HR nach Lehrbuch? Nein, danke! Kreativköpfe sind gefragt

Kreativköpfe im HR sind gefragt

Die HR-Welt dreht sich immer schneller und es ist wirklich spürbar, wie wir alle kollektiv in einer Art VUCA-Coaster sitzen. Eine Achterbahn, die uns alles abfordert: im Tempo, im ruckartigen Rechts und Links – und mancher Looping ist sicher auch dabei. Wer in einer solchen Welt als Personalverantwortliche*r arbeitet, muss flexibel sein, die Nerven behalten und bereit sein für Neues. Tja, und um völlig neue Herausforderungen zu tacklen, brauchen wir innovative bzw. kreative Ideen im HR. So einfach ist das.

Man sieht es immer wieder im Alltag

Ein schönes Beispiel ist die ganz aktuelle Zeit der Corona-Krise. Jaja, ich weiß, dem einen oder anderen kommt das Thema bereits aus den Ohren, aber ich will ja hierbei das Augenmerk auf etwas anderes richten.

Eine derartige Krise war so noch nie da. Ein Lockdown in dieser Form war noch nicht da. Und HR? Wer hat HR gesagt und gezeigt, wie man damit umgeht? Gab es da ein passendes Lehrbuch? Nein! Stattdessen haben unsere Personalerinnen und Personaler in Deutschland gezeigt, was in ihnen steckt, und waren kreativ.

Sie sind über sich hinaus gewachsen, denn sie haben ja nicht nur den KUG-Papiertiger gezähmt, sie haben ihre Stärken als HR Business Partner UND Heger und Pfleger von Mitarbeiter*innen bewiesen, waren 24/7 am Telefon und haben jeden Tag neue Lösungen kreiert.

Was „Kreativität“ im HR ausmacht

Nun, machen wir es nicht akademischer, als es am Ende ist. SpringerGabler sagt: „Kreativität bezeichnet i.d.R. die Fähigkeit eines Individuums oder einer Gruppe, in phantasievoller und gestaltender Weise zu denken und zu handeln.“ Bon.

Wenn wir also ein typisches HR-Problem haben, z. B. dass Akademiker nicht auf das platte Land ziehen wollen, wo sich dummerweise das schöne Unternehmen befindet, und wir dann Ideen entwickeln, wie wir doch die Vakanzen besetzen und das Unternehmen retten, dann ist das hoch kreativ. Und hier liegt der Hase im Pfeffer.

Beschäftigen wir uns mit der HR-Literatur, werden regelmäßig die gleichen HR-Lösungen für jede Art von Unternehmen angeboten. Die Welt ist jedoch eine andere – mindestens für HR. Unternehmen bis 50 Leuten, funktionieren anders und haben andere HR-Bedarfe als ein Unternehmen mit 250 oder 2500 Mitarbeiter*innen. Ein Bauunternehmen tickt anders als ein eCommerce Unternehmen. Ein Traditions-Unternehmen hat andere Stärken und Schwächen als ein Start-up.

Was ich sagen will: HR muss sich bereits für jedes Unternehmen ein kleines Bisschen neu erfinden. Dazu kommt, dass sich Unternehmen in ständiger Metamorphose befinden, und HR steckt mitten drin. HR Manager*innen sind seit Jahrzehnten keine Verwalter mehr – sie sind echte Gestalter.

Buchtipp: HR True Story

HR True Story bei Personio

Zusammen mit Eva Stock hat Jannis im März 2020 sein Buch „HR TRUE STORY“ herausgebracht. Sie erzählen wahre (Tabu-)Geschichten aus der Praxis und zeigen, wie man Herausforderungen mit links meistert.

Meine persönlichen Tipps für mehr Kreativität

Es stimmt. Nicht jede*r Kollege*in hat es leicht mit den ständigen Veränderungen und den damit verbundenen, hohen Erwartungen an Change. Der erste Schritt ist, sich selbst richtig aufzustellen. Basis ist: Wir müssen zunächst unser Handwerk beherrschen und uns im HR-Bereich gut auskennen. Nur wer weiß, was aktuell ist, kann den Status quo auch gewinnbringend verändern.

Wir brauchen Leidenschaft und echtes Interesse. Wir müssen auf die extra Meile Lust haben. Hinzu kommt: Wer nicht den Mut hat zu scheitern, der traut sich auch nicht, neue Wege zu gehen, d. h. wir müssen mutig sein. Wir müssen unsere Phantasie und unseren Erfindergeist wecken und wach halten. Wie man das macht? Also ich mache das mal so und mal so … z. B.:

Ich bin Bücherwurm und Fragensteller

Der Weg zu mehr Kreativität gleicht manchmal einer Recherche wie zu Studi-Zeiten: Ich lese Bücher, Blogs, Magazine sowie Zeitungen, gucke mir Inhalte und Methoden ab, verwerfe alles wieder und kreiere es neu.

Ich stelle mir immer wieder die Frage: Wenn ich alles, was ich nach meiner Recherche kennengelernt habe, um mein Problem zu lösen, nicht machen darf, was täte ich dann? So fordere ich Methoden und Inhalte immer weiter heraus, bis ich alles soweit herunterbreche, dass meine Maßnahmen so konkret wie ein Nadelstich sind.

Gerne bin ich Netzwerker

Ich kann gar nicht sagen, wie fruchtbar der Austausch mit meinen Kolleginnen und Kollegen da draußen ist. Zu erfahren, mit welchen Methoden die anderen ihre Herausforderungen meistern, ist für mich Gold wert. Und die eigenen Lösungsideen und Gedanken mit den vielen HR Profis da draussen zu challengen, sind noch mal ein ganz besondere Bereicherung. Ich kann nur sagen: Raus aus dem Sessel, rein in die Netzwerke.

Ich gehe spielerisch mit den Themen um

Ich kritzle, male oder schreibe einfach drauf los. Zuweilen bildet sich dann ein gesamtes Bild, fast wie von alleine. Wie beim Mindmapping: Man startet mit einem zunächst banal erscheinenden Keim und am Ende steht man vor einem Blumenstrauß an bunten Gedanken und Ideen.

Das kann doch jeder, oder? Ich meine, ja!

Jannis Tsalikis

Jannis ist Personalleiter (GM HR) bei Lautsprecher Teufel. Zuvor war er VP HR DACH und arbeitete bei VICE Media. Er ist Mit-Gründer des Forums für innovative Personalarbeit e.V. (FIP) und bloggt seit 2009 auf „Mein Freund die Arbeitgebermarke”.