Job Shadowing: Bedeutung, Vorteile, Wege

Job Shadowing

Sie möchten, dass Ihre Beschäftigten nicht nur ihr eigenes Süppchen kochen, sondern immer wieder auch bewusst über den Tellerrand ihres Tuns und ihrer Abteilung hinausblicken? Dann sollten Sie im Rahmen der Personalentwicklung unbedingt Job Shadowing anbieten. In diesem Beitrag erfahren Sie, was genau Job Shadowing bedeutet, wie es funktioniert, für wen es sich besonders eignet und welche Vorteile Sie als HR davon haben. Mit FAQs Job Shadowing.

Das Wichtigste zusammengefasst:

  • Mit Job Shadowing öffnen sich zukunftsorientierte Unternehmen für interessante Kandidat:innen von morgen. Sie unterstützen vor allem junge Menschen bei der beruflichen Orientierung, gewinnen aber zudem wertvolle Kontakte, wenn es um motivierte Arbeitskräfte der Zukunft geht.

  • Job Shadowing eignet sich aber nicht nur für Einsteiger, sondern ganz besonders auch für langjährige Mitarbeitende, die sich fachlich und persönlich innerhalb ihres Unternehmens weiterentwickeln möchten. Mit Job Shadowing-Programmen können Sie die Mitarbeitermotivation und die Mitarbeiterbindung gezielt erhöhen.

  • Job Shadowing ist eine effiziente Methode, Fachwissen abteilungsübergreifend weiterzugeben und damit langfristig im Unternehmen zu halten. Firmen, die auf diesem Weg Wissen und Erfahrungen gezielt innerhalb der Belegschaft verbreiten, zeigen eine hohe Innovationskraft.

Schaffen Sie mit diesem Leitfaden eine Kultur des Lernens und Vertrauens.

Was ist Job Shadowing?

Der Begriff Job Shadowing stammt aus dem Englischen und bedeutet auf Deutsch so viel wie „Jemanden bei der Arbeit beobachten“. Er beschreibt einen Trend in der Personalentwicklung, der vor allem die Aspekte berufliche (Neu)Orientierung und fachliche Weiterbildung abdeckt.

Einige Wörterbücher übersetzen die oft synonym verwendeten Begriffe Job Shadowing und Work Shadowing mit dem hierzulande bekannteren Terminus „Hospitation“. Hospitanten beobachten das Geschehen aus dem Hintergrund, sie sind stille Beobachter und notieren sich ihre Erkenntnisse, greifen aber nicht in die Arbeit ein. Beim Job Shadowing begleitet die „beschattende“ Person (Shadow) also eine andere an deren Arbeitsplatz und beobachtet sie bei der Arbeit – eben wie ein Schatten. Job Shadowing ist zeitlich in der Regel auf einen oder wenige Arbeitstage beschränkt.

Job Shadowing ist kein Training on the Job und kein Einarbeitunginstrument. Der Job Shadower beoabachtet nur, er arbeitet nicht selbst.

Vom Praktikum unterscheidet sich das Job Shadowing in zwei wesentlichen Aspekten: Während ein Praktikant aktiv in einem Arbeitsbereich mitarbeitet, schaut der Shadower nur zu und stellt jobbezogene Fragen. Außerdem dauern Praktika in der Regel mehrere Wochen bis mehrere Monate. Die Praktikanten werden dabei konkret in Teams und Arbeitsabläufe integriert.

Mehr als Job Shadowing – wie Mitarbeitende vom Job Enlargement profitieren.

Warum sollte man Job Shadowing machen?

Job Shadowing hat vor allem ein Ziel: Interessierten einen ersten und vor allem möglichst realistischen Einblick von einem bestimmten Arbeitsplatz in einem bestimmten Arbeitsumfeld zu vermitteln. Mit diesen gewonnenen Eindrücken gewinnen einerseits Talente, andererseits auch langjährige Mitarbeitende wichtige Impulse für eine berufliche Entscheidung oder einen innerbetrieblichen Arbeitsplatzwechsel.

