Saisonarbeit in Deutschland: Rechte, Regeln & Tipps 2024

Alles Wichtige zur Saisonarbeit

Startet die Erntezeit oder die Urlaubssaison an der Küste oder in Skigebieten, werden auf einmal sehr viel mehr Arbeitskräfte benötigt als sonst im Jahr. Während dieser „busy season“ können Betriebe befristet Personal einstellen, das genau während dieser Zeit unterstützt. Was sie dabei beachten müssen, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

Was ist Saisonarbeit?

Was fällt unter Saisonarbeit? Hierbei handelt es sich um Tätigkeiten, die nur zu einer bestimmten Zeit im Jahr anstehen. Ein bekanntes Beispiel ist die Erntezeit. Während dieser Saison ist in den entsprechenden Betrieben besonders viel zu tun. Durch Saisonarbeit können sie diese Arbeitsspitzen abfangen. Denn die Arbeitsverträge der Saisonarbeiter:innen gelten nicht für das gesamte Jahr, sondern sind befristet und enden nach der Saison. Diese geringfügige Beschäftigung gehört zu den Mini-Jobs.

Die Aufgaben von Saisonarbeiter:innen sind meistens einfache, körperliche Arbeiten, mit denen man sofort loslegen kann. Aber auch fachliche Aufgaben sind in einigen Branchen möglich.

In welchen Branchen gibt es Saisonarbeit?

Generell ist Saisonarbeit in allen Branchen mit jahreszeitlichen Arbeitsspitzen möglich. In diesen Bereichen wird Saisonarbeit am häufigsten eingesetzt:

Landwirtschaft

Während der Erntezeit benötigen landwirtschaftliche Betriebe viele Hände, um ihre Ernte einzufahren. Typisch sind hierfür die Erdbeer- und Spargelernte, aber auch die Weinlese.

Gastronomie

Insbesondere in touristisch beliebten Regionen ist der Anlauf auf Restaurants, Cafés und Bars in der Hochsaison besonders groß und nimmt danach aber deutlich ab. Küchenhilfen oder Servicepersonal als Saisonarbeiter:innen unterstützen in dieser „heißen Phase“.

Tourismus

Auch in Hotels oder bei Autovermietungen gibt es in der Urlaubssaison mehr zu tun als in anderen Monaten. Daher setzt auch diese Branche gerne auf Saisonarbeit.

Einzelhandel

Das Geschenke-Shopping zur Weihnachtszeit führt dazu, dass dies die intensivste Zeit im Einzelhandel ist. Zusätzliche saisonale Arbeitskräfte an Kassen helfen dabei, die große Nachfrage zu bewältigen.

Logistik

Das Weihnachtsgeschäft macht sich in Zeiten von Online-Shopping auch bei Paketdiensten oder anderen Transportunternehmen bemerkbar. Zusätzliche Zusteller:innen und Packhilfen helfen als Saisonarbeiter:innen bei dem hohen Auftragsvolumen.

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Was ist bei Saisonarbeit zu beachten?

Sie sehen: Saisonarbeit ist für viele Branchen und Unternehmen ein praktisches Mittel, um erfolgreich durch die Saison zu kommen. Es gibt aber ein paar Dinge, die Betriebe dabei beachten sollten:

  • Befristung: Saisonarbeit muss immer befristet sein. Im Arbeitsvertrag muss festgehalten sein, wann das Arbeitsverhältnis endet.

  • Dauer & Kurzfristigkeit: Wie lange dürfen Saisonarbeiter:innen arbeiten? Saisonarbeit ist immer kurzfristig. Saisonale Arbeitskräfte dürfen daher bei einer 5-Tage-Woche nicht länger als drei Monate arbeiten. Wenn sie weniger als fünf Tage pro Woche arbeiten, dürfen sie insgesamt maximal 70 Tage im Jahr angestellt sein. Voraussetzung für die Kurzfristigkeit ist außerdem, dass sie der Tätigkeit nicht regelmäßig, sondern nur gelegentlich nachgehen.

