Vaterschaftsurlaub 2026: alle Infos, Rechte und Tipps

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Mutterschaft im Berufsleben wird in Deutschland durch das Mutterschutzgesetz abgedeckt.  Doch wie sieht es eigentlich mit werdenden Vätern bzw. gleichgestellten zweiten Elternteilen aus? In Deutschland gibt es kein Vaterschaftsurlaub-Gesetz, wie es die Vereinbarkeitsrichtlinie (EU) 2019/1158 vorsieht. Dennoch gibt es häufig Sonderurlaub bei Geburt für Väter sowie staatlich geförderten Elternurlaub. In diesem Leitfaden erfahren Sie, wie Sonderurlaub zur Geburt und Elternzeit für Väter in Deutschland derzeit geregelt sind, was man unter Vaterschaftsurlaub und Elternzeit versteht, was Väter für Ansprüche haben und welche Rechte und Pflichten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber in Bezug auf Erziehungsurlaub für Väter bestehen.

Key Facts

  • In Deutschland gibt es zwar keinen vom Arbeitgeber bezahlten Vaterschaftsurlaub. Stattdessen gibt es für Männer bzw. gleichgestellte zweite Elternteile Elternzeit und staatlich gefördertes Elterngeld. 

  • Den Anspruch auf Elternzeit genießen Väter bzw. gleichgestellte zweite Elternteile, die nach deutschem Recht in einem Arbeitsverhältnis stehen.

  • Aus diesem Grund ist Deutschland nicht verpflichtet, EU-Richtlinie 2019/1158, in der unter anderem 10 Tage Vaterschaftsurlaub vorgesehen war, in deutsches Recht umzusetzen.

Im Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit (BEEG) ist geregelt, dass sich Väter von der Beschäftigung freistellen lassen können, um Kinder zu erziehen. Anstelle des Gehalts tritt wird dabei auf Antrag das sogenannte Elterngeld gezahlt.

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Vaterschaftsurlaub und Elternzeit: Definition

Der Vaterschaftsurlaub ist in Deutschland nicht gesetzlich verankert. Stattdessen handelt es sich beim gewährten Erziehungsurlaub für Väter um unbezahlten Urlaub des Vaters bzw. des gleichgestellten zweiten Elternteils eines Kindes im Rahmen der Elternzeit

Die Elternzeit ist eine im Gesetz zum Elterngeld und zur Elternzeit (Bundeselterngeld- und ElternzeitgesetzBEEG) gesetzlich geregelte, unbezahlte, aber vom Staat geförderte Freistellung von der Beschäftigung, um sich der Erziehung des Kindes zu widmen. Anstelle des Gehalts wird dabei auf Antrag das sogenannte Elterngeld ausgezahlt.

Lesetipp: Was genau ist unbezahlter Urlaub?

Elternzeit für Väter: Wie lange kann ein Vater Elternzeit nehmen?

Die 10 Tage Vaterschaftsurlaub, die bei der Umsetzung von EU-Richtlinie 2019/1158 in einigen anderen europäischen Ländern eingeführt wurde, gelten in Deutschland nicht. Väter können jedoch Elternzeit beantragen, die bis zu 36 Monate umfasst und flexibel aufgeteilt werden kann. Ergänzend ist freiwilliger Sonderurlaub bei Geburt für Väter durch den Arbeitgeber möglich.

Vaterschaftsurlaub und Elterngeld: Anspruch und Voraussetzungen

Schon im Jahr 2019 wurde die sogenannte EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (2019/1158/EU) verabschiedet. Da Deutschland die Richtlinie bis 2022 nicht umgesetzt hatte, leitete die EU ein Vertragsverletzungsverfahren ein. Dieses wurde jedoch schon im Juni 2023 vorgerichtlich abgeschlossen, da die Bundesrepublik nicht zur Einführung eines sogenannten Vaterschaftsurlaubs verpflichtet ist.