Im Gegenzug profitieren auch HR und Unternehmen gleich in mehrfacher Hinsicht vom Job Shadowing:

  • schnelleres Lösen von Problemen durch gegenseitiges Lernen

  • höhere Wertschätzung und besseres Verständnis für die Arbeit anderer Abteilungen oder Kolleg:innen

  • bessere Transparenz im Unternehmen – man weiß jetzt, was die anderen tun

  • neue Perspektiven auf altbekannte Probleme – im Gespräch ergeben sich andere Blickwinkel

  • Fördern eines abteilungsübergreifenden Denkens und Abbau von isoliertem Silohandeln

  • besseres Verständnis füreinander innerhalb der Belegschaft

  • gezielte Personalentwicklung wird einfacher, weil Mitarbeitende selbst die Initiative ergreifen, um neue Karrierewege innerhalb des Unternehmens kennenzulernen.

  • potenziell neue Fachkräfte erhalten Einblicke in das Unternehmen und können dann z. B. in einen Talent Pool o.ä. aufgenommen und gezielt angesprochen werden.

In Abschnitt 5 erhalten Sie einen Überblick über die Vorteile des Job Shadowing für Unternehmen und Teilnehmende.

Mit diesem 5-Punkte-Plan treiben Sie die Entwicklung Ihrer Mitarbeitenden voran.

Performance Management wirksam aufsetzen

Feedback Performance Übersicht

Performance-Zyklen definieren, Ziele setzen, wirkungsvoll Feedback geben und Leistung fair bewerten – all das steuern Sie zentral in Personio.

Für wen eignet sich Job Shadowing?

Job Shadowing richtet sich an Menschen, die sich über (neue) Berufsperspektiven informieren möchten. Dabei werden sowohl bereits angestellte Mitarbeitende angesprochen als auch Menschen, die sich beruflich zunächst orientieren möchten. Folgende Gruppen sollte HR beim Job Shadowing unbedingt im Auge behalten:

Studierende bzw. Berufsorientierende

Die Teilnahme an Job Shadowing-Programmen kann Studierenden etwa bei der Planung der Praxiselemente oder der fachlichen Vertiefung im Rahmen ihres Studiums helfen. Ein Schnuppertag in diversen Unternehmen ist gut investierte Zeit, wenn danach feststeht, in welche Richtung es weitergehen soll. Auch für Arbeitssuchende ist Job Shadowing eine gute Möglichkeit, neue Tätigkeitsfelder oder Berufe ohne Hemmschwelle kennenzulernen.

Interne Arbeitsplatzwechsler

Wenn Mitarbeitende innerhalb ihres Unternehmens gerne wechseln möchten, bietet ihnen Job Shadowing die Möglichkeit, vor einer internen Bewerbung den potenziellen neuen Arbeitsplatz ohne Verpflichtung und Druck kennenzulernen. Und das Risiko eines scheiternden Arbeitsplatzwechsels wird für das Unternehmen geringer.

Dies gilt besonders, wenn es für Mitarbeitende mehrere interne Karriereoptionen gibt. Hier kann Job Shadowing helfen, die Optionen besser zu sortieren und dabei zu prüfen, ob die eigenen Kompetenzen für die möglichen neuen Positionen ausreichend sind. Auch hiervon profitiert das Unternehmen, weil die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Mitarbeitenden sich für die am ehesten passende Stelle entscheiden.

Mitarbeitende, die ihre fachlichen Kompetenzen erweitern möchten

Natürlich ersetzen einige Tage Job Shadowing nicht eine nötige fachliche Fortbildung, sie helfen aber dabei, dass wichtiges Fachwissen intern weitergegeben und erkannt wird, an welcher Stelle mit Fort- und Weiterbildungen nachgesteuert werden muss. 

Potenzielle Führungskräfte

Mitarbeitende, die in absehbarer Zeit Führungsverantwortung übertragen bekommen, erhalten über Job Shadowing bei aktuellen Führungskräften Eindrücke, wie Führung im Unternehmen praktisch aussehen und gelebt werden soll.

So funktioniert Job Shadowing

Job Shadowing sollte von der HR-Abteilung als wirkungsvolles Instrument der Personalentwicklung und des Recruiting verstanden werden. Zukünftige Bewerber:innen erhalten während des Job Shadowings vorab bereits wichtige Eindrücke von ihrem potenziellen Arbeitgeber.

