Midijob: Alles, was Sie über das „Mischwesen“ wissen müssen

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In einem Midijob können Ihre Mitarbeiter zwischen 450 und 1300 Euro im Monat verdienen. Dieses geringfügige Beschäftigungsverhältnis bietet sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern bedeutende Vorteile: prozentual günstige Abgaben und gleichzeitig volle Sozialversicherung. Das müssen Sie beachten.

Der Midijob ist das Mischwesen des Niedriglohnsektors. Der Duden sieht in midi eine Fantasiebildung zum englischen middle, die übrigens schon in den 1970er Jahren nach Deutschland schwappte. Mit der Mode. Damals zeigte der Midirock seine Unentschlossenheit – er reichte etwa bis zu den Waden. Analog dazu bewegt sich der Midijob auf halber Länge zwischen den Eckpfeilern Minijob und regulärer Teilzeitbeschäftigung. Ein Mischwesen eben.

2003 hatte die Bundesregierung den Midijob als Teil ihrer umstrittenen Hartz-Reformen eingeführt. Man wollte verhindern, dass jene Arbeitnehmer benachteiligt werden, die nur geringfügig mehr als in einem versicherungsfreien Minijob verdienen. In seiner quantitativen Bedeutung blieb der Midijob zwar deutlich hinter dem kleineren Bruder Minijob zurück – verdoppelte sich aber trotzdem zwischen 2003 und 2013 von 600.000 auf 1,3 Millionen. Warum der Midijob zum Rüstzeug der HR gehört? Gerade im Niedriglohnsektor bietet diese Beschäftigungsform sowohl Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern wichtige Vorteile.

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Der Midijob– die Definition

Unter einem Midijob versteht man ein Arbeitsverhältnis, bei dem der Arbeitnehmer mehr als 450 Euro und weniger als 1.300 Euro verdient. Simpel gesprochen beginnt der Midijob also dort, wo der Minijob aufhört.

Analog zum Begriff Midijob wurde auch der Terminus „Beschäftigung in der Gleitzone“ bzw. seit dem 1. Juli 2019 auch „die Beschäftigung im Übergangsbereich“ verwendet. Diese Begriffe zeigen die Kernidee des Midijobs an: Der Arbeitnehmer hat durch die o.g. Ober- und Untergrenze einen echten Spielraum im Verdienst. Sollte ein Arbeitnehmer mehreren Beschäftigungen nachgehen, so ist das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt maßgebend für die Einordnung des Arbeitsverhältnisses.

Wichtig: Neben dem regelmäßigen monatlichen Einkommen zählen auch eventuelle Einmalzahlungen wie Urlaubsgeld oder Weihnachtsgeld zum Bruttoarbeitsentgelt dazu.

Bei eventuellen Schwankungen des monatlichen Einkommens erfolgt von Seiten des Arbeitgebers entweder eine Schätzung oder eine Durchschnittsberechnung – die dann als Grundlage für Abgaben und Steuern gilt.

Ausnahmen: Alle Ausbildungsverhältnisse fallen nicht unter den Midijob – also weder Praktikanten noch Auszubildende oder Absolventen eines sozialen Jahres. Studenten können allerdings einen Midijob ausüben, sie müssen lediglich einen Rentenbeitrag abführen.

Geregelt ist die Beschäftigung im Übergangsbereich im Sozialgesetzbuch (SGB) IV.

Was sind die Unterschiede zwischen Midijob und Minijob?

In den folgenden Punkten unterscheiden sich ein Minijob und ein Midijob.

 MinijobMidijob
BezahlungMaximal 450 € im MonatZwischen 450 und 1.300 € im Monat
SozialversicherungRentenbeiträge (Befreiung möglich)Abgaben auf alle Sozialversicherungen
BruttoentgeltBrutto = NettoBrutto minus Abgaben
SteuernSteuerfreiReguläre Versteuerung der Einnahmen

Der Midijobber zahlt also Abgaben an alle Sozialversicherungsträger sowie Steuern. Die Arbeitnehmerbeiträge liegen allerdings unter denen, die ein regulärer Teilzeit- oder Vollzeitbeschäftigter zahlen muss.

5 wichtige Vorteile des Midijobs für Arbeitnehmer

Die 2019 eingeführten Neuerungen im Sektor Midijob – vor allem die Anhebung der Obergrenze des Übergangsbereichs – haben den Kreis der von günstigeren Sozialabgaben profitierenden Midijobber erheblich erweitert. Aktuelle Schätzungen gehen von bis 3,5 Millionen Beschäftigten aus, die in Deutschland als Midijobber im Niedriglohnsektor tätig sind.

Vorteil 1 – Ein Midijobber zahlt verringerte Arbeitnehmerbeiträge in die Sozialversicherung, erwirbt aber trotzdem die vollen Rentenansprüche, beispielsweise auch auf eine Erwerbsminderungsrente.

