Kündigungswelle & Produktivitätsflaute: Die teuren Folgen der Pandemie

HR Studie Folgen der Pandemie

2020 stand bei Unternehmen primär eines auf der Agenda: Feuer löschen. HR brillierte in Rollen als Brandbekämpfer, Kurzarbeitsverwalter, Seelentröster. Dass personalstrategische Themen dabei oft auf der Strecke blieben, ist nicht verwunderlich – und doch könnte es sich nun rächen. Schon jetzt sehen sich Unternehmen einer höheren Fluktuation und einer sinkenden Produktivität in den Teams gegenüber. Was ist passiert?

In unserer HR Studie haben wir Personalentscheider:innen und Mitarbeiter:innen in sieben europäischen Ländern* nach ihren Einschätzungen und Erfahrungen im Pandemiejahr befragt. Das sind die wichtigsten Ergebnisse.

*Deutschland, Österreich, Schweiz, UK & Irland, Niederlande, Spanien

Die Studie für DACH können Sie hier herunterladen.

HR vs. Angestellte: So unterschiedlich ist die Wahrnehmung

Die Pandemie hat nicht nur Unternehmensabläufe auf den Kopf gestellt, sondern auch Teams in alle Winde verstreut. Zwischen einem Drittel und der Hälfte der Arbeitnehmer:innen in den befragten Ländern arbeitete 2020 von zuhause. Doch wie die Mitarbeitenden die Unterstützung durch den Arbeitgeber in den herausfordernden Home-Office-Zeiten empfanden, unterschied sich teils deutlich von der Einschätzung durch HR.

Wie gut haben Arbeitgeber bei folgenden Themen unterstützt?

ThemaEinschätzung HR*Einschätzung Mitarbeitende*
Mental / Physical WellbeingGut: 69%Gut: 47%
Onboarding Gut: 58%Gut: 40%
Unterstützung KinderbetreuungGut: 57%Gut: 33%

*Durchschnittswerte DACH, UK & Irland, Spanien, Niederlande

HR Manager:innen – eigentlich ganz nah dran an Mitarbeitenden – lagen mit ihrer Auffassung der Situation überraschend oft daneben. So rutschen wichtige Themen bei vielen Unternehmen einfach durch – mit ganz konkreten Folgen…

Die Pandemie als Fluktuations-Beschleuniger

Inzwischen sind immer mehr Mitarbeitende wechselbereit. Zwischen 38 Prozent (UK & Irland) und 46 Prozent (Niederlande) der befragten Arbeitnehmer:innen gaben an, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten offen für eine neue Stelle zu sein – spätestens, wenn sich die Wirtschaft erholt hat.

Teure Kündigungen während der Pandemie

45 Prozent der befragten HR-Entscheider sagen, dass in der Pandemie ihre Fluktuationsrate gestiegen ist. Unternehmen in UK und Irland haben zusätzliche Kündigungen bereits rund 2,9 Milliarden britische Pfund (entspricht knapp 3,3 Milliarden Euro) gekostet.

Kulturbedingte Kündigungsgründe fallen durchs Raster

Doch warum Mitarbeitende gerade jetzt kündigen, darüber sind sich HR-Entscheider:innen und Angestellte uneins. Viele HR Manager:innen in Europa haben Beurlaubungen, Kurzarbeit oder Gehaltskürzungen im Verdacht. Dabei unterschätzen sie kulturspezifische Einflussfaktoren wie mangelnde Anerkennung im Job: 23 Prozent der Angestellten sehen darin einen Kündigungsgrund – bei HR fällt dieser Grund mit 12 Prozent glatt durchs Raster.

Die Top 3 Kündigungsgründe – vermutet und real

Kündigungsgrund Einschätzung HR*Kündigungsgrund Einschätzung Mitarbeitende*
Verschlechterte Work-Life-Balance22%Weniger Karrierechancen31%
Kurzarbeit und Kündigungen21%Verschlechterte Work-Life-Balance24%
Gehaltseinfrierungen oder -kürzungen19%Wenig Anerkennung im Job23%

*Durchschnittswerte DACH, UK & Irland, Spanien, Niederlande

Auch die Förderung der Karriereentwicklung in ihren Unternehmen beurteilen HR-Entscheider:innen deutlich öfter als “gut” (68%) als die Mitarbeitenden (43%). In allen Ländern überschätzte HR außerdem, wie gut Kultur, Teamspirit und Motivation von Arbeitgebern gehandhabt wurden. 70 Prozent bewerteten den Umgang mit den Themen als “gut”. Angestellte halten mit 47 Prozent dagegen – und bringen den Wert damit schnell auf den Boden der Tatsachen.

