10. Januar 2018 in F, Glossar

Fluktuationsrate berechnen

Hand hält Dominosteine auf

Die Fluktuationsrate ist eine wichtige Kennzahl aus dem Bereich des Personalcontrollings. Denn nur dann, wenn Sie regelmäßig die Fluktuationsrate berechnen, erhalten Sie einen aussagekräftigen Überblick über die Personalbewegung in Ihrem Unternehmen. Gleichzeitig signalisiert eine hohe Fluktuationsrate oft Handlungsbedarf im Personalbereich sowie in der Mitarbeiterbindung.

 

Was genau ist die Fluktuationsrate?

Die Fluktuationsrate definiert die Personalbewegung eines Unternehmens. Dabei kann es sich um das Ausscheiden von Mitarbeitern aus dem Unternehmen genauso handeln wie um interne und durch den Arbeitnehmer initiierte Versetzungen. Daher ist der Blickwinkel, aus dem heraus Sie die Fluktuationsrate berechnen, von Bedeutung.

Die Fluktuationsrate für einzelne Abteilungen zu berechnen, ist genauso sinnvoll, wie den Fokus auf das gesamte Unternehmen zu legen. So kann eine hohe Fluktuationsrate in einer einzelnen großen Abteilung beispielsweise auf schlechtes Management verweisen. Ist die Fluktuationsrate des Unternehmens abzüglich der natürlichen Fluktuation überdurchschnittlich hoch, liegt die Ursache dafür vielleicht im Verhalten des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern.

 

Verschiedene Formen der Fluktuation

Die Fachwelt unterscheidet zwischen

  • natürlicher Fluktuation (Ruhestand, Todesfälle, etc.),
  • unternehmensinterner Fluktuation (Versetzungen) und
  • unternehmensfremder Fluktuation (Kündigungen seitens Mitarbeiter oder Unternehmen)

Ein spezielles Thema ist die Frühfluktuation. Als Unterart der unternehmensfremden Fluktuation sollten Sie diese Zahl bei der Berechnung der Fluktuationsrate immer gesondert betrachten. Denn je höhere Werte Sie hier erzielen, umso wahrscheinlicher sind Probleme im Personalauswahlprozess oder im Einarbeitungsprozess.

 

Fluktuationsrate berechnen – verschiedene Ansätze, ein Ziel

Kennen Sie die Fluktuationsrate Ihres Unternehmens, sind Sie in der Lage, diese mit gezielten Maßnahmen positiv zu beeinflussen. Daher ist die Fluktuationsrate eine unverzichtbare Kennzahl im erfolgreichen Personalcontrolling.

 

Die Fluktuationsrate ist eine unverzichtbare Kennzahl im erfolgreichen Personalcontrolling.

 

Zum Berechnen der Fluktuationsrate stehen verschiedene Formeln zur Auswahl. Zu den gängigsten Varianten zählen die BDA- und die Schlüter-Formel.

Die beiden Formeln bedienen sich unterschiedlicher Bezugsgrößen mit voneinander abweichenden Ergebnissen. Planen Sie, die Fluktuationsrate langfristig zu berechnen und zu vergleichen, nutzen Sie immer die gleiche Formel. Nur so erhalten Sie belastbare Vergleichswerte.

 

BDA- und Schlüter-Formel einfach erklärt

Um die Formeln an einem praktischen Beispiel zu erklären, nutzen wir die nachfolgend angeführten Zahlen. Der Zeitraum der betrachteten Periode ist individuell. Eine monatliche Bewertung der Fluktuationsrate ist genauso möglich wie die quartalsweise oder jährliche Berechnung.

Personalbestand zu Beginn der Periode: 120
Durchschnittlicher Personalbestand der Periode: 119
Abgänge Periode: 14 Mitarbeiter (freiwillige Abgänge)
Zugänge Periode: 12 Mitarbeiter

BDA Formel:

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände propagiert die BDA-Formel. Sie setzt auf klassische Weise die Abgänge ins Verhältnis zum durchschnittlichen Personalbestand.

Fluktuationsrate = freiwillige Abgänge / durchschnittlichen Personalbestand der Periode* 100

Fluktuationsrate = 14 / 119 * 100 = 11,76 %

Schlüter Formel:

Die Schlüter Formel bedient sich nicht des durchschnittlichen Personalbestands, sondern nutzt den Personalbestand zu Beginn der Periode zuzüglich der Zugänge. Sie berücksichtigt dabei, dass es sich beim Personalbestand um eine Stichtagsgröße handelt. Die Personalabgänge stellen eine Zeitraumgröße dar.

Fluktuationsrate = Abgänge / Personalbestand Anfang Periode + Zugänge * 100

Fluktuationsrate = 14 / 120 + 12 * 100 = 10, 61 %

Innovative Softwarelösungen für den Personalbereich unterstützen Sie dabei, die Fluktuationsrate zu berechnen und automatisieren diesen Prozess.

