Generation X: 10 Tipps zu Recruiting und Mitarbeiterbindung

Generation X

Alle reden von den Generationen Y und Z. Auf einem umkämpften Arbeitsmarkt sind sie momentan besonders stark umworben – weil ihnen die Zukunft gehört. Doch was ist mit der Generation X? Deren Vertreter befinden sich mitten im Arbeitsleben – und werden aufgrund von Fachkräftemangel und immer späterem Renteneintrittsalter noch lange eine wichtige Rolle auf dem Arbeitsmarkt spielen. Was die Generation X auszeichnet, worauf Sie beim Recruiting und bei der Mitarbeiterbindung achten sollten. Und wie Sie die Generation X glücklich machen.

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Generation X: Definition

Der Begriff „Generation X“ bezeichnet in der Soziologie die Gruppe jener Menschen, die zwischen 1965 und 1980 geboren wurden. Erstmals ausgeprägt wurde er von Douglas Copland, der ihn in seinem Romantitel „Generation X: Tales for an Accelerated Culture“ verwendete. Und zwar eigentlich als Variable für eine eben nicht klassifizierbare Generation gedacht.

In Deutschland gibt es einen eigenen Namen für die Xler: Hier heißen sie „Generation Golf“ – nach dem gleichnamigen Buch von Florian Ilies. Aber auch allgemeinsprachlichere Begriffe wie Turnschuh-Generation oder Null-Bock-Generation sind bekannt.

Wer gehört zur Generation X?

Zur Generation X gehören Menschen, die etwa zwischen 1965 und 1980 geboren wurden. Die Gen X kam in den Genuss des Wohlstands als Folge des Wirtschaftswunders, für sie war ein geteiltes Deutschland noch Alltag, die Ölkrise Realität. Mit mehr als 16 Millionen Menschen stellt sie in Deutschland aktuell die größte Bevölkerungsgruppe da – bei Frauen und Männern.

Merkmale der Generation X

Jeder Generation werden von der Soziologie allgemeingültige Hauptmerkmale zugeschrieben. Diese treffen natürlich nicht automatisch auf jede Vertreter:in zu. Die folgenden Kennzeichen zeichnen die Generation X aus.

  • Sie hat ein hohes Bildungsniveau, wenngleich die Anzahl hoher Bildungsabschlüsse in den auf die Generation X folgenden Generationen Y und Z noch einmal deutlich zugenommen hat.
  • Sie ist stark konsumorientiert.
  • Sie hat ein starkes Sicherheitsbedürfnis.
  • Sie ist technikaffin.
  • Sie fühlt sich teilweise perspektivlos und zeigt deshalb deutliche Anzeichen von Skepsis.
  • Sie ist tendenziell ehrgeizig.
  • Sie ist grundsätzlich individualistisch.

Auf den ersten Blick klingt das alles nicht unbedingt nach jenen Mitarbeitenden, die Sie unbedingt in Ihrem Unternehmen sehen möchten? Doch es gibt gute Erklärungen für diese, teilweise nicht allzu schmeichelhaften Eigenschaften. Denn jede Generation wird von ihrer eigenen Zeit, vor allem aber auch durch die Vorgängergenerationen geprägt. Daraus ergeben sich wichtige Merkmale, die es in der Arbeitswelt von heute und morgen braucht.

So erfuhr ein Großteil der Generation X zwar finanziellen Wohlstand, litt aber genauso unter dem Eindruck einer weltweiten Wirtschaftskrise. Auch das Aufbrechen der traditionell verankerten Strukturen in Familie (viele Scheidungskinder) und Beruf (Massenarbeitslosigkeit) prägte die Generation X. Diese instabilen Faktoren prägten viele Angehörige der Generation X – auch für das Verständnis des eigenen Arbeitslebens.

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Die Generation X in der Arbeitswelt

Ein Motto der Generation X findet sich in dem Satz „Wir leben, um zu arbeiten“, der die Babyboomer-Generation kennzeichnete. Bei der Generation X dreht er sich um. Denn die Xler arbeiten, um zu leben. Um sich im Leben etwas leisten zu können. Primäres Ziel der Generation X ist ein materiell abgesichertes Leben. Und dafür brauchte und braucht es vor allem einen sicheren Job, den es zu Zeiten stark steigender Arbeitslosigkeit in Deutschland zwischen 1980 und 2004 eben nicht garantiert gab, als viele Vertreter:innen der Gen X in den Arbeitsmarkt eintraten.

