Teilzeit-Krankschreibung: Mehr Flexibilität oder einfach nur neuer Druck?

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Folge 148: Teilzeit-Krankschreibung – Chance für die Rückkehr oder Risiko für die Gesundheit?
Zwischen kompletter Krankschreibung und voller Arbeitsfähigkeit gibt es in Deutschland bislang kaum Spielraum. Genau das könnte sich bald ändern: Die geplante Teilzeit-Krankschreibung soll Mitarbeitenden ermöglichen, nach längeren Erkrankungen schrittweise in den Arbeitsalltag zurückzukehren – noch bevor sie wieder vollständig belastbar sind. In Folge 148 des HR Briefings diskutieren wir, welche Chancen dieses Modell bietet, wo die Risiken liegen und welche Rolle HR dabei spielen muss. Außerdem stellen wir euch die neuen Personio HR Summer Sprints vor – eure kostenlose Trainingsreihe für einen compliance-sicheren Sommer.
Teilzeit-Krankschreibung: Ein Ende des „Alles oder nichts“?
Die Idee hinter der Teilzeit-Krankschreibung klingt zunächst überzeugend: Mitarbeitende, die sich auf dem Weg der Genesung befinden, könnten in reduziertem Umfang arbeiten – etwa mit weniger Stunden, angepassten Aufgaben oder flexibleren Arbeitszeiten. Ziel ist es, den Kontakt zum Arbeitsplatz zu erhalten und den Wiedereinstieg sanfter zu gestalten. Besonders bei längeren Erkrankungen oder psychischen Belastungen könnte das ein sinnvoller Zwischenschritt sein.
Dabei bleibt die Person offiziell krankgeschrieben. Die medizinische Einschätzung liegt bei Ärzt:innen, die organisatorische Umsetzbarkeit beim Arbeitgeber und die persönliche Belastbarkeit bei den Mitarbeitenden selbst. Das Modell wäre damit eine Art frühere Wiedereingliederung – noch vor den bekannten Maßnahmen des Betrieblichen Eingliederungsmanagements (BEM).
Die große Frage: Wie freiwillig ist freiwillig?
So viel Potenzial die Regelung auch mitbringt – sie wirft wichtige Fragen auf. Denn was passiert, wenn Teams unterbesetzt sind, Projekte laufen oder Führungskräfte Druck ausüben? Können Mitarbeitende dann wirklich frei entscheiden, ob sie teilweise arbeiten möchten?
Genau hier sehen viele Expert:innen die größte Herausforderung. Die Gefahr besteht, dass aus einer freiwilligen Option eine neue Form des Präsentismus wird: Mitarbeitende sind offiziell krank, fühlen sich aber verpflichtet, trotzdem Leistung zu erbringen. Der Unterschied zum klassischen „krank zur Arbeit kommen“ wäre dann lediglich, dass es gesetzlich geregelt ist.
Gesundheit darf kein Belastbarkeitstest werden
Ein weiterer kritischer Punkt: Die Verantwortung für die eigene Gesundheit könnte stärker auf Mitarbeitende verlagert werden. Wer entscheidet künftig, ob man „krank genug“ für eine vollständige Krankschreibung ist oder doch schon teilweise arbeiten kann?
Gerade bei psychischen Erkrankungen oder Erschöpfung ist diese Einschätzung oft schwierig. Ein guter Tag bedeutet nicht automatisch, dass eine vollständige Rückkehr möglich ist. Deshalb braucht es klare Grenzen und Schutzmechanismen. Gesundheit darf nicht zur Verhandlungssache zwischen schlechtem Gewissen, Teamdruck und Leistungserwartungen werden.
Welche Verantwortung hat HR?
Sollte die Teilzeit-Krankschreibung tatsächlich kommen, wird HR eine zentrale Rolle bei der Umsetzung spielen. Klare Leitplanken sind entscheidend, damit das Modell nicht zulasten der Mitarbeitenden wirkt:
Keine Einflussnahme oder Nachfragen durch Führungskräfte
Keine Bewertung im Performance-Kontext
Klare Regelungen zur Erreichbarkeit und Arbeitszeit
Transparente Kommunikation im Team
Führungskräfte, die psychologische Sicherheit aktiv fördern
Denn nur wenn ein „Nein“ tatsächlich ohne Nachteile möglich ist, bleibt die Entscheidung freiwillig.
Chance oder Risiko?
Unser Fazit: Die Teilzeit-Krankschreibung kann eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie bildet die Realität vieler Genesungsverläufe besser ab als das bisherige Schwarz-Weiß-System und kann Mitarbeitenden einen sanfteren Wiedereinstieg ermöglichen.
Gefährlich wird sie erst dann, wenn aus einem „Du darfst“ ein unausgesprochenes „Du solltest“ wird. Die klassische Krankschreibung darf deshalb nicht infrage gestellt werden. Wer arbeitsunfähig ist, bleibt arbeitsunfähig. Die Teilzeit-Krankschreibung sollte eine zusätzliche Option sein – kein neuer Standard.
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