.

Diese Werte gelten einheitlich für das ganze Bundesland.

Renten- und Arbeitslosenversicherung

Bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung müssen Sie zwischen West und Ost unterscheiden.

Für die BBG West gilt:
In der allgemeinen Rentenversicherung (RV) und in der Arbeitslosenversicherung (AV) erhöht sich die Grenze 2021 auf 7.100 Euro brutto monatlich (85.200 Euro brutto jährlich).

Für die BBG Ost gilt:
Hier liegt die Beitragsbemessungsgrenze 2021 für die Renten- und Arbeitslosenversicherung bei 6.700 Euro brutto monatlich (80.400 Euro brutto jährlich).

Wer die Änderungen ignoriert, zahlt

Wenn Sie als Arbeitgeber die neuen Beitragsbemessungsgrenzen nicht korrekt berücksichtigen, werden zu geringe Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeträge abgeführt. Im Rahmen einer Sozialversicherungsprüfung müssen Sie dann mit erheblichen Nachverbeitragungen rechnen.

Änderung 2: Die Jahresarbeitsentgeltgrenze steigt

Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG) – auch Versicherungspflichtgrenze genannt – bestimmt, bis zu welcher Höhe des regelmäßigen Entgelts ein Arbeitnehmer pflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung versichert werden kann. Für 2021 beläuft sich diese auf 5.362,50 Euro brutto monatlich (64.350 Euro brutto jährlich); für die besondere JAEG ist ein Wert von 4.837,50 brutto monatlich (58.050 Euro brutto jährlich) festgelegt.

Exkurs: Was ist die besondere JAEG?

Wenn ein Arbeitnehmer vor dem 31.12.2002 bereits privat in der Krankenversicherung war, weil sein regelmäßiges Jahreseinkommen die damalige JAEG überschritten hat, gilt für ihn eine niedrigere – eben die “besondere” – JAEG. Wird diese niedrigere Grenze erreicht, kann der betroffene Mitarbeiter in der privaten Versicherung verbleiben.

Änderung 3: Der Mindestlohn steigt

Ab dem 1. Januar 2021 steigt der Mindestlohn von 9,35 Euro auf 9,50 Euro brutto. Ab dem 1. Juli 2021 steigt er nochmals auf 9,60 Euro brutto.

Auch für das Jahr 2022 sind die Werte dazu bereits mit einer zweistufigen Erhöhung verabschiedet. Ab dem 01. Januar 2022 gilt ein Mindestwert von 9,82 Euro und ab dem 01. Juli 2022 von 10,45 Euro.

Für geringfügig entlohnt Beschäftigte, die an der Geringfügigkeitsgrenze von 450,00 EUR verdienen, kann die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns bei gleichbleibender Stundenanzahl zur Versicherungspflicht führen. Prüfen Sie in Ihren Verträgen, ob die Erhöhung des Mindestlohnes und die in Ihren Verträgen hinterlegte wöchentliche Arbeitszeit, die Geringfügigkeitsgrenze von 450 € überschreitet. Sollte dies der Fall sein, ist die wöchentliche Arbeitszeit zu reduzieren.

Beispiel: Frau Mustermann hat eine geringfügige Beschäftigung mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 11 Stunden und einem Stundenlohn von 9,35 Euro. Daraus ergibt sich eine Vergütung von derzeit 445,68 Euro im Monat (11 Stunden x 9,35 Euro x 13/3 = 445,68 Euro.)
Die Erhöhung des Mindestlohnes zum 01.01.2021 wirkt sich wie folgt aus: 11 Stunden x 9,50 Euro x 13/3= 452,83 Euro. Fazit: Ab 01.01.2021 würde Frau Mustermann in allen Zweigen der Sozialversicherung versicherungspflichtig, da die Entgeltgrenze von 450 Euro für den Minijob überschritten ist.

Unsere Empfehlung: Die Arbeitszeit von Frau Mustermann ist aufgrund der Erhöhung des Mindestlohnes ab 01.01.2021 bzw. 01.07.2021 um 15 Minuten auf 10 Stunden und 45 Minuten herabzusetzen (Berechnung 10,75 x 9,50 Euro x 13/3 = 442,54 Euro bzw. 9,60 Euro x 13/3 = 447,20 Euro).