Vorteil 2Die Lohnsteuer zahlt ein Midijobber nur in bestimmten Fällen. Entscheidend ist, ob der Midijob Haupt- oder Nebenberuf ist. Außerdem spielt die Steuerklasse eine Rolle: Wer in der Steuerklasse I bis IV gemeldet ist, zahlt keine Lohnsteuer. In den Klassen V und VI wird Lohnsteuer fällig – denn Steuerklasse V ist nur in Kombination mit Steuerklasse III des Ehepartners wählbar und in Steuerklasse VI wird der Midijob als Tätigkeit neben dem Hauptberuf versteuert.

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Vorteil 3 – Ein Midijobber ist kranken- und pflegeversichert und zwar zu niedrigen Beiträgen, erhält aber die vollen Leistungen. Bei längeren Erkrankungen hat der Midijobber Anspruch auf Lohnfortzahlung und Krankengeld.

Vorteil 4 – Midijobber erhalten Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung – wenn sie den Midijob für mindestens 12 Monate am Stück ausgeübt haben. Höhe des Arbeitslosengeldes: 60 Prozent vom Durchschnittsnettoverdienst der vergangenen 12 Monate; 67 Prozent, wenn Kinder da sind. Dauer der Zahlung: 12 Monate.

Vorteil 5 – Midjobber können zusätzlich auch noch einen Minijob ausüben – dieser ist dann eine zulässige Nebenbeschäftigung. So sind im Jahr 5.400 € mehr Verdienst möglich, ohne Sozialabgaben und Steuern leisten zu müssen. Denn die Pauschale zahlt der Arbeitgeber.

Was Arbeitgeber bei Midijobs unbedingt beachten müssen

Wenn Sie als Arbeitgeber vor der Wahl stehen, Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor über einen Minijob oder einen Midijob zu beschäftigen, gilt es, folgende Grundlagen zu beachten.

Abgaben zur Sozialversicherung

Die Abgaben, die Sie als Arbeitgeber bei einem Minijob an die Minijobzentrale abführen, betragen 28 Prozent. Diese setzen sich aus Pauschalbeiträgen zur Rentenversicherung (15 Prozent) und Krankenversicherung (13 Prozent) zusammen. Wenn sich der Arbeitnehmer nicht von der Rentenversicherungspflicht befreien lässt, zahlt er Rentenversicherungsbeiträge in Höhe von 3,6 Prozent.

Bei einem Midijob hingegen beträgt die Belastung für Sie als Arbeitgeber weniger als 20 Prozent, weil nur die Hälfte des Gesamtsozialversicherungsbeitrags fällig wird.

Beispiel:
Beitragsbelastung Arbeitgeber bei Minijob
450 € x 28 Prozent = 126 Euro

Beitragsbelastung Arbeitgeber bei Midijob
451 € x 19,875 Prozent = 89,63 €

Arbeitsumfang

Die tägliche Stundenanzahl darf per Gesetz nicht mehr als 8 Stunden betragen. Die Obergrenze von 1.300 € im Midijob wirkt sich direkt auf die möglichen Arbeitsstunden aus.

Beispiel: Ein Minijobber mit dem gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von 9,35 € brutto pro Stunde (Stand: 2020) arbeitet an fünf Tagen in der Woche jeweils 8 Stunden und überschreitet somit deutlich die Midijobobergrenze von 1.300 € – diese Beschäftigung ist somit kein Midijob. Unter den o.g. Umständen darf ein Midijobber maximal 139 Stunden im Monat arbeiten.

Urlaub

Ein Midijobber hat Anspruch auf Urlaub, diesen sollten Sie – losgelöst von den gesetzlichen Mindestansprüchen auf Urlaub – im Arbeitsvertrag festhalten.

Kündigung

Wie bei einem normalen Arbeitsverhältnis müssen Sie auch beim Midijob die Kündigungsfristen (gesetzlich oder vertraglich festgelegt) einhalten.

Nachteile

Für Sie als HR gibt es einen Nachteil: Der Verwaltungsaufwand bei einem Midijob ist aufgrund zahlreicher Sonderregelungen deutlich größer als bei einem Minijob. Doch Verwaltungsaufgaben lassen sich heute problemlos durch intelligente HR Software in digitale Prozessschritte überführen, die Ihnen die administrativen Aufgaben in großen Teilen abnimmt.

Dennoch ist der Midijob ist eine echte Win-Win-Situation für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, wenn es um Beschäftigung im Niedriglohnsektor geht. Erstere profitieren im Niedriglohnbereich von prozentual günstigeren Abgaben, letztere von einem vollen Sozialversicherungsschutz, ohne dafür über die Maßen belastet zu werden.

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