Mitarbeitende 50+ werden bei Weiterbildungen vergessen

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Folge 155: Warum Unternehmen ältere Mitarbeitende bei der Weiterbildung nicht länger vergessen dürfen

Weiterbildung gilt als einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren für Unternehmen. Doch ausgerechnet die Mitarbeitenden, die über jahrelange Erfahrung verfügen, werden häufig vernachlässigt. Eine aktuelle Befragung zeigt: Beschäftigte über 50 nehmen deutlich seltener an Weiterbildungsmaßnahmen teil als jüngere Kolleginnen und Kollegen – obwohl Unternehmen angesichts des demografischen Wandels und der KI-Transformation stärker denn je auf ihr Wissen angewiesen sind.

In der aktuellen Podcastfolge sprechen wir darüber, warum dieses Ungleichgewicht problematisch ist, welche Risiken daraus entstehen und wie Unternehmen ihre Weiterbildungsstrategie zukunftsfähig gestalten können.

Weiterbildung endet nicht mit 50

Wenn es um Personalentwicklung geht, denken viele Unternehmen noch immer zuerst an Nachwuchskräfte oder High Potentials. Weiterbildung wird häufig dort investiert, wo eine möglichst lange Betriebszugehörigkeit erwartet wird. Genau diese Denkweise führt jedoch zu einer gefährlichen Schieflage.

Eine aktuelle Randstad-ifo-Befragung zeigt, dass ältere Beschäftigte deutlich seltener an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen als jüngere Kolleginnen und Kollegen. Dabei ist bereits heute mehr als jede dritte beschäftigte Person über 50 Jahre alt. Gleichzeitig gehen in den kommenden Jahren zahlreiche Babyboomer in den Ruhestand. Unternehmen können es sich deshalb kaum leisten, einen so großen Teil ihrer Belegschaft bei der Kompetenzentwicklung außen vor zu lassen.

Fachkräftemangel und KI verändern die Spielregeln

Die Arbeitswelt befindet sich aktuell in einer doppelten Transformation: Während der Fachkräftemangel viele Unternehmen bereits heute vor enorme Herausforderungen stellt, verändert Künstliche Intelligenz nahezu alle Berufsbilder in rasantem Tempo.

Damit wird Weiterbildung zu einer strategischen Aufgabe. Es reicht längst nicht mehr aus, Mitarbeitende einmal im Jahr auf ein Seminar zu schicken. Lernen muss kontinuierlich stattfinden und Teil des Arbeitsalltags werden. Das gilt unabhängig vom Alter. Denn neue Technologien unterscheiden nicht zwischen Berufseinsteigenden und erfahrenen Fachkräften – sie verändern die Anforderungen an alle Beschäftigten gleichermaßen.

Erfahrung wird durch KI nicht ersetzt – sondern wertvoller

Oft entsteht der Eindruck, dass mit KI vor allem technisches Wissen wichtiger wird. Tatsächlich wächst aber auch der Wert von Erfahrung.

Erfahrene Mitarbeitende bringen Fähigkeiten mit, die keine KI ersetzen kann. Dazu gehören unter anderem:

  • tiefes Fachwissen und Branchenkenntnis,

  • Prozessverständnis und Urteilsvermögen,

  • langjährige Praxiserfahrung sowie

  • die Fähigkeit, Ergebnisse kritisch einzuordnen.

Gerade weil KI Fehler machen oder Informationen falsch bewerten kann, braucht es Menschen, die Ergebnisse hinterfragen und in den richtigen Kontext setzen können. Die Zukunft gehört deshalb nicht „KI oder Erfahrung“, sondern der Verbindung aus beidem.

Personalentwicklung muss neu gedacht werden

Viele Unternehmen verteilen Weiterbildungsbudgets noch immer unbewusst nach dem Alter der Beschäftigten. Sinnvoller wäre es jedoch, den zukünftigen Kompetenzbedarf in den Mittelpunkt zu stellen.

HR sollte regelmäßig analysieren,

  • welche Altersgruppen an Weiterbildungen teilnehmen,

  • ob bestimmte Beschäftigtengruppen systematisch benachteiligt werden,

  • welche Kompetenzen künftig benötigt werden und

  • wie Lernen stärker in den Arbeitsalltag integriert werden kann.

So lassen sich bestehende Ungleichgewichte sichtbar machen und gezielt abbauen.

Führungskräfte machen den Unterschied

Ob Weiterbildung tatsächlich gelebt wird, entscheidet sich häufig im direkten Austausch zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden. Entwicklungsgespräche sollten deshalb unabhängig vom Alter stattfinden und sich nicht nur auf Karriereperspektiven konzentrieren, sondern vor allem auf zukünftige Kompetenzbedarfe.

Ebenso wichtig ist eine Unternehmenskultur, in der lebenslanges Lernen selbstverständlich ist. Wer mit Mitte fünfzig davon ausgeht, dass sich Weiterbildung nicht mehr lohnt, wird in einer Arbeitswelt, die sich permanent verändert, schnell den Anschluss verlieren. Gleichzeitig müssen Unternehmen deutlich machen, warum kontinuierliches Lernen nicht nur dem Unternehmen, sondern auch jeder einzelnen Person zugutekommt.

Weiterbildung ist eine gemeinsame Verantwortung

Erfolgreiche Weiterbildung gelingt nur dann, wenn beide Seiten Verantwortung übernehmen. Unternehmen müssen die passenden Rahmenbedingungen schaffen – durch Zeit, Budget und moderne Lernangebote. Gleichzeitig sollten auch Mitarbeitende bereit sein, ihre Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln und Veränderungen aktiv mitzugehen.

Gerade im Zeitalter von KI wird diese Bereitschaft zu einer der wichtigsten Zukunftskompetenzen überhaupt.

Fazit: Lebenslanges Lernen kennt keine Altersgrenze

Die Podcastfolge macht deutlich, dass Weiterbildung kein Privileg für junge Talente sein darf. Unternehmen, die heute ausschließlich in Nachwuchskräfte investieren, verschenken wertvolles Potenzial und gefährden langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Die wichtigsten Learnings im Überblick:

  • Weiterbildung sollte sich am Kompetenzbedarf orientieren – nicht am Alter.

  • Künstliche Intelligenz macht lebenslanges Lernen wichtiger denn je.

  • Erfahrungswissen und neue Technologien ergänzen sich ideal.

  • Führungskräfte spielen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung ihrer Teams.

  • HR sollte Weiterbildungsangebote regelmäßig auf mögliche Ungleichgewichte überprüfen.

  • Fachkräftesicherung beginnt mit der Entwicklung der eigenen Mitarbeitenden.

  • Unternehmen und Mitarbeitende tragen gemeinsam Verantwortung für kontinuierliches Lernen.

Wer Weiterbildung als strategisches Instrument versteht, stärkt nicht nur die Beschäftigungsfähigkeit seiner Mitarbeitenden, sondern schafft gleichzeitig die Grundlage für langfristigen Unternehmenserfolg.

Quellen:


“Das HR-Briefing" ist der wöchentliche HR-Podcast für Personaler:innen und Führungskräfte – powered by Personio.

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