  • Berufsmäßigkeit: Saisonarbeiter dürfen den Job nur dazu nutzen, um etwas dazuzuverdienen. Es darf aber nicht die Haupteinnahmequelle sein, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In diesem Fall spricht man von Berufsmäßigkeit.

  • Kündigung: Da der Arbeitsvertrag befristet ist, können weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer ihn ordentlich kündigen.

  • Personen aus dem EU-Ausland: Viele Unternehmen stellen Personen aus dem EU-Ausland als Saisonarbeiter:innen ein. Sie müssen dann prüfen, ob sie in ihrem Heimatland bereits angestellt oder selbstständig sind. Wenn nicht, gelten für sie deutschen Rechtsvorschriften. Haben sie aber bereits einen Job oder sind in einem ähnlichen Bereich selbstständig, dann unterliegen sie den Rechtsbestimmungen in ihrem Land. Sie brauchen dann außerdem die sog. A1-Bescheinigung.

Was ist die A1-Bescheinigung?

Sind Personen zeitweise im EU-Ausland, im Europäischen Wirtschaftsraum oder der Schweiz tätig, benötigen sie eine A1-Bescheinigung. Damit weisen sie nach, dass sie über ihr Heimatland sozialversichert ist. Dadurch werden keine doppelten Sozialversicherungsbeiträge fällig.

Wie viel dürfen Saisonarbeiter:innen verdienen?

Personen, die für eine Saison angestellt sind, erhalten in Deutschland den gesetzlichen Mindestlohn, der seit dem 1. Oktober 2022 auf 12 Euro die Stunde gestiegen ist.

Nach oben sind gehaltlich keine Grenzen gesetzt. Aber die wichtige Voraussetzung hierfür ist wie oben erwähnt, dass die Arbeiter:innen die Saisonarbeit nicht berufsmäßig ausüben. 

Ist Saisonarbeit sozialversicherungspflichtig?

Wer für eine Saison angestellt ist, zahlt generell keine Sozialversicherungsbeiträge. Die Voraussetzungen hierfür: Das Arbeitsverhältnis muss befristet und kurzfristig sein. Sind Personen länger als die drei Monate bzw. 70 Tage angestellt, greift die Sozialversicherungspflicht. Und auch wenn die Saisonarbeit berufsmäßig ist, fallen Beiträge für die Sozialversicherung an.

Was passiert bei mehreren kurzfristigen Jobs hintereinander?

Wenn Arbeitnehmer:innen mehrere kurzfristige Beschäftigungen nacheinander eingehen, müssen sie beachten, dass ihre Dauer zu einer Jahressumme zusammengerechnet wird. Das ist auch der Fall, wenn sie bei unterschiedlichen Unternehmen angestellt sind.

Was gilt hinsichtlich Steuern?

Wenn sie den Steuerfreibetrag überschreiten, müssen Arbeitnehmer:innen ihren Lohn auch bei einer kurzfristigen Tätigkeit wie der Saisonarbeit versteuern – entweder mit einer Pauschale von 25 Prozent oder einem individuellen Steuersatz. Wie viel sie verdienen, spielt dabei keine Rolle.

Die Pauschale kann in der Landwirtschaft ggf. auch nur fünf Prozent betragen – wenn ungelernte Saisonarbeitskräfte rein forst- oder landwirtschaftliche Aufgaben haben und nicht mehr als 12 Euro die Stunde verdienen.

Saisonarbeiter:innen aus dem Ausland müssen übrigens auch hier in Deutschland Steuern auf ihren Arbeitslohn zahlen.

Wie viel Urlaub können Saisonarbeiter:innen nehmen?

