Wegeunfall

Personalerin spricht am Telefon über Wegeunfall.

Schlechtes Wetter oder eine kleine Unaufmerksamkeit und schon ist der Unfall passiert. Auf dem Weg zur Arbeitsstelle oder auf dem Nachhauseweg handelt es sich um einen Wegeunfall. Da die Fahrt zum Arbeitsplatz in direktem Zusammenhang mit der ausgeübten Tätigkeit steht, handelt es sich beim Wegeunfall immer auch um einen Arbeitsunfall. Für beide Unfallvarianten bieten die Versicherungsträger gleiche Versicherungsbedingungen.

Voraussetzungen für einen Wegeunfall

Da es sich beim Wegeunfall um einen Arbeitsunfall handelt, gilt der Versicherungsschutz für den gleichen Personenkreis. Dieser besteht aus Arbeitnehmern, Studenten, Schülern, ehrenamtlich aktiven Personen sowie Menschen, die Angehörige im eigenen Zuhause pflegen. Erfüllt ein Versicherter aus diesem Kreis auf der Fahrt vom Wohnort zum Arbeitsplatz oder zur ehrenamtlichen Einsatzstelle die nachfolgenden Voraussetzungen, handelt es sich um einen Wegeunfall.

  • Der Arbeitsweg beginnt mit dem Verlassen der Haustür des Wohngebäudes und endet dort wieder.
  • In besonderen Situationen dürfen Sie einen abweichenden Weg wählen.
  • Unterbrechen Sie die Fahrt von A nach B für private Erledigungen, sind Sie während dieser Zeit nicht versichert.

Der Versicherungsschutz ist nicht abhängig vom gewählten Verkehrsmittel. Es ist nicht relevant, ob ein Mitarbeiter mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Motorrad, seinem Fahrrad oder auf Inlineskatern zur Arbeit fährt. Außerdem beginnt und endet er an der Außentür des Wohnhauses. Unabhängig davon, ob es sich um ein Ein- oder Mehrfamilienhaus handelt. Dies bedeutet: Sobald Sie die Eingangstür passieren und Sie verletzen sich bei einem Sturz im Treppenhaus, ist es kein Wegeunfall mehr.

Wann ist ein Abweichen vom direkten Weg erlaubt?

Es gibt mehrere Gründe, warum Sie unter Umständen vom direkten Weg abweichen müssen und dürfen. In diesen Situationen bleibt der Versicherungsschutz erhalten.

  • Abweichungen vom direkten Weg im Rahmen einer Fahrgemeinschaft.
  • Sie bringen Ihr Kind aufgrund Ihrer beruflichen Tätigkeit zum Betreuungsplatz.
  • Sie fahren nicht direkt nach Hause, sondern an einen dritten Ort. Wenn die Distanz dorthin ihrem üblichen Heimweg ähnelt, bleibt der Versicherungsschutz bestehen.

Leicht steigende Tendenz bei meldepflichtigen Wegeunfällen

Die Zahl der Arbeitsunfälle, aber auch der Wegeunfälle, sank in den letzten Jahren kontinuierlich. Im Vergleich zum Jahr 2015 verzeichnete die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung im Jahr 2016 um 10,6 Prozent weniger tödliche Wegeunfälle, wobei die meldepflichtigen Wegeunfälle um 3,8 Prozent stiegen. Auf dieser Seite finden Sie die detaillierten Zahlen.

Nachfolgend zwei Beispiele zu Wegeunfällen

Der Klassiker
Um 7.00 Uhr begibt sich Herr Fröhlich auf den Weg zur Arbeit. Dafür nutzt er ein öffentliches Verkehrsmittel. Beim Einsteigen in den Bus rutscht er aus, stürzt und bricht sich das Handgelenk. Ein typischer Wegeunfall auf dem direkten Weg zum Arbeitsplatz.

Der Außergewöhnliche
Ein besonderes Beispiel eines anerkannten Wegeunfalls war ein Verletzter, der sich auf dem Weg nach Hause bei einem Autounfall eine schwere Verletzung der Halswirbelsäule zuzog. Fünf Stunden später stellte er sich mit 1,5 Promille im Krankenhaus vor und der Unfall wurde der Berufsgenossenschaft (BG) gemeldet. Da er angeblich den Alkohol nach dem Unfall getrunken hatte und die BG nicht das Gegenteil beweisen konnte, musste der Versicherungsträger laut dem Urteil des Bayerischen Sozialgerichts die Leistungen erbringen.

Diese Pflichten haben Sie als Arbeitgeber

Als Arbeitgeber müssen Sie den Wegeunfall bei der Berufsgenossenschaft melden. Diese bewertet den Vorfall anhand der Angaben als Wegeunfall oder als Freizeitunfall.

  • Tödliche Unfälle melden Sie unmittelbar, nachdem Sie darüber informiert wurden.
  • Normale Wegeunfälle mit einer Frist von maximal drei Tagen nach dem Ereignis.

Die 3-Tages-Frist ist erforderlich, da ein Wegeunfall mit einer Arbeitsunfähigkeit von weniger als drei Tagen von der Meldepflicht ausgenommen ist. Endet ein Wegeunfall tödlich, informieren Sie zusätzlich die oberste Landesbehörde.

Auch Ihr Arbeitnehmer muss den Unfall melden. Dies erfolgt vorwiegend über einen Vordruck. Er ist in den meisten Fällen auf der Website des Versicherungsträgers verfügbar. Um den Wegeunfall korrekt zu melden, benötigt er/sie folgende Informationen:

  • Mitgliedsnummer seines/ihres Unternehmens
  • Krankenkasse
  • Den eigenen Namen und die Anschrift
  • Zeit und Ort des Unfalls
  • Beschreibung der Verletzung und an welchem Körperteil
  • Informationen zu Zeugen des Wegeunfalls
  • Daten des Durchgangsarztes, der ihn/sie behandelte

Nach Eingang der Meldung kann die Berufsgenossenschaft den Unfall entsprechend bewerten.

Eine weitere Pflicht ist die Berechnung des Regelentgelts und die Übermittlung an den Versicherungsträger. Wie Sie das Regelentgelt berechnen, ist in dem Beitrag „Arbeitsunfall“ genau erklärt. Regelentgelt berechnen Sie dann, wenn der Mitarbeiter länger als sechs Wochen arbeitsunfähig ist und im Anschluss an die Lohnfortzahlung Verletztengeld erhält.

Haftungsprivileg für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Passiert ein Wegeunfall, muss der Mitarbeiter zur Erstbehandlung zu einem Durchgangsarzt. Als Unternehmen besitzen Sie zusätzlich zur umgehenden Meldepflicht eines Wegeunfalls die Informationspflicht zum Durchgangsarzt gegenüber dem Arbeitnehmer. Vernachlässigen Sie als Arbeitgeber diese Pflicht, kann dies unter Umständen nachteilige Folgen für den Arbeitnehmer und dadurch auch für das Unternehmen nach sich ziehen.

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer das Haftungsprivileg genießen. Das bedeutet: Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind von der Haftung für Wegeunfälle, die durch Vorsatz und Fahrlässigkeit passieren, befreit.