Denn die Ausnahmeklauseln der Richtlinie befreien die Mitgliedstaaten unter bestimmten Voraussetzungen von der Verpflichtung, einen sogenannten „Vaterschaftsurlaub“ vorzusehen. Deutschland erfüllt diese Voraussetzungen, da es schon umfassende Regelungen zur Elternzeit (Freistellung) und Elterngeld (Vergütung) gibt.

Wie ist der Anspruch auf Vaterschaftsurlaub geregelt? 

In Deutschland haben Väter im Rahmen der Elternzeit den Anspruch auf eine Freistellung bei der Geburt eines Kindes. Nehmen sie die Elternzeit für Väter in Anspruch, um das Kind zu betreuen, erhalten sie Elterngeld.

Die wichtigsten Fakten zum Elterngeld

Elterngeld und Elternzeit sind grundsätzlich unabhängig voneinander. Die Voraussetzungen für den Bezug von Elterngeld entsprechen denen der . Zusätzlich gilt:

  • Der Wohnsitz muss in Deutschland liegen. Für im Ausland lebende oder arbeitende Elternteile gelten Sonderregelungen, über die die Elterngeldstelle aufklärt.

  • Auch Selbstständige haben Anspruch auf Elterngeld.

  • Für Pflegekinder kann kein Elterngeld bezogen werden. Stellvertretend existieren in diesem Fall Unterstützungsmaßnahmen durch das zuständige Jugendamt.

Beim Elterngeld besteht zudem Wahlfreiheit zwischen drei verschiedenen Varianten: dem Basiselterngeld, dem ElterngeldPlus und dem Partnerschaftsbonus. Auch eine Kombination ist möglich.

Der monatlich ausgezahlte Betrag hängt dabei vom Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate ab und entspricht regelmäßig etwa 65 bis 67 Prozent desselben. Seit dem 1. April 2025 gilt für den Bezug von Elterngeld eine Einkommensgrenze (zu versteuerndes Einkommen) von 175.000 Euro.

Alle Details zur Berechnung des Elterngelds finden Sie in diesem Artikel.

Sonderurlaub bei der Geburt: Diesen Anspruch haben Väter

Die Geburt eines Kindes ist in der Regel ein berechtigter Grund für die Beantragung und Erteilung von bezahltem Sonderurlaub. Wichtig ist, dass Arbeitnehmer diesen „Vaterschaftsurlaub“ beantragen. Bevor sie diesen Sonderurlaub nehmen können, muss ein Urlaubsantrag vorausgehen – ohne Antrag dürfen Arbeitnehmer:innen der Arbeit nicht fernbleiben. 

Die Länge des Sonderurlaubs anlässlich der Geburt eines Kindes ist gesetzlich nicht festgelegt. Üblich sind ein bis drei Tage. Geltende Betriebsvereinbarungen, Tarif- und Arbeitsverträge können den Anspruch auf Sonderurlaub spezifizieren. 

Falls der Sonderurlaub vertraglich nicht festgelegt ist, darf der Arbeitgeber frei über die Länge des Sonderurlaubs entscheiden. Ob unverheiratete Männer Anspruch auf Sonderurlaub haben, ist strittig. Nur bei verheirateten oder gleichgestellten zweiten Elternteilen ist der Anspruch eindeutig.

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Vaterschaftsurlaub beantragen: So geht’s

Solange das geplante Gesetz zum Vaterschaftsurlaub nicht in Kraft getreten ist, kann „Vaterschaftsurlaub“ als Elternzeit beantragt werden. Dabei greifen folgende Rahmenbedingungen:

  • Form: handschriftlich unterschriebener Brief (nicht ausreichend für Vaterschaftsurlaub: Antrag per E-Mail, Fax oder Telefon) 

  • Frist: sieben Wochen vor dem gewünschten Antrittsdatum (außer bei Vorliegen dringender Gründe)

Wichtig: Sofern der Antrag sieben Wochen vor dem errechneten Geburtstermin eingeht, gilt die Frist auch im Falle einer Frühgeburt als gewahrt. Ist jedoch – unabhängig davon – eine (erneute) Elternzeit zwischen dem 3. und 8. Geburtstag angedacht, verlängert sich die Antragsfrist auf dreizehn Wochen. 