Haben Arbeitnehmer:innen bei einem kurzfristigen, befristeten Arbeitsverhältnis überhaupt einen Urlaubsanspruch? Die Antwort ist: ja! Saisonarbeiter:innen steht nach§ 5 BundesurlaubsgesetzTeilurlaub zu. Dieser richtet sich danach, wie lange sie angestellt sind. Das bedeutet, dass sie pro Monat, in dem das Arbeitsverhältnis besteht, einen Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs bekommen. So ergeben sich folgende Urlaubsansprüche: 

  • Zwei Tage Urlaub bei einem Monat Saisonarbeit

  • Drei Tage Urlaub bei zwei Monaten Saisonarbeit

  • Fünf Tage Urlaub bei drei Monaten Saisonarbeit

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Arbeitslosengeld während oder nach der Saisonarbeit?

Für Arbeitslose kann eine Saisonbeschäftigung ein guter Weg sein, um Geld zu verdienen. Grundsätzlich kann dies laut Bundesarbeitsagentur auch jeder Arbeitslose tun. Hier sollten sich Interessierte aber vorab von der Kontaktperson bei der Agentur für Arbeit bzw. im Jobcenter beraten lassen. Zu beachten ist, dass man bei Arbeitslosen davon ausgehen kann, dass der Saison-Job berufsmäßig ausgeübt wird. In diesem Fall greift die Sozialversicherungspflicht.

Aber wie sieht es nach der Saisonarbeit aus? Denn normalerweise entsteht ein Anspruch auf Arbeitslosengeld erst, wenn Beschäftigte innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens zwölf Monate beitragspflichtig angestellt waren. Das würde auf Saisonarbeiter:innen ja nicht zutreffen. Deswegen gibt es für sie eine Ausnahmeregelung:

Wenn sie mindestens sechs Monate beitragspflichtig angestellt waren oder sie eine andere Versicherungspflicht hatten (bspw. bei Kranken- oder Verletztengeld), können sie nach ihrem Saison-Job Arbeitslosengeld I beziehen, und zwar für sechs Monate.

Saisonarbeit in Österreich

Jetzt haben wir ein umfassendes Bild von der Saisonarbeit in Deutschland bekommen. Aber wie sieht es im Nachbarland Österreich aus? Denn dort sind Saisonbeschäftigungen insbesondere in Skigebieten beliebt.

  • Befristung: Wie auch in Deutschland, handelt es sich bei der Saisonarbeit in Österreich um befristete Arbeitsverhältnisse. 

  • Kündigung: Auch in Österreich ist eine einseitige Kündigung eigentlich nicht vorgesehen. Allerdings können Arbeitgeber oder -nehmende bis zum Ende der eigentlich vereinbarten Vertragszeit Schadensersatz beziehen, wenn die andere Partei doch kündigt. 

  • Sozialversicherung: Anders als in Deutschland besteht bei Saisonarbeiter:innen eine Sozialversicherungspflicht.

Vor- und Nachteil der Saisonarbeit?

Werfen wir abschließend einen Blick auf die Vor- und Nachteile, die Saisonarbeit für Unternehmen und Angestellte mit sich bringt:

Vorteile

Nachteile

Unternehmen können mit der Saisonarbeit das nötige Personal einstellen, um ein hohes Arbeitsaufkommen zu meistern, ohne dass sie in den ruhigeren Monaten weiterhin hohe Personalkosten haben.

Saisonstellen sind für Arbeitnehmer:innen oft nicht attraktiv, die Suche nach Personal könnte also länger dauern.

Die befristeten Stellen können für Beschäftigte auch ein Einstieg in unbefristete Positionen sein, wenn der Arbeitgeber zufrieden ist.

Es ist harte Arbeit, die auch körperlich sehr anstrengend sein kann.

Sie gibt jungen Menschen die Möglichkeit, erste Berufserfahrung zu sammeln.

In der „busy season“ sind für Arbeitnehmer:innen der Druck und Stress während der Arbeit auch besonders hoch.

Saisonarbeit kann auch ein Weg sein, Lücken im Lebenslauf zu vermeiden.

Arbeitnehmer:innen haben teilweise die Chance, dort zu arbeiten und zu wohnen, wo andere Urlaub machen.

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