21. Februar 2018 in HR Management

3 Tipps, wie Sie Arbeitgeberbewertungen nutzen können

Arbeitgeberbewertung

Der Mensch mag im Internetzeitalter keine Experimente: Ob er sich bei Airbnb einbucht, eine Lederjacke auf Ebay ersteigert oder die neue Szenebar ausprobiert – vorher studiert er Online-Bewertungen. Dies gilt umso mehr bei einem neuen Arbeitsplatz. Wer sich an einen Arbeitgeber bindet, will vorher wissen, woran er ist. Personaler sollten sich die daraus entstehende Transparenz zunutze machen. Lesen Sie hier, wie Arbeitgeberbewertungen Ihre Personalarbeit voranbringen.

Arbeitgeber auf dem Prüfstand

Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 hat sich Kununu als wichtigste Arbeitgeber-Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum durchgesetzt. Fast zweieinhalb Millionen Bewertungen von rund 640.000 Arbeitgebern sind hier hinterlegt. Mitarbeiter, Azubis und Bewerber vergeben einen bis fünf Sterne für Kategorien wie Arbeitsatmosphäre, Kollegenzusammenhalt, Karriereperspektiven oder wertschätzende Behandlung im Vorstellungsgespräch. Daneben lassen sich Kommentare mit persönlichen Erfahrungen verfassen. Außer Kununu gibt es einige kleinere Bewertungsplattformen, wie meinchef.de oder bizzWatch.de, die gegenüber dem Platzhirschen unter den Anbietern jedoch unbekannter sind.

Einfluss auf Ihr Employer Brand

Kununu & Co. sind eine Stellschraube, um das Employer Brand positiv zu beeinflussen. Denn dort finden Unternehmen heraus, was bei Bewerbern gut und was weniger gut ankommt. Nicht nur Feedback zum eigenen Unternehmen, sondern auch Reaktionen zu anderen Prozessen geben Aufschluss und Anregungen für Maßnahmen für die Rekrutierung und Mitarbeiterbindung.

Arbeitgeberbewertung

Eine Umfrage der Bitkom unter 803 Internetnutzern aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass sich 30 Prozent der Befragten auf Arbeitgeberbewertungsplattformen darüber informieren, was Mitarbeiter und Bewerber über ein Unternehmen sagen. Mehr als drei Viertel der Studienteilnehmer ließen sich von Bewertungen in ihrer Entscheidung beeinflussen. Knapp die Hälfte hat sich nach der Internetrecherche schon einmal entschieden, sich nicht bei einem Unternehmen zu bewerben. Damit kann das Online-Bewertungsprofil erheblich dazu beitragen, ob ein Betrieb ausreichend Bewerbungen erhält.

 

Tipp 1: Analysieren Sie ihre Bewertungen

Für Personaler sind authentische Bewertungen von Angestellten, ehemaligen Mitarbeitern und Bewerbern ein Daten- und Informationsschatz. Auf Arbeitgeberbewertungsplattformen steht all das, was sich (Ex-)Mitarbeiter nicht trauen zu sagen. Der Chef ein Choleriker? Der Teamspirit am Boden? Je nachdem, was kritisiert wird, kann HR Maßnahmen einleiten, z. B.: den Vorgesetzten zu einem Gespräch bitten und ihm ein Training anbieten oder prüfen, ob Neueinstellungen infrage kommen, um die Belegschaft zu entlasten. Usw.

Neben punktuellen Kritikpunkten erfährt der Personaler auch, wo es ganz allgemein im Unternehmensgetriebe knirscht: ob die ältere Generation das Gefühl hat, nicht mehr richtig ins Geschehen eingebunden zu sein oder ob die interne Kommunikation Mängel hat. Bei gezielten (Gegen-) Maßnahmen kann der Personalverantwortliche nachverfolgen, ob sich Bewertungen auf den Plattformen zum Positiven verändern oder negative Anmerkungen verschwinden.

Umgekehrt erfährt das Personalwesen, in welchen Bereichen es besonders gut läuft, und was die Belegschaft zufrieden macht. Eine Fünf-Sterne-Bewertung bei „Interessante Aufgaben“ und „Karriere/Weiterbildung“ lässt zum Beispiel den Rückschluss zu, dass die Personalentwicklung einen guten Job macht und die Mitarbeiter das anerkennen. Das können HR-Verantwortliche nutzen, um bei der Geschäftsführung zu punkten oder weiterhin Budget für derlei Maßnahmen zu fordern.