Vaterschaftsurlaub beantragen: Was muss im Antrag stehen?

  • Dauer und Stückelung der Elternzeit für Väter und berufstätige Mütter innerhalb der nächsten 24 Monate

  • (Angedachter) Beginn – wichtig: Bei einer Beantragung der Elternzeit ab Geburt des Kindes verschiebt sich die Dauer bei einem späteren Geburtstermin nach hinten. 

Die Entscheidung bezüglich Länge und festgelegter Daten ist bindend. Der Antrag darf normalerweise nicht vom Arbeitgeber abgelehnt werden und erfordert bei fristgerechtem sowie formal korrektem Eingang auch nicht dessen Zustimmung. Ausnahmen bestehen allerdings auch hier: 

  • Bei einer Änderung der bereits getroffenen bindenden Entscheidung, z. B. bei einer Verlängerung der Elternzeit, darf der Arbeitgeber nach einer gründlichen Interessenabwägung ablehnen. 

  • In absoluten Ausnahmefällen, wie beispielsweise aus dringenden betrieblichen Gründen, darf innerhalb einer Frist von acht Wochen der Antrag auf einen dritten Elternzeitabschnitt vom Arbeitgeber abgelehnt werden. Das gilt jedoch nur, wenn das Kind während der geplanten Elternzeit bereits drei Jahre alt ist.

Gut zu wissen: Verlangen Arbeitnehmende zu Beginn der Elternzeit ein Zwischenzeugnis, ist diese Bewertung für das finale Arbeitszeugnis nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses bindend. Vor allem eine deutlich schlechtere Beurteilung wäre anfechtbar.

Welche Rechte haben Arbeitnehmende und Arbeitgeber während des Vaterschaftsurlaubs? 

Schon vor Beginn des Vaterschaftsurlaubs in Form von Elternzeit ändern sich für Arbeitgeber und Arbeitnehmende die rechtlichen Rahmenbedingungen.

1. Kündigungsschutz und Kündigung durch Arbeitnehmende

Mit dem Antrag auf Elternzeit beginnt nach § 18 BEEG auch ein Kündigungsschutz. Dieser Schutz beginnt frühestens 8 beziehungsweise 14 Wochen vor Beginn der Elternzeit. Kündigungen sind dann nur noch in Ausnahmefällen möglich. Über die Zulässigkeit entscheidet die für den Arbeitsschutz zuständige oberste Landesbehörde oder eine von ihr autorisierte Stelle. 

Der Kündigungsschutz erstreckt sich nicht über den Zeitraum zwischen zwei Elternzeiten. Eine Kündigung des Arbeitsverhältnisses durch Arbeitnehmende zum Ende der Elternzeit ist nur mit einer Kündigungsfrist von drei Monaten rechtmäßig (§ 19 BEEG).

2. Anspruch auf Teilzeitarbeit

Arbeiten im Unternehmen mehr als 15 Beschäftigte, besteht für Arbeitnehmende in Elternzeit, die bereits mindestens sechs Monate angestellt waren, Anspruch auf Teilzeitarbeit. Nach Ende der Elternzeit kann der Arbeitgeber eine Weiterbeschäftigung in Teilzeit ablehnen.

3. Urlaubsanspruch und Resturlaub

Der Arbeitgeber darf den Urlaubsanspruch der betreffenden Arbeitnehmenden pro vollem Kalendermonat Elternzeit um je ein Zwölftel kürzen. Die Freistellung mindert demnach nicht nur den Lohn, sondern auch den regulären Urlaubsanspruch. Diese Regelung gilt selbstverständlich nur bei Arbeitnehmenden, die nicht weiterhin in Teilzeit arbeiten!

In § 17 BEEG wird zudem bestimmt, dass Arbeitnehmenden in Elternzeit (ohne Teilzeitmodell) die noch verfügbaren Resturlaubstage im laufenden oder nächsten Urlaubsjahr gewährt werden müssen. Bei Kündigung durch die Arbeitnehmerin oder den Arbeitnehmer muss e Abgeltung erfolgen.

