HR News im November: Aktuelles aus der Welt der Human Resources

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Arbeitsrechtliche Urteile, wichtige HR-Trends und handverlesene Studien: In unseren HR News stellen wir Ihnen jeden Monat einen Überblick über die wichtigsten Themen und Inhalte aus dem Personalbereich zusammen. So sparen Sie Zeit und bleiben trotzdem auf dem Laufenden.

Wenn Recruiting zum Spaziergang wird

Laptopkamera aus, Jacke an und raus an die frische Luft zum finalen Bewerbungsgespräch – so kreativ hat die HR des Orthopädie-Unternehmens Ottobock den Recruiting-Prozess in Corona-Zeiten neugestaltet. Nach erstem Telefonat und virtuellem Kennenlernen per Video treffen die ausgewählten Kandidat:innen ihre möglichen Führungskräfte nicht im Office, sondern einfach zu einem gemeinsamen Bewerbungs-Spaziergang an einem der drei Firmenstandorte.

Der so einfache wie schlaue Gedanke dahinter?

  • Den Auswahlkandidat:innen die Standorte und deren Vorteile näher bringen und
  • nebenbei grundlegende Werte der Unternehmenskultur vermitteln.

Die von HR initiierten „Walk and Talk-Runden“ sind kein Muss. Dennoch haben von 417 Neueinstellungen im Jahr 2020 immerhin 160 Kandidatinnen ihre neuen Chefs auf einem Spaziergang kennengelernt. Die Reaktion bei Führungskräften und Bewerber:innen? Durchweg positiv! Weil der menschliche Faktor nun wieder eine große Rolle spielt. Auf einem Spaziergang tauscht man sich einfach anders aus: Es geht nicht nur um die Inhalte der Stelle, sondern vor allem auch um die Chemie zwischen den Spazierenden und um die gemeinsamen Werte beider Seiten.

Auf einem Spaziergang tauscht man sich einfach anders, individueller, persönlicher aus.

– Charlotte Riess, Head of Talent Acquisition & Employer Branding, Ottobock

Die spannende Erkenntnis für HR: Offensichtlich lässt sich über das gemeinsame Outdoor-Erlebnis auch die Candidate Journey als solche optimieren – denn als Folge der neuen Recruiting-Walks gingen bei Ottobock die Eigenkündigungen in der Probezeit zurück und stieg das Ansehen des Unternehmens bei der Bewertungsplattform Kununu. Also: Kameras aus, Mantel an und die Bewerber:innen abholen!

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Mit Künstlicher Intelligenz Mitarbeitende binden

Die Beschäftigten in Deutschland stehen digitalen Technologien offen gegenüber – zumindest dann, wenn es um ihre persönliche Entwicklung und berufliche Zukunft geht. Das besagt eine Studie von Oracle und Workplace Intelligence mit mehr als 14.000 Mitarbeiter:innen, Personalleitern und Führungskräften in 13 Ländern.

75 Prozent der Befragten sind der Auffassung, dass Künstlichen Intelligenz (KI) ihre Karriere besser unterstützen kann als ein menschlicher Berater – weil die KI ihre Empfehlungen und Vorschläge frei von persönlichen Eindrücken arbeitet. Dennoch möchten die Befragten nicht gleich auf humane Unterstützung verzichten – eben weil diese die eigene Persönlichkeit berücksichtigt. Das Vertrauen in KI ist hoch – mehr als 60 Prozent würden ihr Leben wegen einer auf Künstlicher Intelligenz basierenden Empfehlung ändern.

Das hat weitreichende Folgen, auch für die Karriereplanung und die Mitarbeiterbindung.

  • 75 Prozent der Befragten haben sehr hohe Erwartungen an den eigenen Arbeitgeber: Der solle doch bitte in Zukunft viel stärker auf die individuellen Bedürfnisse seiner Mitarbeitenden eingehen.
  • 40 Prozent wollen sich bewusst enger an ein Unternehmen binden, das KI-Technologien zur Förderung der beruflichen Mitarbeiterentwicklung einsetzt.

Der klare Tipp für HR: Wenn Unternehmen bereit sind, mehr in Fort- und Weiterbildung und damit unmittelbar in die Entwicklung ihrer Beschäftigten zu investieren, senden sie diesen ein eindeutiges Signal aus: Wir helfen und unterstützen euch dabei, eure ganz persönlichen Chancen zu identifizieren. Diese Unternehmen profitieren „von einer produktiven, engagierten Belegschaft“, erläutert Dan Schawbel, Managing Partner bei Workplace Intelligence.

Karrierebremse Home Office?

Auch gut eineinhalb Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie fremdeln die Beschäftigten in Deutschland immer noch mit dem mobilen Arbeiten von Zuhause. Dies ist die Kernaussage einer aktuellen Glassdoor-Studie in der einige, durchaus überraschende Ergebnisse zutage treten.

  • 44 Prozent der Befragten zwischen 18 und 24 Jahren empfinden eine Rückkehr ins Büro als sehr positiv.
  • Bei den 45- bis 54-Jährigen fiebern lediglich 19 Prozent dem Office entgegen.
  • Fast 40 Prozent der jungen Mitarbeitenden befürchten, ein dauerhaftes Arbeiten von Zuhause könne Weiterbildung, Karrierechancen und Gehaltsentwicklung negativ beeinflussen.
  • Das Home Office als Karrierebremse erkennen 55 Prozent aller Befragten.
  • 45 Prozent sehen die eigene Karriere dagegen im Aufwind.

Warum die Menschen zurück ins Büro wollen? Der Kolleg:innen und damit der sozialen Kontakte wegen. 20 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer sehen das so. Wie wichtig die zwischenmenschlichen Kontakte sind, zeigt sich daran, dass das Gefühl der Bindung während der Corona-Pandemie deutlich gesunken ist. Das gilt für die Bindung an Vorgesetzte (26 Prozent) und Unternehmen (22 Prozent) gleichermaßen. Hier lauert ein aktuell unterschätztes Fluktuationsrisiko, dem HR entgegentreten muss.

Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter:innen stärker binden möchten, sollten sie dringend an zwei Herausforderungen arbeiten:

  • hybride Arbeitszeitmodellen einführen
  • und die technische Ausstattung auf den neuesten Stand bringen.

Jeder Vierte kehrt ins Büro zurück, weil seine Arbeitsausstattung dort besser ist und fast 30 Prozent der Befragten fürchten um ihre Work-Life-Balance bei einer vollständigen Rückkehr ins Büro. HR sollte nach Ansicht von Jill Cotton, Careers Trends Analyst bei Glassdoor, dafür sorgen, dass „jeder so arbeiten kann, wie es für sie oder ihn am besten passt – sei es Zuhause, wieder vor im Büro oder in einem hybriden Modell.“

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