So können Sie einen Job-Shadowing-Tag in Ihrem Unternehmen beispielhaft gestalten.

  • Gegenseitiges Kennenlernen von Shadow und Mitarbeitendem

  • Kurze Einführung in den geplanten Tagesablauf

  • Führung durch die Abteilung oder falls möglich auch durch das Unternehmen

  • Das eigentliche Shadowing: Beobachtung typischer Arbeiten, Begleitung in Meetings, digitalen Terminen, Möglichkeit zu Fragen

  • Gemeinsames Lunchbreak im Team

  • Gespräch über aktuelle Aufgaben und Herausforderungen

  • Abschlussgespräch mit Feedbackmöglichkeit

Auch wenn es keine festen oder vorgegebenen Regeln für Job Shadowing gibt, muss die Kommunikation zwischen dem Job Shadowing anbietenden Unternehmen und den Interessierten von vorneherein klar und transparent sein.

4 Tipps für HR zur gezielten Vorbereitung des Job Shadowings

  1. Stellen Sie eine Checkliste für den „Shadow“ zusammen. Welche Infos und Materialien braucht er, um voll profitieren zu können?

  2. Suchen Sie mit ausreichendem Vorlauf passende Mentoren und klären Sie diese auf, wie das Job Shadowing ablaufen wird. Unterstützen Sie bei eventuell offenen Fragen.

  3. Legen Sie zusammen mit den Mentoren die Struktur des Tages zumindest in den Eckpunkten fest. Welche Arbeitsabläufe charakterisieren das Aufgabenfeld ganz besonders? In welchen Terminen werden die täglichen Herausforderungen besonders prägnant? Bauen Sie während des Ablaufs immer die Möglichkeit zu Fragefenstern ein.

  4. Ermöglichen Sie dem Shadow ein Abschlussgespräch mit dem Mentor, aber zusätzlich auch mit HR, um offen gebliebene Fragen zu klären und um Feedback einzuholen.

Vorlage: Karrierepfade erstellen

Preview Vorlage Karrierepfad

Mit dieser Vorlage planen und erstellen Sie Karrierepfade für jedes Level und jede Position eines Teams und decken gleichzeitig nötige Aufgaben, Soft & Hard Skills, Wissen und weitere Kompetenzen ab.

Job Shadowing: Vorteile und Nachteile

Eine zunehmend digitalisierte und vernetzte Arbeitswelt schreit geradezu nach flexiblen Modellen, in denen sich Mitarbeitende nicht nur wiederfinden, sondern auch neu ausprobieren können. In denen sie bewusst ihr Abteilungssilo verlassen, um sich mit Kolleg:innen anderer Bereiche auszutauschen, ihr Wissen zu transferieren, neue Aufgaben und Herausforderungen im Berufsalltag kennenzulernen. Job Rotation heißt eines der Zauberworte, mit denen HR die Motivation, die Zufriedenheit und damit auch die Bindung von Mitarbeitenden an das eigene Unternehmen stärken kann.

Job Rotation – von wegen Bäumchen wechsle dich!

Zu den Möglichkeiten der Job Rotation gehört neben dem Swapping, bei dem Mitarbeitende Aufgaben und Arbeitsplatz tauschen, auch die Hospitation und das attraktive Job Shadowing. Dies sind die Vorteile von Job Shadowing auf einen Blick – für Unternehmen und Mitarbeitende bzw. Talente und Bewerber:innen.

Vorteile Job Shadowing Unternehmen

Nachteile Job Shadowing Unternehmen

Vorteile Job Shadowing Mitarbeitende/Talente

Nachteile Job Shadowing Mitarbeitende/Talente

Kontakte zu potenziellen neuen Kandidat:innen werden geknüpft

Schwierigkeiten, geeignete und freiwillige Mentoren zu finden

Bedeutsame Hilfe zur Entscheidung bei Karriereplanung in jungen Jahren; aber auch bei langjährigen Mitarbeitenden

Erhalten falsches Bild vom Unternehmen, wenn Job Shadowing keinen „echten“ Arbeitsalltag zeigt, sondern diesen als fake gestaltet

