Tipps, wie Sie Arbeitgeberbewertungen nutzen können

Arbeitgeberbewertung

Der Mensch mag im Internetzeitalter keine Experimente: Ob er sich bei Airbnb einbucht, eine Lederjacke auf Ebay ersteigert oder die neue Szenebar ausprobiert – vorher studiert er Online-Bewertungen. Dies gilt umso mehr bei einem neuen Arbeitsplatz. Wer sich an einen Arbeitgeber bindet, will vorher wissen, woran er ist. Personaler sollten sich die daraus entstehende Transparenz zunutze machen. Lesen Sie hier, wie Arbeitgeberbewertungen Ihre Personalarbeit voranbringen.

Arbeitgeber auf dem Prüfstand

Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 hat sich Kununu als wichtigste Arbeitgeber-Bewertungsplattform im deutschsprachigen Raum durchgesetzt. Über zweieinhalb Millionen Bewertungen von rund 740.000 Arbeitgebern sind hier hinterlegt. Mitarbeiter, Azubis und Bewerber vergeben einen bis fünf Sterne für Kategorien wie Arbeitsatmosphäre, Kollegenzusammenhalt, Karriereperspektiven oder wertschätzende Behandlung im Vorstellungsgespräch. Daneben lassen sich Kommentare mit persönlichen Erfahrungen verfassen. Außer Kununu gibt es einige kleinere Bewertungsplattformen, wie meinchef.de oder bizzWatch.de, die gegenüber dem Platzhirschen unter den Anbietern jedoch unbekannter sind.

Einfluss auf Ihre Employer Brand

Kununu & Co. sind eine Stellschraube, um das Employer Brand positiv zu beeinflussen. Denn dort finden Unternehmen heraus, was bei Bewerbern gut und was weniger gut ankommt. Nicht nur Feedback zum eigenen Unternehmen, sondern auch Reaktionen zu anderen Prozessen geben Aufschluss und Anregungen für Maßnahmen für die Rekrutierung und Mitarbeiterbindung.

Eine Umfrage der Bitkom unter 803 Internetnutzern aus dem Jahr 2015 hat ergeben, dass sich 30 Prozent der Befragten auf Arbeitgeberbewertungsplattformen darüber informieren, was Mitarbeiter und Bewerber über ein Unternehmen sagen. Mehr als drei Viertel der Studienteilnehmer ließen sich von Bewertungen in ihrer Entscheidung beeinflussen. Knapp die Hälfte hat sich nach der Internetrecherche schon einmal entschieden, sich nicht bei einem Unternehmen zu bewerben. Damit kann das Online-Bewertungsprofil erheblich dazu beitragen, ob ein Betrieb ausreichend Bewerbungen erhält.

Arbeitgeberbewertungen erfolgreich nutzen

Anna Glombitza-Oelsner ist Head of Content Marketing bei kununu. Im Interview gibt sie Tipps, wie Sie mit negativen Kommentaren umgehen sollten und wie Sie positives Feedback für Ihren weiteren Employer Branding Erfolg nutzen können. Zudem erfahren Sie, was Unternehmen davon abhält, aktiver auf kununu zu sein und was die größten Fehler bei der Kommunikation mit Personen sind, die das Unternehmen bewerten.

Hinweis zu allen Fragen aus dem Interview: Auf https://toolkit.kununu.com/ stehen praktische Tipps, wie Unternehmen kununu als Teil ihres Employer Brandings nutzen können zum kostenlosen Download bereit.

Anna Glombitza-OelsnerAnna Glombitza-Oelsner ist Head of Content Marketing bei kununu und weiß genau, wie Unternehmen Arbeitgeberbewertungen für eine authentische Employer Brand nutzen können.

 

 

 

 

Welche drei Tipps geben Sie Unternehmen mit, um Arbeitgeberbewertungen (positiv und negativ) für sich zu nutzen? Was sollte man auf jeden Fall machen?

1. Aktiv werden. Wir empfehlen, regelmäßig auf Bewertungen einzugehen. Das bedeutet: Nicht nur bei kritischen Bewertungen Stellung beziehen, sondern sich auch für positive Bewertungen bedanken und so die Aussagen bekräftigen und unterstreichen.

