Neuer Gallup-Schock: 90 % haben innerlich gekündigt

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Folge 153: Gallup Engagement Index 2025: Warum 9 von 10 Beschäftigten nur noch Dienst nach Vorschrift machen
Die deutsche Wirtschaft diskutiert über Fachkräftemangel, Künstliche Intelligenz und Transformation. Doch der aktuelle Gallup Engagement Index 2025 zeigt, dass ein anderes Problem deutlich gravierender sein könnte: die fehlende emotionale Bindung von Mitarbeitenden an ihre Arbeitgeber. Nur noch 10 Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind laut der Studie emotional hoch gebunden. Die große Mehrheit arbeitet im sogenannten „Energiesparmodus“ – mit erheblichen Folgen für Produktivität, Fluktuation und Unternehmenserfolg.
Gallup Engagement Index 2025: Die wichtigsten Ergebnisse
Der Gallup Engagement Index gilt als eine der wichtigsten Langzeitstudien zur Mitarbeiterbindung in Deutschland. Für die aktuelle Ausgabe wurden Ende 2025 rund 1.700 Arbeitnehmer:innen befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild: Der langjährige Abwärtstrend scheint zwar gestoppt, von einer echten Trendwende kann jedoch keine Rede sein.
Die zentralen Ergebnisse im Überblick:
Nur 10 Prozent der Beschäftigten fühlen sich ihrem Arbeitgeber emotional stark verbunden.
Mehr als drei Viertel der Beschäftigten weisen nur noch eine geringe emotionale Bindung auf.
Weitere 13 Prozent haben gar keine emotionale Bindung mehr an ihr Unternehmen.
12 Prozent sind aktiv auf Jobsuche, weitere 25 Prozent offen für einen Wechsel.
Nur rund jede fünfte Person vertraut ihrer direkten Führungskraft.
Nicht einmal jede vierte Person glaubt, dass die Geschäftsführung zukünftige Herausforderungen erfolgreich meistern wird.
Diese Zahlen verdeutlichen: Die Herausforderung liegt nicht primär im Recruiting, sondern in der Bindung und Aktivierung der bereits vorhandenen Mitarbeitenden.
Der wahre Produktivitätskiller: Fehlende emotionale Bindung
Besonders bemerkenswert sind die wirtschaftlichen Auswirkungen mangelnder Mitarbeiterbindung. Gallup schätzt die jährlichen Produktivitätsverluste in Deutschland auf bis zu 142 Milliarden Euro.
Dabei wird Mitarbeiterbindung häufig noch immer als „weiches“ HR-Thema betrachtet. Die Daten sprechen jedoch eine andere Sprache. Unternehmen mit hoher emotionaler Bindung profitieren von:
Bis zu 51 Prozent geringerer Fluktuation.
78 Prozent weniger Fehlzeiten.
63 Prozent weniger Arbeitsunfällen.
32 Prozent weniger Qualitätsmängeln.
Höherer Produktivität und besseren Kundenbewertungen.
Die Botschaft ist eindeutig: Mitarbeiterbindung ist kein reines Kulturthema, sondern ein messbarer Wirtschaftsfaktor.
Warum Führung zum entscheidenden Hebel wird
Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der starke Zusammenhang zwischen Führung und emotionaler Bindung. Beschäftigte, die ihrer Führungskraft vertrauen, zeigen deutlich häufiger Engagement, Leistungsbereitschaft und Loyalität gegenüber dem Unternehmen.
Gleichzeitig offenbart die Studie erhebliche Defizite:
Nur knapp jede fünfte Person fühlt sich von der Unternehmensführung für die Zukunft begeistert.
Das Vertrauen in Führungskräfte bleibt auf niedrigem Niveau.
Viele Mitarbeitende zweifeln an der Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen.
Für HR-Verantwortliche ergibt sich daraus eine klare Schlussfolgerung: Führungskräfteentwicklung ist einer der wirksamsten Hebel zur Verbesserung von Mitarbeiterbindung und Unternehmenserfolg.
Onboarding als unterschätzter Risikofaktor
Besonders alarmierend ist die Situation bei neuen Mitarbeitenden. Jede vierte Person mit weniger als einem Jahr Betriebszugehörigkeit sucht bereits wieder aktiv nach einem neuen Job.
Ein möglicher Grund: Schwächen im Onboarding.
Nur jede fünfte beschäftigte Person bewertet die eigene Einarbeitung als wirklich gelungen.
Gerade die ersten Monate entscheiden darüber, ob neue Mitarbeitende:
Orientierung erhalten.
Vertrauen zu ihrer Führungskraft aufbauen.
Sich als Teil des Teams fühlen.
Eine langfristige Bindung zum Unternehmen entwickeln.
Ein strukturiertes Onboarding ist daher weit mehr als eine organisatorische Pflichtaufgabe – es ist ein strategischer Faktor für die Mitarbeiterbindung.
Was HR jetzt konkret tun sollte
Aus den Ergebnissen des Gallup Engagement Index lassen sich drei unmittelbare Handlungsfelder ableiten.
1. Regelmäßige Führungsgespräche etablieren
Gespräche zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden sollten nicht ausschließlich auf Aufgaben und Ziele fokussiert sein. Ebenso wichtig sind Erwartungen, Entwicklungsmöglichkeiten, Zusammenarbeit und Feedback.
2. Onboarding systematisch verbessern
Neue Mitarbeitende benötigen klare Ansprechpartner:innen, regelmäßiges Feedback und das Gefühl, aktiv unterstützt zu werden. Erfolgreiches Onboarding schafft Bindung von Beginn an.
3. Mitarbeiterbindung kontinuierlich messen
Unternehmen sollten nicht nur einmal jährlich eine Befragung durchführen. Regelmäßige Pulse Surveys helfen dabei, Stimmungen frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
Quellen:
“Das HR-Briefing" ist der wöchentliche HR-Podcast für Personaler:innen und Führungskräfte – powered by Personio.
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