Es gab zwar wiederholte Diskussionen und Vorstöße betreffend einer Erhöhung der Minijob-Grenze von monatlich 450 Euro auf 530 Euro oder 600 Euro. Bis dato wurde diesen Ersuchen aber nicht stattgegeben und dies scheint auch weiter nicht beabsichtigt zu sein, da seitens der Ministerien der Schutz der rentenversicherungspflichten Beschäftigung höher angesiedelt ist als die Anhebung der Flexibilität der Minijobber.

Änderung 4: neue Sachbezugswerte für Verpflegung und Unterkünfte

Wenn Sie Ihren Mitarbeitern Unterkünfte zur Verfügung stellen, müssen Sie als Arbeitgeber die Sachbezugswerte heranziehen, um die Lohnsteuer zu ermitteln und die Sozialversicherungsbeiträge zu berechnen. Der Sachbezugswert für Unterkünfte steigt 2021 auf 237 Euro monatlich.

Die Sachbezugswerte für Verpflegung unterteilen sich pro Arbeitnehmer (inkl. Jugendliche und Auszubildende) folgendermaßen:
Frühstück: 55 Euro monatlich – 1,83 Euro täglich
Mittagessen: 104 Euro monatlich – 3,47 Euro täglich
Abendessen: 104 Euro monatlich – 3,47 Euro täglich
Gesamt: 263 Euro monatlich – 8,77 Euro täglich

Änderung 5: Elektronische Mitgliedsbescheinigungen der Krankenkassen

Ab dem 1.1.2021 werden Arbeitgeber elektronisch darüber informiert, ob der Arbeitnehmer die richtige Krankenkasse angegeben hat, z. B. wenn er neu in das Unternehmen gekommen ist oder seine Versicherung während des Anstellungsverhältnisses wechselt.

Sie als Arbeitgeber müssen also eine Anmeldung an die korrekte Krankenkasse im Rahmen der Lohnabrechnung durchführen. Sie erhalten dann eine elektronische Rückmeldung von der zuständigen Krankenkasse in das Lohnabrechnungsprogramm. In einer Übergangsphase vom 01.01.2021 bis 31.03.2021 soll damit die Mitgliedsbescheinigung der Krankenkassen in Papierform abgelöst werden.

Praxistipp: Dies gilt nicht für privat versicherte Arbeitnehmer. Für diese ist ein Art Rückmeldeverfahren erst ab 2024 geplant, die Pilotierung dazu soll 2023 über das ELStAM-Verfahren erfolgen. Das neue Verfahren nutzt die darin bestehende Dateninfrastruktur: Die Versicherungsunternehmen haben die voraussichtlichen Daten für die Berechnung des steuerfreien ArbG-Zuschusses und den Teilbetrag „KV/PV“ der Vorsorgepauschale bis zum 20.11. des vorangehenden Kalenderjahres an die Finanzverwaltung zu übermitteln

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Änderung 6: Jahressteuergesetz

Auch im Jahressteuergesetz wurden Änderungen verabschiedet, u.a. bei der Lohnsteuer:

Kurzarbeiterzuschuss

Wegen Corona haben Arbeitgeber 2020 steuerfreie Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld und zum Saison-Kurzarbeitergeld bis zu 80 % des Unterschiedsbetrages zwischen dem Soll-Entgelt und dem Ist-Entgelt bekommen (§ 3 Nr. 28a EStG). Diese Regelung galt bisher bis zum 31.12.2020 und verlängert sich nun bis zum 31.12.2021.

Corona-Bonus

Arbeitgeber konnten ihren Mitarbeitern in der Zeit vom 01. März 2020 bis zum 31. Dezember 2020 – und nun verlängert bis 30. Juni 2021 – aufgrund der Corona-Krise Beihilfen und Unterstützungen bis zu einem Betrag von 1.500 EUR in Form von Zuschüssen und Sachbezügen steuerfrei gewähren. Voraussetzung ist, dass die Beihilfen und Unterstützungen zur Abmilderung der zusätzlichen Belastungen durch die Corona-Krise und zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden.

Dabei können die Zahlungen aufgeteilt oder in einer Summe erfolgen und der Gesamtbetrag von 1.500 EUR muss nicht komplett ausgeschöpft werden. Weiterhin kann der Corona-Bonus von mehreren Arbeitgebern bezogen werden, und dabei jeweils bis zu einem Betrag von 1.500 EUR je Arbeitgeber Ansatz finden.