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4. Wiederbeschäftigungspflicht

Der Arbeitgeber hat die Pflicht, Arbeitnehmende nach Ablauf der genommenen Freistellung wieder zu beschäftigen. Dieser Anspruch muss sich allerdings nicht auf dieselbe Stelle beschränken. Falls nicht anders geregelt – z. B. im Arbeitsvertrag oder Gewerkschaftsvertrag – dürfen Mitarbeitende auch auf gleichwertigen Arbeitsstellen eingesetzt werden, sofern dies mit den Vorkenntnissen vereinbar ist. Insbesondere auf Versetzungsklauseln ist zu achten.

Gemeinsame Veränderung 

Beim zukünftigen Vaterschaftsurlaub bzw. bei der Elternzeit ist nicht nur die Auszeit, sondern auch der Wiedereinstieg gewissenhaft zu planen. Denn: Mitunter kehren betroffene Angestellte mit veränderten Ansprüchen zurück, um künftig mehr Zeit mit der Familie zu verbringen und das Kind zu betreuen.

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FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Vaterschaftsurlaub

Wie muss der Antrag auf Elternurlaub von Mitarbeitenden gestellt werden?

Formulare zur Beantragung des Elterngelds finden sich z. B. bei der Elterngeldstelle, aber auch online. Viele Bundesländer bieten ein komplett digitales Beantragungsverfahren an. Benötigt werden unter anderem der Tag der Entbindung und eine Entscheidung bezüglich der Elterngeldvariante sowie Angaben zu einem eventuell bestehenden Anspruch auf Bonusmonate. Eine rückwirkende Auszahlung des Elterngelds ist für lediglich drei Monate möglich.

Wie viel Elterngeld steht Mitarbeitenden zu?

Der monatlich ausgezahlte Betrag hängt vom Nettoeinkommen der letzten zwölf Monate ab und entspricht regelmäßig etwa 65 bis 67 Prozent des Einkommens.

Wie viele Tage hat ein Vaterschaftsurlaub?

Der in der EU-Richtlinie angestrebte Vaterschaftsurlaub umfasst 10 Tage und beginnt gleich nach der Geburt. In Deutschland können Väter Sonderurlaub für die Geburt eines Kindes oder Elternzeit beantragen.

Wann kommt der 2-Wochen-Vaterschaftsurlaub?

Deutschland ist von der Umsetzung der EU-Richtlinie befreit, da es bereits umfassende Regelungen zur Elternzeit (Freistellung) und Elterngeld (Vergütung) etabliert hat.

Was ist der Unterschied zwischen Vaterschaftsurlaub und Elternzeit?

Vaterschaftsurlaub bzw. Sonderurlaub zur Geburt soll es Vätern oder gleichgestellten zweiten Elternteilen ermöglichen, sich direkt nach der Geburt um das Neugeborene zu kümmern, ohne dafür Erholungsurlaub nehmen zu müssen. Der Vaterschaftsurlaub ist auf wenige Tage bezahlten Sonderurlaub beschränkt. Bei der Elternzeit handelt es sich dagegen um eine maximal drei Jahre dauernde unbezahlte Freistellung von der Arbeit.

Wann tritt 2 Wochen Vaterschaftsurlaub in Kraft?

Die Regelungen zur Elternzeit (Freistellung) und Elterngeld (Vergütung) sind bereits im Rahmen des Gesetzes zum Elterngeld und zur Elternzeit (Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz – BEEG) geregelt. Die EU-Richtlinie zur Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (Richtlinie 2019/1158/EU) muss Deutschland deshalb nicht umsetzen.

Wie viele Tage hat man Vaterschaftsurlaub?

Wie viele Tage an freiwillig gewährtem Sonderurlaub ein Vater zur Geburt seines Kindes bekommt, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, etwa von Betriebsvereinbarungen, Arbeits- und Tarifverträgen. Die Elternzeit dauert bis zu 36 Monate und kann von Vater und Mutter flexibel aufgeteilt werden.

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