Produktivität auf Talfahrt

Auch auf das Produktivitäts-Niveau in Unternehmen hatte die Pandemie europaweit Auswirkungen. Auffällig ist, dass HR Manager:innen dieses während der Corona-Pandemie in allen Ländern überbewertet haben.

Einschätzung der Produktivität während der Pandemie

 HR Manager:innen* Angestellte*
Produktiver55%39%
Unproduktiver30%29%
Keine Veränderung15%32%

*Durchschnittswerte DACH, UK & Irland, Spanien, Niederlande

29 Prozent der Angestellten sagen, dass ihre Produktivität in den letzten 12 Monaten abgenommen hat. Doch um solche strategische Themen anzugehen, fehlt vielen HR-Abteilungen die Zeit.

In UK und Irland überschätzten die Personaler:innen die Produktivität sogar um ganze 21 Prozent (HR: 52% vs. Mitarbeitende: 31%). Die Vermutung liegt nahe, dass HR in ihrer Brandbekämpfer-Rolle in den letzten Monaten schlicht die Zeit fehlte, sich intensiv mit den Bedürfnissen der Mitarbeitenden auseinanderzusetzen. Tatsächlich: 22 Prozent der HRler:innen beklagen, sie seien mit Verwaltung überlastet. 18 Prozent fehlen Zeit und Ressourcen für strategische HR-Arbeit.

Produktivitätskiller: Schlechte Kultur und Software-Chaos

Gesunkene Motivation (25%), schlechtes mentales und / oder körperliches Befinden (22%) und Burnout (21%) – diese Gründe sehen Angestellte als größtes Hindernis für produktives Arbeiten. Sie sind direkt auf eine angeschlagene Unternehmenskultur zurückzuführen. Zieht man in Betracht, dass 83 Prozent der Mitarbeitenden sich von einer guten Unternehmenskultur beflügelt sehen, liegt die Lösung für HR auf der Hand: Strategische HR-Arbeit muss wieder in den Fokus rücken.

Das Geheimnis einer erfolgreichen Kultur

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Ziele definieren, Werte verankern, Unternehmenskultur messen: In diesem Praxisleitfaden erklären Experten, wie es gelingt.

 

Ein weiteres Produktivitäts-Hindernis sehen Angestellte in einem Überangebot unterschiedlicher Tools und Lösungen im Unternehmen. 36 Prozent sagen, das ständige Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Lösungen würde ihren Arbeitsfluss unterbrechen.

Tatsächlich reichen selbst kleinste Unterbrechungen wie ein Tool-Wechsel oder eine Benachrichtigung, um die Produktivität zu schmälern. Jede “Mikro-Unterbrechung” kostet in Summe 20 Minuten und erzeugt einen Schneeballeffekt, der sich nicht zuletzt im Unternehmensumsatz widerspiegelt.

Mehr dazu erfahren Sie in diesem Artikel von unserer Director Brand and Comms, Laura Schröder.

Die richtigen Brände löschen: 3 Strategien für HR

Eine gedämpfte Motivation, das Gefühl, weder genug Wertschätzung zu erfahren noch beruflich voranzukommen: Gründe wie diese befeuern die Wechselwilligkeit von Arbeitnehmer:innen in der Post-Pandemie und könnten ein Loch in Unternehmenskassen reißen. Darüber hinaus wirkt sich die angeschlagene Unternehmenskultur negativ auf die Produktivität der Mitarbeitenden aus. Zu viele unterschiedliche Tools setzen dem ganzen die Krone auf und bremsen effizientes Arbeiten noch weiter aus.

Klingt apokalyptisch? Keine Sorge: An diesen drei zentralen Punkten können HR-Abteilungen ansetzen, um der steigenden Fluktuation und der absackenden Produktivität entgegenzuwirken:

  1. Setzen Sie einen klaren Fokus auf Mitarbeitende, Kultur und HR-Strategie.
  2. Verschaffen Sie sich Zeit, um sich um strategische Themen kümmern zu können, etwa, indem Sie Prozesse automatisieren.
  3. Gestalten Sie interne Prozesse so, dass Ablenkungen vermieden werden, z. B. mit einer Software-Landschaft, die reibungslos aufeinander abgestimmt ist.

Nach Monaten der Brandbekämpfung ist es Zeit, den Kurs wieder zu justieren und den Fokus auf Ihre wertvollste Ressource zu setzen: Ihre Mitarbeiter:innen.

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