Das erklärt auch, warum bis heute nicht wenige Xler in Jobs arbeiten, die zwar zu Geld und Wohlstand führen – aber für die Mitarbeitenden nicht unbedingt auch sinnvoll oder gar erfüllend sein müssen.

Work-Life-Balance für die Generation X

Die Vertreter:innen der Generation X sind durchweg gut und oft sogar akademisch ausgebildet. Sie schielen zwar auf eine kontinuierliche Laufbahnentwicklung, dennoch steht bei ihnen nicht die Karriere, sondern eine möglichst austarierte Work-Life-Balance im Vordergrund. Anders als Vertreter:innen der Gen Y oder Gen Z legen die Xler großen Wert auf zudem eine möglichst stringente und strikte Trennung zwischen Arbeit und Privatleben. Diese Einstellung zur Arbeit unterscheidet sie auch grundlegend von der Babyboomer-Generation, bei denen die Arbeit und das berufliche Vorankommen an erster Stelle stehen.

Bei allem Streben nach Ausgeglichenheit zwischen Berufs- und Privatleben zeichnet Angehörige der Generation X auch ein ausgeprägter Fleiß aus. Sie wollen ihren Job zur vollen Zufriedenheit des Arbeitgebers ausfüllen. Denn die Furcht vor dem Abstieg und dem Jobverlust prägt diese Menschen dauerhaft. Sie akzeptieren daher auch belastende oder negative Umstände oft stillschweigend – ohne dem aktiv entgegenzuwirken. Die Gefahr eines Burnouts ist daher in der Generation X besonders ausgeprägt.

Recruiting der Generation X

Auf einem aktuell wie leergefegten Arbeitsmarkt insbesondere bei den Fachkräften muss HR nicht nur enorm kreativ sein, sondern bei Recruiting-Maßnahmen unbedingt auf die individuellen Ansprüche und Vorlieben der einzelnen Generationen eingehen.

Stimmen Sie also ihre Kampagnen punktgenau auf die jeweils anzusprechende Zielgruppe der Kandidat:innen ab. Denn ob Sie mit einer hippen Social Media-Aktion auf Instagram oder TikTok die Generation X erreichen, ist eher zu bezweifeln.

Berücksichtigen Sie als HR beim Generation X-Recruiting vor allem die Kernbedürfnisse der Xler. Betonen Sie in Ihren Stellenausschreibungen vor allem folgende Punkte:

  • Der ausgeschriebene Arbeitsplatz ist sicher – auch in der Zukunft. Die Stelle ist unbefristet.
  • In der zu besetzenden Position ist eine absolute Vereinbarkeit von Familie und Beruf gewährleistet. Hiermit sprechen Sie vor allem die weibliche Zielgruppe der Generation X an.
  • Nennen Sie das Gehalt – auch wenn das in Deutschland bisher eher verpönt ist. Sagen Sie, was Ihnen die Stellenbesetzung wert ist.
  • Wenn Sie Statussymbole wie Dienstwagen oder ähnliches im Angebot haben – stellen Sie diese Informationen klar heraus. Denn die Generation X legt ausgeprägten Wert auf derartige Incentivierungen.
  • Der Umgang mit Generation X darf ruhig eher förmlich in der Ansprache sein – ein respektvolles „Sie“ goutieren die Xler viel eher als ein plump-vertraulich wirkendes „Du“.
  • Betonen Sie die Bedeutung Ihrer eigenen Marke – denn die Gen X verfügt über ein stark ausgeprägtes Markenbewusstsein.
  • Heben Sie die Eigenverantwortlichkeit im Job hervor – weniger wichtig ist für die Generation X hingegen das Arbeiten im Team.

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Mitarbeiterbindung der Generation X

Die Generation X ist für HR und Arbeitgeber kein Buch mit sieben Siegeln. Maßnahmen, die beim Recruiting zum Erfolg führen, können Sie guten Gewissens auch im Rahmen der Mitarbeiterbindung einsetzen.