2. Kein 0815. Wer seinen Arbeitgeber bewertet, der nimmt sich meistens Zeit, um seine Erfahrungen mit anderen zu teilen. Die Erfahrungen sind individuell – sie verdienen daher eine individuelle und wertschätzende Reaktion. Arbeiten Sie nicht mit Standardtexten, seien Sie möglichst authentisch und spontan. So wirken Ihre Aussagen glaubwürdig.

3. Nutzen Sie die Chance. Feedback kann auch mal unbequem sein und die Erfahrungen, die Arbeitnehmer auf kununu teilen, sind teilweise sehr individuell. Doch häufig ergibt sich durch die gemeinsame Betrachtung einzelner individueller Bewertungen ein konsistentes Bild zu bestimmten Themen im Unternehmen, positiv wie negativ. Nutzen Sie kununu, um diese Themen im Unternehmen zu identifizieren, ggf. Maßnahmen abzuleiten und so ein noch besserer Arbeitgeber zu werden.

Was sind die größten Fehler, die Unternehmen machen, z. B. bei der Kommunikation mit Personen, die das Unternehmen bewerten?

Natürlich passiert es, dass unzufriedene Mitarbeiter Kritik pauschal äußern oder Dinge auf sehr drastische Art und Weise darstellen. Selbst wenn man eine Bewertung nicht nachvollziehen kann, sollte man als Unternehmensvertreter sachlich und professionell bleiben und nicht verbal „zurückhauen“.

Was hält Unternehmen davon ab, aktiv(er) auf kununu zu sein?

Zeit und Ressourcen – die muss man einfach investieren. Und man muss mutig sein, sich potentieller Kritik zu stellen. Viele Unternehmen haben leider noch nicht für sich erkannt, welche Chancen sie aus dem direkten Dialog ziehen können. Seit November 2017 können User übrigens auch auf den Unternehmensprofilen Fragen stellen zu konkreten Arbeitgebern. Aus unseren Daten wissen wir, dass besonders viele Bewerber Fragen stellen – eine Chance für Unternehmen, vor oder während des Bewerbungsprozesses mit potentiellen neuen Mitarbeitern in Kontakt zu treten.

kununu ist eine der größten Arbeitgeber-Bewertungsplattformen in der DACH-Region. Wie hoch schätzen Sie den Einfluss der Bewertungen auf die Employer Brand von Unternehmen ein (insbesondere im Mittelstand)?

Eine Bitkom-Studie aus April 2018 zeigt, dass Arbeitgeber-Bewertungen im Web immer wichtiger für Bewerber werden. Besondere Relevanz haben Arbeitgeberbewertungsportale für jüngere Berufstätige. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen hat jeder zweite (52 %) schon einmal Online-Arbeitgeberbewertungen gelesen, bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 46 %, bei den 50- bis 64-Jährigen 39 %. Diese Ergebnisse zeigen auch, wie hilfreich es für Unternehmen im War for Talents ist, Angebote wie kununu aktiv als Teil des Employer Brandings zu nutzen. Kleinere Unternehmen oder sogenannte Hidden Champions können sich auf kununu sichtbar machen.

Menschen tendieren eher dazu, sich zu beschweren statt zu loben. Wie sollten Unternehmen mit schlechten Bewertungen umgehen?

Zunächst einmal sollte sich ein Unternehmen, das viele schlechte Bewertungen hat, ein genaues Bild von der Kritik machen. Häuft sich die Kritik zu bestimmten Themen, so lassen sich eventuell konkrete Verbesserungspotentiale identifizieren.
Wir stellen fest, dass aktuelle Mitarbeiter häufig ein deutlich besseres Bild von ihrem Arbeitgeber haben als ehemalige Mitarbeiter, für die es ja meist Gründe gab, das Unternehmen zu verlassen. Auf https://toolkit.kununu.com/ haben wir unter anderem Tipps für Unternehmen zusammengestellt, die ihre Mitarbeiter einladen wollen, das Unternehmen zu bewerten.

Fazit

Transparenz ist ein Segen – auch im Personalwesen. Wie ein Unternehmen von Angestellten und Bewerbern beurteilt wird, hat Einfluss auf die Anzahl der eingehenden Bewerbungen. Wer Arbeitgeberbewertungen im Internet gezielt nutzt, kann sein Employer Branding stärker verbessern, als wenn er sich nur auf Mitarbeiterbefragungen stützt. Hüten Sie sich dabei vor Manipulationen, Sie würden sich eines wertvollen Instruments berauben.