Erhöhte Entfernungspauschale

Die Entfernungspauschale wird ab dem 21. Kilometer um 0,05 Euro (auf 0,35 Euro) für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie Familienheimfahrten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung vom 1.1.2021 bis 31.12.2023 angehoben.
Vom 1.1.2024 bis zum 31.12.2026 wird die Entfernungspauschale ab dem 21. Kilometer um weitere 0,03 Euro (auf 0,38 Euro) angehoben.

Dies ist keine Verpflichtung, nur eine Option einer Umsetzung. Bitte aber zu beachten: Diese Regelung gilt nur für die Entfernungspauschalen, nicht für die Reisekostenerstattung und den dortigen Kilometersatz.

Zulässigkeit von Gehaltsumwandlungen

Leistungen des ArbG (Sachbezüge oder Zuschüsse) sollen nur dann zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn erbracht werden, wenn die Leistung nicht auf den Anspruch auf Arbeitslohn angerechnet, der Anspruch auf Arbeitslohn nicht zugunsten der Leistung herabgesetzt, die verwendungs- oder zweckgebundene Leistung nicht anstelle einer bereits vereinbarten künftigen Erhöhung des Arbeitslohns gewährt und bei Wegfall der Leistung der Arbeitslohn nicht erhöht wird.

Gehaltsumwandlungen führen also weiterhin nicht zur Steuerfreiheit, die Prüfung der Ansätze wird aber ab dem 01.01.2020 nun verschärft erfolgen.

Änderung 7: Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags ab 2021

Durch das Gesetz zur Rückführung des Solidaritätszuschlags entfällt die Ergänzungsabgabe ab 2021 für rund 90 % der heutigen Zahler vollständig. Für weitere 6,5 % entfällt der Zuschlag zumindest in Teilen.

Künftig wird kein Solidaritätszuschlag mehr erhoben, wenn das Einkommen eines Arbeitnehmers unter ca. 72.000 Euro Jahresbrutto für Ledige und 144.000 Euro Jahresbrutto für Verheiratete liegt.

Oberhalb dieser Grenze setzt eine sog. Milderungszone ein, in der der Solidaritätszuschlag nicht in voller Höhe erhoben, sondern schrittweise an den vollen Satz in Höhe von 5,5 Prozent herangeführt wird. Auf sehr hohe Einkommen (oberhalb der neuen Milderungszone) ist der bisherige Solidaritätszuschlag unverändert zu entrichten.

Hinweis: Der Soli-Zuschlag für pauschal besteuerte Sachverhalte bleibt bestehen. Hier entfällt der Soli nicht.

Änderung 8: Kindergeld und Kinderfreibeträge steigen

Gute Nachrichten für Eltern! Ab Januar 2021 wird durch das Zweite Familienentlastungsgesetz 15 Euro mehr Kindergeld pro Kind ausgezahlt. Konkret bedeutet das folgende Werte:

  • Für das erste und zweite Kind: je 219 Euro
  • Für das dritte Kind: 225 Euro
  • Für jedes weitere Kind: 250 Euro

Auch der steuerliche Kinderfreibetrag wird erhöht. Er steigt um 288 Euro auf 5.460 Euro (je Elternteil sind dies 2.730 Euro). Ebenso werden der Betreuungs-, Erziehungs- oder Ausbildungsfreibetrag um 288 Euro auf 1.464 Euro je Elternteil angehoben.

Änderung 9: Der Grundfreibetrag wird erhöht

Und noch eine weitere Steuerentlastung: Der Grundfreibetrag, also der Teil des Einkommens, der von den Steuern verschont bleibt, wird erhöht. Er steigt um 336 Euro auf 9.744 Euro und ist im Programmablaufplan für die Lohnabrechnung bereits überall berücksichtigt in 2021.

Über die Expertin:

Birgit EnnemoserBirgit Ennemoser ist Unternehmerin und Beraterin mit mehr als 25 Jahren praktischer Erfahrung in den verschiedenen Sparten des Personalwesens. Seit 2009 leitet Frau Ennemoser das Geschäftsfeld Personal Services von Auren in Stuttgart, wo sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern Firmenkunden im Rahmen personeller Belange rund um die Entgeltabrechnung, aber auch im gesamten Konstrukt der betrieblichen Personalarbeit betreut.

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