Ein Großteil der Generation X hat Kinder, deren Ausbildung oder Studium finanziert werden muss. Und zahlreiche Xler zahlen derzeit auch ihre erworbenen Immobilien ab. Beides kostet Geld. Und zwar dauerhaft. Nutzen Sie als HR diese Situation – und binden Sie die Xler möglichst langfristig an Ihr Unternehmen. Die haben ein starkes Interesse daran. Denn aufgrund ihrer finanziellen Verpflichtungen sind Xler vor allem an sicheren und gut bezahlten Stellen interessiert. Sie zeichnen sich im Gegensatz zu Gen Y und Gen Z gerade nicht durch eine übertriebene Wechselwilligkeit im Job aus.

Loyalität zum und vom Arbeitgeber ist für die Generation X ein zentraler emotionaler Wert. In dieser Gruppe akzeptieren viele zwar aus Angst vor sozialem Abstieg einen hohen Arbeitsdruck und sogar eine mangelnde Wertschätzung ihrer Chefs, geraten aber so auch in den gefährlichen Sog eines Burnouts. Von den Xlern geht allerdings eher selten die Initiative zum klärenden Gespräch aus. Seien Sie als HR also wachsam und geben Sie Ihren wertvollen Generation Xlern immer die Chance, sich mit ihren Führungskräften aber auch mit den Ansprechpartner:innen in der HR auszutauschen. Kommunizieren Sie dabei möglichst im direkten Gespräch, nicht über Videochats o.ä.

Auch wenn die Generation X nicht besonders wechselwillig ist – der momentane Arbeitnehmermarkt wirkt dieser Einstellung zunehmend entgegen. Auch die Generation X orientiert sich neu – an attraktiven und gut bezahlten Stellen. Denn eine hochqualifizierte Mitarbeitende mit Ende 40 sieht sich noch lange nicht am Ende der Karriereleiter. Die Chance für einen noch besser bezahlten und zukunftsfesten Job ist verlockend.

Was Sie als HR zur Mitarbeiterbindung der Generation X tun können

Entwickeln Sie gemeinsam mit den passenden Mitarbeitenden einen Karriereplan für das letzte Drittel oder Viertel des Arbeitslebens im Unternehmen. Zeigen Sie Joboptionen auf, bieten Sie attraktive Alternativen an.

31 Tipps für die passgenaue Motivation Ihrer Mitarbeitenden

Auch die Generation X hat verstanden, dass nur lebenslanges Lernen einen dauerhaften Job garantiert. Deshalb kann HR hier gezielt einwirken. Klären Sie, welche fachlichen aber auch persönlichen Weiterbildungen gewünscht sind und in Frage kommen.

Wie erwähnt, sind Generation Xler oftmals Einzelkämpfer mit klaren Vorstellungen. Lassen Sie dies so weit wie möglich zu und vermitteln Sie eine möglichst freie Ausgestaltung der eigenen Arbeit bei eindeutiger Zielvorgabe.

So machen Sie die Generation X glücklich: 10 Tipps für HR

Nicht jeder der folgenden Tipps erreicht die Generation X. Vergessen Sie nicht, dass Sie als HR zwar grundsätzlich Mitglieder einer soziologischen Gruppe ansprechen, es sich aber immer um starke Individuen handelt.

  • Zeigen Sie garantierte Hochachtung für die bisherige Lebensleistung.
  • Seien Sie förmlich, höflich und wertschätzend im persönlichen Umgang.
  • Kommunizieren Sie im Recruiting-Prozess über E-Mail, rufen Sie nur nach Einverständnis an und führen Sie möglichst persönliche Gespräche.
  • Sorgen Sie für eine extrem familienfreundliche Gestaltung der Arbeitszeit – hier ist zunehmend Flexibilität gefragt.
  • Gestatten und fördern Sie eigenverantwortliches und selbstständiges Arbeiten. Gestaltungsspielraum ist Gold für die Gen X.
  • Ermöglichen Sie Statussymbole wie z.B. Firmenwagen, Markenprodukte bei der technischen Büroausstattung.
  • Auch Xler haben das Home office als flexible Arbeitsform schätzen gelernt. Sorgen Sie also für eine sauber arbeitsrechtliche und technische Umsetzung.
  • Machen Sie möglichst eindeutige und gut erreichbare Zielvorgaben. Je klarer Sie die Erwartungen formulieren, desto besser werden die Ergebnisse sein.
  • Vermeiden Sie jegliche Form von Mikromanagement.
    Bringen Sie den Xlern ein hohes Maß an ehrlichem Vertrauen entgegen. Sie werden es Ihnen zurückzahlen.

Gen X gewinnen und halten

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