 

Tipp 2: Treten Sie in den Dialog

Kommunikation im Internet ist keine Einbahnstraße. Was bei Facebook oder Twitter gilt, gilt auch für Kununu. Arbeitgeber können sich dort anmelden und Stellung nehmen. Gerade bei ausführlichen Erfahrungsberichten bietet sich das an. Ein Bewerber hat die angenehme Gesprächsatmosphäre im Jobinterview gelobt und beschrieben, welche Fragen Sie ihm gestellt haben? Bedanken Sie sich für das Kennenlernen und für die Zeit, die der Arbeitssuchende sich genommen hat.

Ein Mitarbeiter prangert Missstände an? Bieten Sie ihm einen Termin unter vier Augen an und sichern Sie ihm zu, dass Sie den Gesprächsinhalt vertraulich behandeln. Gemeinsam lässt sich bestimmt eine Lösung finden.
Ein ehemaliger Angestellter lässt Frust ab und berichtet, warum er gekündigt hat? Schreiben Sie, dass Sie es schade finden, dass er nicht auf HR zugekommen ist, um die Probleme aus der Welt zu schaffen und wünschen Sie ihm alles Gute für die Zukunft.

Vorsicht: Nicht alle Bewerber und Berufstätige können mit Ablehnung oder unangenehmen Erlebnissen professionell umgehen. Manche vergreifen sich im Ton. Lassen Sie sich nicht dazu hinreißen, die wertschätzende, höfliche Kommunikationsebene zu verlassen. Beleidigen Sie niemals zurück und stellen keine Mutmaßungen über Qualifikation oder Persönlichkeit des Berichtenden an. Eine Firma, die etwa schreibt „Wenn Sie das bisschen Druck als unerträglich empfunden haben, passen Sie nicht zu uns“, zeigt vor allem eines: dass sie die Kritik verdient hat.

Denken Sie immer daran: Ihre Antwort erreicht nicht nur denjenigen, der die Bewertung abgegeben hat, sondern auch Talente, die darüber nachdenken, sich bei Ihnen zu bewerben und im Internet recherchieren. Schreiben Sie also nichts, was Sie nicht auch live in eine Fernsehkamera sagen würden.

Um Ihre Glaubwürdigkeit zu erhöhen, nennen Sie Ihren Klarnamen, Ihre Position und die Abteilung, in der Sie arbeiten. Wer im Falle von Konflikten Ihr Gesprächsangebot annehmen möchte, erfährt so, an wen er sich wenden kann.

 

Tipp 3: Ermuntern Sie Mitarbeiter und Bewerber zu Bewertungen

Im Kundenservice begegnet einem diese Vorgehensweise bereits: Verkäufer oder Kundenbetreuer fordern aktiv Feedback und bitten Geschäftspartner, positive Erfahrungen im Internet zu teilen. Diese Methode lässt sich auf das Personalwesen übertragen. Warum Mitarbeiter nicht daran erinnern, dass sie an der Außendarstellung ihres Arbeitgebers mitwirken können, indem sie ihn auf Kununu & Co. bewerten? Dies sollte in einer positiven Atmosphäre geschehen – zum Beispiel nach einem konstruktiv verlaufenden Mitarbeitergespräch – oder in anderen Situationen, in denen man sich des Wohlwollens des Angestellten sicher sein kann. Auch einen Kandidaten kann man nach Abschluss eines Arbeitsvertrages ansprechen: „Wenn Sie den Bewerbungsprozess als angenehm empfunden haben, berichten Sie gerne auf einer Bewertungsplattform davon.“

Vorsicht Falle: Widerstehen Sie der Versuchung, ihr Ranking mit selbstverfassten Bewertungen nach oben zu treiben. Aufmerksame Leser identifizieren Fake-Erfahrungsberichte an ihrer unnatürlichen Sprache. Ein Profil, das zahlreiche schlechte Bewertungen hat und mit einzelnen Spitzennoten einen erträglichen Durchschnitt erreicht, ist nicht glaubwürdig.

Bleiben Sie fair: Den passenden Arbeitgeber zu finden ist zu wichtig, als dass man seine Interessenten hinters Licht führen sollte. Arbeiten Sie an Ihrer Unternehmenskultur – nicht an gefälschten Statements.

 

Fazit

Transparenz ist ein Segen – auch im Personalwesen. Wie ein Unternehmen von Angestellten und Bewerbern beurteilt wird, hat Einfluss auf die Anzahl der eingehenden Bewerbungen. Wer Arbeitgeberbewertungen im Internet gezielt nutzt, kann sein Employer Branding stärker verbessern, als wenn er sich nur auf Mitarbeiterbefragungen stützt. Hüten Sie sich dabei vor Manipulationen, Sie würden sich eines wertvollen Instruments berauben.