 

Fluktuationsrate in Personio automatisch berechnen:

Mitarbeiterfluktuation in Personio

In Personio haben Sie die Möglichkeit sich die Fluktuationsrate aufgeschlüsselt nach Abteilung, Monat und Kündigungsgrund automatisch anzeigen zu lassen.

 

Fluktuationsrate hoch oder niedrig?

Als wichtige Kennzahl liefert die Fluktuationsrate, über einen längeren Zeitraum betrachtet, wichtige Informationen zur Mitarbeiterfluktuation. Im brancheninternen Vergleich zeigt sie auf, ob sich die Fluktuationsrate des eigenen Unternehmens im Normbereich bewegt. Denn wie die nachfolgenden Beispiele zeigen, variiert die Fluktuationsrate einzelner Branchen erheblich.

Fluktuationsraten verschiedener Branchen:

  • Telekommunikation 18,01 %
  • Financial Services; Banking 17,69 %
  • Handel; Großhandel 17,35 %
  • Chemie 16,14 %
  • Konsumprodukte 15,18 %
  • Services Medien 13,83 %
  • Logistik 13,08 %
  • Automotive 12 %

Laut dieser Auflistung ist die Fluktuationsrate in der Telekommunikation im Vergleich zur Automotive verhältnismäßig hoch. Ursache sind spezielle Einflussfaktoren, wie die für die Telekommunikation typischen Call Center. Diese wirken sich auf die allgemeine Fluktuationsrate negativ aus. Eine isolierte Betrachtung der Fluktuationsrate der Call Center verändert die Ergebnisse signifikant und damit die Aussage dieser Kennzahl.

 

Wenn Sie Probleme haben die Daten zur Ermittlung der Fluktuation zu erheben, sollten Sie dringend in ihre Datenqualität investieren. Ohne Daten keine moderne Personalarbeit.

 

Da jede Branche individuellen Einflussfaktoren unterliegt, ist der brancheninterne Vergleich der Fluktuationsrate oder sogar die gesonderte Berechnung einzelner Dienstleistungsbereiche innerhalb der Branche sinnvoll. Denn nur Unternehmen mit ähnlichen Voraussetzungen liefern aussagekräftige Informationen.

  • Anforderungsprofile an die Mitarbeiter gleichen sich in Bezug auf Qualifikationen.
  • Arbeitsmarkt bietet für alle Unternehmen der Branche ähnliche Voraussetzungen.
  • Strukturen der Unternehmen ähneln sich (Call Center, Logistikzentren, Forschungslaboratorien).

 

Fluktuation wirkt sich negativ auf Kosten aus

Der Verlust von Mitarbeitern ist immer mit Kosten verbunden. In welchem Rahmen sich diese bewegen, hängt in erster Linie von der erforderlichen Qualifikation des Mitarbeiters ab. Denn die Kosten für Rekrutierung, Einarbeitung und Know-How Verlust stehen im direkten Zusammenhang mit dem Anforderungsprofil.

 

Tritt ein Leistungsträger aus dem Unternehmen aus, verursacht dies Kosten von ungefähr 120 Prozent seines Jahresgehalts.

 

  • 30 % entfallen auf die Minderleistung des alten Mitarbeiters während und nach der Entscheidung für den Austritt, Freistellungen, Überstunden von Kollegen, Aushilfen etc.
  • 30 % Anwerbungskosten
  • 10 % Auswahl- und Einstellungskosten
  • 50 % Einarbeitungskosten im ersten Jahr
  • 2 % Administrationskosten

Behalten Sie Ihre Fluktuationsrate kontinuierlich im Blick, nutzen Sie damit die Chance, diese durch gezielte Maßnahmen positiv zu beeinflussen oder sie bereits im Vorfeld auf möglichst niedrigem Niveau zu halten.

 

Hohe Fluktuationsrate und die Ursachen

Die Gründe, die zur Fluktuation führen, werden seit langer Zeit intensiv erforscht. Trotzdem weisen alle Theorien Lücken auf. Allerdings zeigt sich ein gewisser Trend bezüglich der übergeordneten Motivation, warum Mitarbeiter Unternehmen verlassen.

  • Affektive Gründe wie beispielsweise das Image eines Unternehmens
  • Rationale Gründe wie ein zu geringes Gehalt, eine zu hohe Arbeitsbelastung oder fehlende Weiterentwicklungsmöglichkeiten
  • Mitarbeiterunzufriedenheit durch falsches Management
  • Persönliche Karriereplanung des Mitarbeiters
  • Schockindizierte Beweggründe wie die Verweigerung der erwarteten Beförderung

Dies ist nur ein Auszug der möglichen Begründungen für eine hohe Fluktuationsrate eines Unternehmens. Kennen Sie jedoch Ihre Fluktuationsrate und kennen Sie die Ursachen, sind die Chancen groß, mit gezielten Maßnahmen die Fluktuationsrate zu reduzieren.