Nur geringer Aufwand in der Organisation von Job Shadowing

Mentoren vermitteln ein schiefes Bild vom Arbeitsplatz und/oder der Unternehmenskultur

Erste Einblicke in ein Unternehmen

Mentoren fühlen sich unwohl mit einer Situation, in der sie dauerhaft „beschattet“ werden und ihre Leistung wahrgenommen wird

Kostengünstiger Erstkontakt, es entstehen keine Zusatzkosten

 

Erste Berührung mit der Unternehmenskultur

 

Mitarbeitende entdecken im Sinn des Unternehmens neue Karrieremöglichkeiten

 

Internes Verständnis zwischen Abteilungen wird geweckt Silodenken wird aufgebrochen

 

Mitarbeitende können unter verschiedenen Aspekten kostengünstig und risikoarm entwickelt werden auch in Richtung Führungskräfte

 

Mitarbeitende erhalten neue fachliche und menschliche Impulse Fachwissen bleibt im Unternehmen

 

Betriebsblindheit wird entgegengesteuert

 

Höhere Wertschätzung für Kolleg:innen und ihren Alltag bessere Vernetzung

 

Etablierung einer positiven und konstruktiven Feedbackkultur

 

 

 

Wenn sich das Aufgabenspektrum eines Mitarbeitenden qualitativ erweitert – das ist Job Enrichment in der Praxis

Beispiele für Job Shadowing

Viele Universitäten und Fachhochschulen richten für ihre Studierenden eigens Job Shadowing-Programme ein, um damit eine engere Verbindung zwischen Theorie und Praxis zu ermöglichen. Die Basis dieser Programme sind Kooperationen mit Unternehmen, die sich vertraglich für eine bestimmte Zeit an die Hochschule binden. Einige Beispiele sind die Leuphana Universität in Lüneburg, die Christian-Albrecht-Universität in Kiel oder die Universitäten in Bielefeld und Konstanz.

Aber auch zahlreiche Unternehmen haben die Vorteile von Job Shadowing erkannt und eigene Programme ins Leben gerufen. So bietet zum Beispiel die Allianz-Gruppe unter dem Hashtag #widenyourhorizons ihren Mitarbeitenden diverse Möglichkeiten, den beruflichen Horizont innerhalb des Unternehmens zu erweitern. Eine davon ist das Job Shadowing, das auf einem Tauschprogramm basiert: Jeder, der über das Allianz-Job-Portal einen Partner für das „Beschatten“ findet, kann mitmachen. Einzige Voraussetzung: Die Führungskräfte müssen zustimmen.

Auch das Erasmus+-Programm bietet (neben zahlreichen anderen Optionen) auch Job Shadowing und Hospitationen für junge Menschen nach der Schule an.

Job Sharing – wenn sich mehrere Mitarbeitende eine Stelle teilen

FAQs Job Shadowing

Was ist Job Shadowing?

Beim Job Shadowing „beschatten“ Studierende aber auch bereits angestellte Mitarbeitende einen Tag oder einige Tage lang eine berufstätige Person bei der Arbeit und erleben dadurch deren Arbeitsalltag.

Wie funktioniert Job Shadowing?

Beim Job Shadowing erhalten die Teilnehmenden die Gelegenheit, eine berufstätige Person für eine kurze Zeitspanne bei ihrer Arbeit zu begleiten und dabei ganz unmittelbare Einblicke in ihr Tätigkeitsfeld zu gewinnen. Die Shadows halten sich dabei ganz im Hintergrund und arbeiten nicht mit. Sie können aber Fragen stellen.

Was sind die Ziele von Job Shadowing?

Beim Job Shadowing sollen die Teilnehmenden ohne großen Zeitaufwand erste und vor allem realistische Einblicke in den Arbeitsalltag eines anderen Menschen in einem Unternehmen erhalten, Kontakte knüpfen und weitere Ideen für die eigene berufliche Zukunft entwickeln.

Effektives 360-Grad-Feedback steigert die Leistung Ihrer Mitarbeitenden.

Potenziale freisetzen, Leistung steigern

Performance_Fragen